Warum unsere Unterstützung für die Ukraine-Flüchtlinge keine Eintagsfliege sein darf.
Die jüngste Corona-Welle ist noch nicht ausgestanden, da stellt die nächste Welle die Gesellschaft auf eine Belastungsprobe: Die Flüchtlingswelle aus der Ukraine. Während die Corona-Krisenstäbe sich auflösen, bilden sich Ukraine-Krisenstäbe, um die Lage der Flüchtlinge im Griff zu behalten. Und die ist, gelinde gesagt, dramatischer als es vielen bewusst ist. In den vergangenen vier Wochen sind mehr Flüchtlinge in den Landkreis geströmt, als jemals zuvor. 1672 zählte das Landratsamt vorige Woche, die Zahl ist längst veraltet, dürfte schon bei an die 2000 liegen. Dass dies so vergleichsweise geräuschlos abläuft, daran haben viele helfende Hände ihren Anteil.
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Zuvorderst sind es die unzähligen privaten Initiativen, die mit Reisebussen, PKWs und Transportern unkompliziert und schnell Hilfsgüter in Richtung Ukraine transportieren. Und genauso schnell und komfortabel die Flüchtlinge zurück mit nach Deutschland bringen. Das ist einer der Hauptgründe, warum die Zahlen der Ankommenden so rasant nach oben gingen und immer noch gehen. Und auch ein großer Unterschied zur Flüchtlingswelle von 2015, als die Menschen erstens eine deutlich längere Fluchtroute zurücklegten und zweitens nur selten von Privatleuten an der Grenze abgeholt wurden.
Behörden haben schnell reagiert
Kreis und Kommunen haben überaus schnell reagiert und Unterkünfte geschaffen. Es ist bemerkenswert, wie gut die Rädchen ineinander griffen: In Windeseile wurden Sporthallen hergerichtet, Essen vorbereitet, Schlafplätze gestellt und eine medizinische Versorgung ermöglicht. Selbst die Polizei öffnete ihr Domizil in der ehemaligen Wildermuth-Kaserne für Waisenkinder, die aus einem Heim evakuiert werden mussten. Die Volkshochschule bietet schon Integrationskurse an. Im Landratsamt laufen die Drähte heiß, um schnell mehr Schlafplätze zu organisieren. Erstaunlich, was alles möglich ist, unter dem Eindruck des schlimmen Schicksals der ukrainischen Bevölkerung. Damit dies so bleibt, sind aber weitere Kraftanstrengungen nötig. Bisher können die Behörden bemerkenswerterweise noch Schritt halten. Der Landkreis hat einen Planungspuffer von 14 Tagen: So lange im Voraus sind Unterkünfte gesichert. Damit dies so bleibt, ist eine enge Abstimmung zwischen Landratsamt, Kommunen und Ehrenamts-Strukturen aber unabdingbar.
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Die Hauptlast allerdings tragen derzeit die Privatleute: Zwei Drittel der Geflüchteten kommen bei Familien, Verwandten und Freunden unter. Deren großen Herzen ist es zu verdanken, dass viele zunächst eine sichere Bleibe haben. Auch das ist ein Unterschied zu 2015, wo sich ein dreistufiges Verfahren herauskristallisierte: Erstaufnahme im Land, vorläufige Unterbringung im Kreis und Anschlussunterbringung in Gemeinden. Diese Regelung greift nur noch teilweise, möglicherweise wird sie aber wieder wichtig.
Denn es sind Geschichten zu hören von zehn Flüchtlingen, die sich 60 Quadratmeter teilen. Von Familien, die Mütter und Kinder bei sich aufnehmen, obwohl die Wohnverhältnisse ohnehin schon beengt sind. Es stellt sich die Frage, wie lange all die privaten Initiativen noch aufrechterhalten werden können. Dass es sie überhaupt in so großer Zahl gibt, ist an sich schon erstaunlich und in hohem Maße zu befürworten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Helfer alle Unterstützung erhalten die notwendig ist, um die Last zu tragen.
Damit die Debatte nicht kippt
Wie unschön war die Entwicklung in den Jahren nach 2015, als die Ereignisse der Silvesternacht von Köln die Debatte kippen ließen. Bleibt zu hoffen, dass sich das nicht wiederholt. Vielleicht hat die Gesellschaft ja aus der damaligen Zeit gelernt? Vorurteile gegenüber Flüchtlingen helfen jedenfalls nicht weiter. Gut zu wissen, dass davon bisher keine in Sichtweite sind.