Große Armut, aber auch viel Dankbarkeit und Lebensfreude: Das Uganda-Team Göppingen war wieder für eine Woche in Afrika. Die Schule ist fertig und eingeweiht worden – dank vieler Spender.
Es ist ein Brief, der berührt: Ein 1000-Schilling-Schein klebt auf dem Papier. Umgerechnet sind das etwas mehr als 20 Cent. Ein kleiner Junge im Dorf Kasanje in Uganda hat dieses Geld gespart und Fabio Vercelli mitgegeben. Verbunden mit dem sehnlichen Wunsch, dass er im kommenden Jahr wiederkommen möge. „Davon soll ich mir das Flugticket kaufen“, sagt der Koordinator der Uganda-Hilfe Göppingen. Die Dankbarkeit der Kinder, die wegen eines Luftballons oder eines Lollis, aber auch wegen des Besuchs aus Deutschland völlig aus dem Häuschen sind, bewegt Vercelli jedes Jahr aufs Neue.
Ende Februar hat sich eine Gruppe des hiesigen Uganda-Teams, das zum Verein Uganda-Hilfe Unterland gehört, wieder für eine Woche nach Afrika aufgemacht. Dieses Mal gab es Grund zum Feiern: Die neue Schule in Kasanje ist fertig und wurde gebührend eingeweiht. Eine Kita mit drei Vorschulklassen ist hier bereits entstanden, Hauptprojekt ist die St. Monica Junior School, die 2012 eingeweiht wurde.
250 Schülerinnen und Schüler in Kasanje
Mit dem Bau des zweiten Schulgebäudes wurde 2019 begonnen. 200 000 Euro seien bisher investiert worden, sagt Vercelli. In der obersten Etage legen die Bauarbeiter derzeit noch Hand an. Ist der Ausbau erledigt, können die Internatskinder hier ihre neuen Schlafsäle beziehen, erklärt der Koordinator.
Damit die 250 Schülerinnen und Schüler in Kasanje die Schulbank drücken sowie die 40 Waisen unter ihnen hier leben können, ist Fabio Vercelli seit Jahren unermüdlich auf Spendentour. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen Kindern in Uganda ein besseres Leben und in erster Linie Bildung zu ermöglichen.
Wie groß die Unterstützung ist, zeigte sich jetzt wieder: Auf einen spontanen Aufruf Vercellis direkt aus Uganda kam eine Spendensumme von knapp 2700 Euro zusammen. Damit sollen drei Waschmaschinen gekauft werden, damit die Kinder nicht große Stücke wie Bettwäsche und Handtücher mühsam mit der Hand schrubben müssen. Ihre eigene Kleidung waschen die Jungen und Mädchen ohnehin selbst per Hand.
Stück für Stück soll sein „Herzensprojekt“ gedeihen, sagt der Koordinator aus Göppingen. Sein Ruf wurde auch in Stuttgart gehört: Die Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg machte 30 000 Euro locker und fördert damit das Landwirtschaftsprojekt der Uganda-Hilfe. Die Menschen in Kasanje sollen an den Anbau von Lebensmitteln herangeführt werden – und dies unter fachkundiger Anleitung. Das Ziel: Hilfe zur Selbsthilfe.
Drei Hektar Land stehen auf dem Gelände zur Verfügung
Agraringenieurin Sabine Kurz begleitete die Delegation in diesem Jahr nach Uganda und machte sich ein Bild vor Ort. Drei Hektar Land stehen auf dem Gelände zur Verfügung. Ein Großteil sei bebaut, doch der Rest sei sehr fruchtbar, sagt sie: „Es wächst hier quasi alles, was man sich vorstellen kann, weil das Klima sehr günstig ist.“ Eine Zisterne liefere das notwendige Wasser zwischen den Regenzeiten. Unter Anleitung sollen die Menschen hier zwei Jahre lang betreut werden und beispielsweise lernen, wie man ein Frühbeet oder einen Komposthaufen anlegt. Hauptanliegen sei es, die Ernährung der Internatskinder zu sichern, betont Kurz. Sprich, es sollen unter anderem Süßkartoffeln, Kürbisse oder Tomaten für das Schulessen angebaut werden. Derzeit bekommen die Kinder Polenta – morgens flüssig, mittags fest. Mit einem höheren Selbstversorgungsgrad könne auch die betriebswirtschaftliche Situation der Schule verbessert werden, hatte die Göppinger CDU-Landtagsabgeordnete Sarah Schweizer, auf deren Initiative die Finanzspritze des Landes zurückgeht, als übergeordnetes Ziel ausgegeben.
Die Spender sollen stets wissen, wohin ihr Geld fließt, daher tritt das Uganda-Team jedes Jahr die beschwerliche Reise nach Afrika an. Neben Fabio Vercelli und Sabine Kurz machten sich jetzt Dr. Denis Mpanga, Pfarrer der italienischen Gemeinde San Francesco in Göppingen und Initiator des Projekts in seinem Heimatland Uganda, sowie Wolfgang Friedrich, Gründer und Chef des Vereins, auf den Weg. Auch Ronald Rittig, Elena Dobocan, Katrin Vercelli, Romina Santoro und Rosetta Emanuelle Ruffino waren mit von der Partie. Spenden werden auch weiterhin benötigt: „Die Arbeit hört nicht auf. Der erste Schulkomplex ist renovierungsbedürftig“, macht Fabio Vercelli deutlich. „Wenn neue Kinder kommen, brauchen sie eine Schuluniform, Schulmaterial muss erneuert werden“, zählt er auf.
Die Hinreise dauert 24 Stunden
Vercelli macht deutlich, dass die Reise nicht ohne ist: „Zur Vorbereitung stehen viele Impfungen auf dem Programm.“ Ein Visum muss beantragt werden, prophylaktisch gehören Malariatabletten ins Gepäck. Die Hinreise dauert 24 Stunden, mit Zwischenstopp in Istanbul und Ruandas Hauptstadt Kigali. Von dort geht es schließlich nach Uganda, in dieses kleine, sehr arme Land direkt am Äquator, dessen Klima für die Gruppe ebenfalls sehr anstrengend ist. Das Fahren auf unbefestigten Straßen sei ohnehin ein Abenteuer.
Doch die Reisenden werden für die Strapazen belohnt. Strahlende Kinderaugen, Lebensfreude pur und unermessliche Dankbarkeit begleitete die Gruppe in diesen Tagen. Die Freude über ein T-Shirt werden der Delegation genauso in Erinnerung bleiben wie feste Umarmungen dieser Kinder, die erwartungsvoll in die Zukunft schauen. „Das ist alles so emotional und berührend. Es ist eine tolle Erfahrung“, fasst Katrin Vercelli zusammen. Elena Dobocan stimmt ihr zu: „Das ist so beeindruckend, das muss man miterlebt haben. Das kann man nicht in Worte fassen. Es ist so ein warmes, herzliches Gefühl.“ Der Team-Koordinator ist dankbar, dass der Schulbau trotz Corona nur mit leichter Verspätung eingeweiht werden konnte: „Ich bin froh, dass ich ein Teil davon war und sehr stolz, dass mich so viele Freunde und Bekannte unterstützen.“