Die Stadtentwässerung Stuttgart bei Arbeiten in Bad Cannstatt. Foto: Mierendorf

Größere Abwasserkanäle können Überschwemmungen auch nicht vermeiden.

Nachdem die starken Regenfälle vor einigen Wochen zu teilweise sehr heftigen lokalen Überschwemmungen in Baden-Württemberg geführt haben, äußert die Landesvereinigung Bauwirtschaft Baden-Württemberg jetzt Kritik an den Kommunen. Die Schäden wären jedoch vermeidbar, wenn das Kanalnetz ausreichend dimensioniert gewesen wäre, so die Interessenvertretung der Bauwirtschaft.

"Das ist Unsinn", sagt Ekkehardt Schäfer von der Stadtentwässerung Stuttgart. Natürlich könnten die Kommunen größere Kanäle bauen, das sei aber unnötig. "Es gibt auch auf der Autobahn jedes Jahr Staus, wenn Sommerferien sind. Deshalb kann man die Autobahnen auch nicht achtspurig ausbauen." Genauso verhalte es sich mit den Starkregenereignissen, bei denen der Niederschlag überproportional hoch sei. Um so riesige Kanäle zu bauen, die die Regenereignisse wie zuletzt am 4. Juli ohne Schaden ableiten könnten, müssten diese im Gegensatz zu den heute verwendeten Durchmessern fünf- bis zehnmal größer sein. Ein durchschnittliches Abwasserrohr habe in Stuttgart einen Querschnitt von 30 bis 100 Zentimetern.

"Trotzdem bleibt das Problem, dass Wasser nach unten fließt", erklärt Schäfer. Neben dem Niederschlag, der von oben kommt, fließe zusätzlich das Abwasser von den Anhöhen Stuttgarts an diese Stellen. "Wer in einer Senke wohnt, wird bei Starkregen immer damit rechnen müssen, dass Wasser unter Umständen auch ins Haus eindringt, genauso wie bei jemanden, der am Fluss lebt", so der Abwasserexperte aus Stuttgart. Das Wasser kann dabei an den unterschiedlichsten Stellen in das Gebäude kommen, sagt Schäfer. Neben dem Eindringen von Grundwasser durch Kellerwände oder die Sohle ist die Ausbreitung von Rückstauwasser durch die Kanalisation besonders ärgerlich.

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