Heute beginnt der Prozess um den Tod von drei deutschen Realschülern. Die Angeklagte müssen mit bis zu 20 Jahren Haft rechnen.

Istanbul - Als die Lübecker Realschüler im März vergangenen Jahres im Anatolia Beach Hotel ankamen, stand für einige von ihnen fest, was sie während des Ausflugs unternehmen wollten: saufen bis zum Umfallen. Sie trieben es so bunt, dass ihr Lehrer bald ein Alkoholverbot verhängte. Doch die jungen Männer beschafften sich trotzdem einige Flaschen Wodka und tranken auf dem Zimmer weiter. Das wurde drei von ihnen zum Verhängnis. Sie starben an einer Vergiftung durch Methanol, das häufig in illegalem Schnaps zu finden ist. Vier weitere überlebten trotz schwerer Vergiftungen.

Alkohol ist teuer in der Türkei, vor allem wegen saftiger Steuern, die nach Ansicht einiger Beobachter von der islamisch-konservativen Regierung in Ankara aus religiösen Gründen auf hohem Niveau gehalten werden. Einige Hotels suchen angesichts des ständig wachsenden Preisdrucks in der Tourismusbranche und der vielen trinkfreudigen Gäste aus Europa nach nicht ganz legalen Alternativen.

Für schwarzgebrannten Alkohol werden keine Steuern fällig - doch das Risiko ist groß. Hakan Evcin, der Anwalt des Hotels, an dessen Bar die Schüler sich den Fusel besorgt hatten, betonte, der Alkohol-Einkauf sei nach Vorschrift vor sich gegangen. In erster Linie seien die Hersteller des Alkohols und in zweiter Linie die Großhändler verantwortlich, sagte er . Erst in dritter Linie trage auch das Hotel eine Mitverantwortung. Schließlich seien auch die Flaschen mit dem gepanschten Alkohol mit Banderolen der Steuerbehörden versehen gewesen. Diese waren allerdings gefälscht.

Als Alkohol-Lieferanten des Hotels waren die Brüder E. schon bald die Hauptverdächtigen, doch sie tauchten ab. Gegen Cengiz E. ermittelte bereits vor drei Jahren eine Staatsanwaltschaft an der türkischen Ägäisküste - ebenfalls wegen des Verdachts der Alkohol-Panscherei. Nun wurde der Betrieb der Brüder in Antalya von den Behörden geschlossen.

Mehrere Tausend leere Alkoholflaschen, Etiketten und Verschlüsse wurden dort bereits früher gefunden. Offenbar standen sie bereit, um mit schwarzgebranntem Schnaps gefüllt und anschließend verkauft zu werden. Die Razzia der Behörden blieb zunächst ohne Folgen. Innerhalb weniger Tage lieferte die Familie E. wieder ihre zweifelhafte Ware: Die Brüder hatten die Geschäftsführung einfach an ihre Ehefrauen überschrieben und die Firma wieder aufgemacht. Erst Ende April wurden die Brüder nach einem Feuergefecht mit der Polizei gestellt und in Untersuchungshaft gesteckt. Vor Gericht müssen sie mit bis zu 20 Jahren Haft wegen Totschlags rechnen; insgesamt stehen 13 Angeklagte vor Gericht, darunter auch die Frauen der Brüder und der Chefeinkäufer des Hotels.

Selbst wenn ein Großteil der Familie E. bald für lange Zeit hinter Gittern verschwindet, offenbart der Fall das nach wie vor ungelöste Problem der Türkei mit ihren hartgesottenen Schwarzbrennern. Dass den Verdächtigen erst das Handwerk gelegt wurde, als es drei Todesopfer zu beklagen gab, spricht nicht gerade für die Effizienz der behördlichen Kontrolleure.

Und die Brüder E. sind bei weitem nicht die einzigen Anbieter auf dem Schwarzmarkt für Alkohol. Erst vor kurzem wurden erneut mehrere Tausend Flaschen mit gepanschtem Schnaps beschlagnahmt - nach Presseberichten waren Teile davon für Luxushotels in Istanbul und in Antalya bestimmt.

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