Die Sicherheitsvorkehrungen bei Osmanen-Prozessen sind hoch, dieses Bild stammt vom großen Osmanen-Prozess in Stammheim. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Sie haben mit Baseballschlägern und Messer brutal ihre Opfer angegriffen: Der Auftakt des blutigen Bandenkrieges in Ludwigsburg und der Region wird vor dem Landgericht juristisch aufgearbeitet.

Ludwigsburg/Stuttgart - Es war der Beginn des Bandenkrieges zwischen der national-türkischen Gang Osmanen Germania BC und deren kurdischer Widersacher Bahoz: Die brutale Schlägerei im April 2016 vor dem Klinikum Ludwigsburg ist juristisch noch immer nicht abgeschlossen. Unter hohem Sicherheitsaufwand, aber störungsfrei verhandelt das Landgericht Stuttgart wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung gegen zwei junge Männer.

Zum Auftakt am Donnerstag machten die beiden 23-Jährigen von ihrem Schweigerecht Gebrauch und verweigerten jede Aussage. Sogar über ihre persönlichen Daten. Das könnte problematisch werden, schließlich müssen die fünf Richter auch entscheiden, ob das mildere Jugendstrafrecht angewendet werden soll.

15 Kurden gegen zwei Türken

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden jungen Männern vor, mit 15 Gleichgesinnten der kurdischen Organisation zwei Mitglieder der rockerähnlichen türkischen Bande Osmanen Germania mit Baseballschlägern und Messern am Ludwigsburger Klinikum angegriffen zu haben. Drei andere Beteiligte waren bereits im Sommer 2017 von einer Schwurgerichtskammer wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden. Die Tat war ziemlich brutal: Die Angreifer schlugen den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge mit den Baseballschlägern gezieltauf den Kopf und stachen mit den Messern ebenso gezielt in die Körper ihrer Opfer.

Die Angeklagten hätten den Tod ihrer Opfer bewusst in Kauf genommen, heißt es in der Anklage. Zugestochen wurde offenbar mit voller Wucht, so dass bei einem Opfer eine Rippe durchtrennt wurde. Schließlich ließen die Schläger von ihren Opfern ab und verschwanden in mehreren Fahrzeugen, als sie die Sirenen der heranrückenden Polizei wahrnahmen.

Der Konflikt beginnt in Stuttgart

Der Konflikt vor dem Krankenhaus in Ludwigsburg begann der Polizei zufolge zuvor am selben Abend in Stuttgart. Dort gerieten Kurden und Türken aneinander, zwei Mitglieder der seit 2018 verbotenen türkischen Gang Osmanen Germania hatten zwei Männer der gegnerischen Bande schwer verletzt. Als diese ins Ludwigsburger Klinikum kamen, verlagere sich die Auseinandersetzung dorthin.

Immer wieder ist die Region um Stuttgart und Ludwigsburg Schauplatz des seit dem Frühjahr 2016 blutig ausgetragenen Machtkampfes zwischen dem nationaltürkischen Boxclub Osmanen Germania und kurdischen Netzwerken. Autos wurden angezündet, brutale Schlägereien und sogar einer nächtlichen Schießerei im Januar 2017 in Bietigheim folgten.

Die Strukturen sind zerschlagen

Das Landeskriminalamt und die Polizei gründeten die Ermittlungsgruppe Shade, ihre Arbeit führte zur Zerschlagung der Osmanen-Band und zur Inhaftierung der Führungsebene. Sicherheitsbehörden erkannten Hinweisen darauf, dass die Osmanen im Auftrag der Auslandsorganisation UETD der türkischen AKP-Partei gegen Gegner des türkischen Staatspräsidenten vorgehen. Das Landgericht Stuttgart konnte zum Jahresanfang die ehemalige Führungsriege zwar nicht wegen der politisch motivierter Straftaten verurteilen, jedoch erhielten viele der ursprünglich acht Angeklagten in einem bundesweit beachteten Hochsicherheitsprozess in Stammheim mehrjährige Gefängnisstrafen. Sie wurden wegen interner Bestrafungsaktionen, brutaler Gewalt und zahlreicher Drogendelikte verurteilt.

Seither hat sich die Lage laut Aussagen der Polizei deutlich beruhigt, die kurdische Gruppe Bahoz löste sich auf.

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