Timo Eder bei seiner Reck-Übung im Rahmen des Mixed-Cups beim DTB-Pokal in Stuttgart. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Beim DTB-Pokal in Stuttgart hatten Timo und Jonas Eder jeweils große Auftritte. Welche Perspektiven haben die Brüder aus Ludwigsburg? Wir haben mit beiden gesprochen – und mit ihrem Trainer.

Für ein Familienwochenende bietet sich ja das eine oder andere an. Eine Fahrt in die Berge, ein Trip an den Bodensee, zwei gemütliche Tage auf der Couch. Oder: ein Ausflug zum DTB-Pokal. Für den haben sich am vergangenen Wochenende Jonas und Timo Eder entschieden – allerdings waren die Brüder aus Ludwigsburg nicht als Zuschauer in der Porsche-Arena in Stuttgart zu Gast. Sondern gehörten zu den Hauptdarstellern an den sechs Geräten. „Ich bin froh, wie es gelaufen ist“, sagte danach Timo, der ältere der beiden. Als er mit einer Medaille um den Hals die Halle verließ.

 

Etwas überraschend war der 18-Jährige von Waleri Belenki für den Mixed-Cup am Sonntagnachmittag nominiert worden. „Er wird das Ganze spannend machen“, hatte der Bundestrainer mit Blick auf den internen Konkurrenzkampf schon am Tag zuvor gesagt, als die deutsche Riege in der Team-Challenge Rang fünf belegt hatte. Eine EM und natürlich die Olympischen Spiele stehen in diesem Jahr als sportliche Höhepunkte auf dem Programm – und Belenki sieht den jungen Mann vom MTV Ludwigsburg durchaus als aussichtsreichen Herausforderer.

Im Doppelpack wird es die Eders in dieser Saison aber noch nicht bei internationalen Wettkämpfen zu sehen geben. Jonas (17), der in Stuttgart bei den Junioren Rang zwei im Barrenfinale belegte, turnt noch ein Jahr bei den Jüngeren, denen sein älterer Bruder seit dieser Saison entwachsen ist. Auch ansonsten gibt es derzeit ein paar Unterschiede in den beiden Sportlerkarrieren, die bislang nahezu im Gleichschritt verlaufen sind.

Auf dem Trampolin im heimischen Garten haben Timo und Jonas Eder einst ihre Leidenschaft für die akrobatischen Bewegungen, die das Kunstturnen erfordert, entdeckt und forciert. Beim MTV Ludwigsburg wurden die beiden groß, ehe sie schon in jungen Jahren ans Kunstturnforum nach Stuttgart gewechselt sind – und auch ans Wirtemberg-Gymnasium, einer Partnerschule des Spitzensports. Gemeinsam trainiert werden beide vom Ex-Nationalmannschaftsturner Thomas Andergassen. Der sagt: „Jonas ist der etwas ruhigere von den beiden, Timo ist etwas extrovertierter, ein Spieler, der an den Geräten enorm viel Spaß daran hat, neue Dinge auszuprobieren.“

Abitur statt Turn-EM

So hat er bei den Junioren überzeugt – und sich an die Etablierten bei den Senioren schon herangepirscht. Der DTB-Pokal am Wochenende war sein erster internationaler Wettkampf bei den „Großen“. Doch während sein Bruder die Junioren-EM als sein großes Saisonziel nennt („Ich will versuchen, bei den Junioren einen guten Abschluss zu haben“), wird Timo Eder die kontinentalen Titelkämpfe in Rimini verpassen. „Ich schreibe Abitur, deshalb kann ich die EM-Qualifikation nicht mitturnen“, erklärt er – und gibt einen kurzen Einblick, wie das Doppelleben als Schüler und Turner so laufen kann.

Am Donnerstag schrieb er eine Englisch-Klausur, dann ging es ab zum Abschlusstraining des DTB-Pokals. Am Freitag musste er die Bio-Arbeit schreiben, ehe er sich zum Wettkampf in die Porsche-Arena aufmachen konnte. „Bisher hat es mit der Kombination aus Schule und Turnen ganz gut geklappt“, sagt er, „aber die vergangenen Monate waren schon anstrengend.“ Nach dem Abi im Frühjahr soll die Doppelbelastung erst einmal ein Ende haben, vermutlich wird er sich um einen Platz in der Sportfördergruppe der Bundeswehr bewerben, später vielleicht auch noch studieren.

Jonas hat diesen Schulstress derzeit übrigens nicht. Wie viele Toptalente nutzt er derzeit das Angebot am Wirtemberg-Gymnasium, eines der Schuljahre auf zwei Jahre zu strecken. Die zehnte Klasse absolviert er daher über diesen längeren Zeitraum – und hat somit viel Zeit, sich dem Training zu widmen. Aber: In Thomas Andergassen haben beide auch einen Trainer, der darauf achtet, dass nicht zu früh zu viel belastet wird.

Die Talente sollen Zeit bekommen

„Wir müssen ein Stück weit ruhig bleiben, sie brauchen Zeit zu wachsen“, sagt der Coach – und meint das in zweifacher Hinsicht. Schließlich befinden sich Jonas und Timo Eder in einem Alter, in dem das Körperwachstum noch die letzten Veränderungen mit sich bringt. Das bringt oft Herausforderungen in den Bewegungsabläufen, aber auch nicht selten Verletzungsprobleme mit sich – weshalb Andergassen betont: „Wir wollen sie in Ruhe aufbauen und behutsam in den Seniorenbereich überführen.“

Dort hat vor allem Timo am Wochenende in Stuttgart schon Spuren hinterlassen, vor allem seine nervenstarken Auftritt im Mixed-Cup, mit denen er dem deutschen Team zu Bronze verhalf, haben beeindruckt. Er könnte also Chancen wittern. Andererseits sind derzeit noch genügen Etablierte mit dabei, sodass die Talente nicht verheizt werden müssen. „Da sind einige da“, sagt Thomas Andergassen, „die Perspektive haben.“

Auch – wie im Fall von Timo und Jonas Eder – für weitere Familienausflüge zum DTB-Pokal.