Wie viele andere Tierheime im Land ist auch jenes in Filderstadt voll bis unters Dach mit Pflegetieren. Deshalb gibt es unter anderem einen Aufnahmestopp.
Schon seit Längerem sind die Tierheime in Deutschland übervoll mit Haustieren aller Art, die dort gepflegt und gehütet werden sollen. In einem Brandbrief an Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir haben nun zahlreiche Tierschützer und – heime auf diese prekäre Situation aufmerksam gemacht.
Bei den Katzen gibt es einen Aufnahmestopp
Die Tierheime in Stuttgart und Umgebung sind von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Josefine Bohn, Erste Vorsitzende des Tierschutzvereins Filderstadt, erklärt in knappen Worten die Situation im Tierheim Filderstadt: „Besonders schlimm ist es bei den Katzen. Da haben wir jetzt mehr als 30, die Quarantänestation ist voll, da müssen wir jetzt einen Aufnahmestopp verkünden. Dazu gehören derzeit auch drei Mütter mit ihren Kleinen. Bei Hunden können wir nur solche aufnehmen, die verträglich sind mit anderen. Einzelhaltung geht aus Platzgründen nicht mehr“. Das ist ja eigentlich auch das gute Ziel: Wenn Hunde schon im Tierheim sein müssen, dann sollen sie dort ein gutes Gruppenverhalten lernen. Doch jetzt ist das angesichts der Überbelegung eine Aufnahmevoraussetzung.
Fachkräfte sind absolute Mangelware
Die Überbelegung ist die eine Seite der Medaille, die andere ist die Personalsituation. „Da sieht es ganz schlimm aus“, so Bohn, „eine Fachkraft zu bekommen, ist fast unmöglich“. Aber auch Leute, die nicht vom Fach sind, bekommt das Tierheim Filderstadt derzeit kaum. „Eine gute Bezahlung ist heute sehr wichtig. Aber wie können wir das dauerhaft finanzieren als eine Einrichtung, die in hohem Maß auf Spenden angewiesen ist?“, fragt Bohn. Da bleibt eben nur die Hoffnung, dass die Ehrenamtlichen möglichst lange dabei bleiben.
In dem Brandbrief an Özdemir liest sich das so: „Es sind zu viele Schnauzen für zu wenige Hände! Die Zahl der Hunde, welche jährlich im Tierheim abgegeben werden sollen, aber nicht aufgenommen werden können, bewegt sich bereits im vierstelligen Bereich, die Tendenz ist steigend. Verzweifelte Hundehalterinnen und Hundehalter lassen ihre Hunde bereits durch Tierärzte töten, töten sie selbst oder versuchen, sie unter Angabe falscher Tatsachen im Tierheim abzugeben oder im Internet zu verkaufen.“
Den illegalen Handel eindämmen
Bohn kennt natürlich auch diesen Brief und sagt: „Wir finden ihn sehr gut, viele wichtige Punkte werden angesprochen“. Dazu gehört etwa, dass der meist illegale Welpen- und Hundehandel, meist im Internet, eingedämmt und überwacht wird. Generell müsste der übermäßige Import von Hunden aus dem Ausland reglementiert und kontrolliert werden. Eine Registrier- und Kennzeichnungspflicht für Hunde wäre hilfreich. Unterschrieben haben die Filderstädter diesen Brandbrief allerdings nicht: „Wir begrüßen diese Aktion ja sehr, aber für uns ist das letztlich mit zu wenig konkreten Forderungen verbunden.“
Am unteren Ende der Werteskala
Das mag aber auch daran liegen, dass Özdemir bei einigen genannten Punkten der falsche Adressat ist für solche Dinge. Tierheime sind eine Angelegenheit der jeweiligen Kommunen, nicht der Bundesregierung. Zumindest was die Ausstattung der Tierheime angeht. Deshalb wird Bohn demnächst aufs Rathaus gehen, wobei es hier genau genommen sogar drei sind: Das Tierheim ist zuständig für Filderstadt, Leinfelden-Echterdingen und Aichtal. Und da wird nach einem Umlageverfahren vorgegangen, das ziemlich in die Jahre gekommen ist: Bezahlt wird eine Pauschale pro Einwohner von 75 Cent im Jahr. Da bewegen sich die Kommunen ziemlich weit am unteren Ende der Bewertungsskala: „Die Spannweite liegt zwischen 50 Cent und drei Euro“, so Bohn. Sie rechnet vor: „2022 konnten wir damit 28 Prozent unserer Kosten bestreiten. Das reicht noch nicht einmal ganz für unseren Katzenbereich. Spenden decken weitere 37 Prozent ab. Weitere Einnahmen kommen aus den Mitgliedsbeiträgen und den Schutzgebühren bei Vermittlungen. In den letzten Jahren hatten wir hin und wieder mal Glück und haben eine Erbschaft erhalten, womit wir am Ende des Jahres die Kosten letztendlich decken konnten.“
Vermittlung ist nicht mehr möglich
Dagegen stehen die Fixkosten für das Personal, für das Futter und für den Tierarzt. Und das bleibt auf der Strecke: Bei der Vermittlung unterstützend helfen, damit Mensch und Vierbeiner gut zueinander finden. Das gilt auch für Hunde, die aus dem Ausland kommen und erst mal einen gründlichen Rundum-Check und eine Kennenlern-Phase benötigen. Auch für streunende Katzen kann nichts mehr unternommen werden. Dabei wäre ein steter Kontakt notwendig, um einen Überblick zu haben über deren Population.