Marcel Nguyen schwingt sich in Stuttgart für die WM in Glasgow ein Foto: Baumann

Einzig Marcel Nguyen und Fabian Hambüchen, Deutschlands Top-Turner, scheinen vor der WM in Glasgow in Form zu sein. Hinter dem Rest des Teams stehen nach der Qualifikation in Stuttgart viele Fragezeichen.

Stuttgart - Von Fabian Hambüchen gab es einen kleinen Klaps und ein anerkennendes Nicken, nachdem Marcel Nguyen bei der zweiten WM-Qualifikation der deutschen Turner in der Scharrena erstmals wieder einen Sprung absolviert hatte. Bei den deutschen Meisterschaften zwei Wochen zuvor hatte Nguyen die Disziplin noch ausgelassen. In Stuttgart war er sich aber sicher: „Das Kreuzband hält.“ Damit meldet sich der Olympia-Zweite im Mehrkampf von London pünktlich zum Jahreshöhepunkt, der Weltmeisterschaft, die vom 23. Oktober bis 1. November in Glasgow (Schottland) stattfindet, zurück.

Nach seinem im September 2014 erlittenen Kreuzbandriss fühlt sich der 28-Jährige wieder topfit. Am Boden und beim Sprung sei zwar noch Luft nach oben, meint der Sportsoldat; an den anderen Geräten sieht sich Nguyen aber schon auf einem ähnlichen Niveau wie vor seiner schweren Verletzung.

„Marcel und ich werden das Ding schon schaukeln“, meinte Deutschlands bester Turner, Fabian Hambüchen mit einem Augenzwinkern. Der Gewinner des Turniers in Stuttgart nennt die Mannschaft scherzhaft eine „Invalidentruppe“, wobei er durchaus weiß, dass das nicht so weit von der Wahrheit entfernt ist. Denn obwohl am Sonntag nach Hambüchen, Nguyen und Andreas Bretschneider auch Andreas Toba, Sebastian Krimmer, Philipp Herder, und Christopher Jursch von Cheftrainer Andreas Hirsch für die WM nominiert worden sind, stehen noch einige Fragezeichen hinter dem deutschen Team.

Hambüchen spricht von „Invalidentruppe“

Bretschneider, nach einem Achillessehnenabriss ohnehin noch nicht in Höchstform, verletzte sich bei einem Sturz vom Barren in Stuttgart an der Kapsel des Mittelfingers. Krimmer ist zwar durch den Abriss der Bizepssehne kaum noch gehandicapt, allerdings zog sich der Kapitän des MTV Stuttgart kurz vor Ende des Trainingslagers in Kienbaum einen Anriss des Innenbandes im Sprunggelenk zu und turnte bei der Qualifikation in Stuttgart nur an Pauschenpferd, Reck und Barren. Er wurde „unter Vorbehalt“ (Hirsch) nominiert. „Ich traue es mir zu, dass ich bis zur WM wieder fit werde“, gibt sich der 25-Jährige zuversichtlich.

Auch Marcel Nguyen ist sich der angespannten Situation im deutschen Team bewusst und meint: „Es wird auch darauf ankommen, dass wir uns in den kommenden Wochen nicht überstrapazieren.“ Vorhersagen über sein persönliches Abschneiden in Glasgow will der ehemalige Turner des MTV Stuttgart nicht machen. Mit dem Team soll es aber mindestens unter die besten Acht gehen, womit man für die Olympischen Spiele in Rio qualifiziert wäre. Andernfalls droht im April 2016 das vorolympische Qualifikationsturnier . „Da wollen wir aber auf keinen Fall landen“, sagt Nguyen. Denn so würde der komplette Rhythmus verloren gehen. Die Belastung zu drosseln, wie vor einem großen Event üblich, wäre dann nicht mehr möglich.

Bei Marcel Nguyen ist im Moment also alles auf Olympia ausgerichtet. In Glasgow heißt es: Alles oder nichts. Doch mit einem Auge schielt er schon auf die WM 2019 – die findet nämlich in Stuttgart statt. Und dort turnt er gerne. Am Samstag hat Nguyen ein weiteres positives Erlebnis in Stuttgart gemacht. In der Scharrena hat er gezeigt: Mit ihm ist wieder zu rechnen.

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