Trump und seine Moskau-Verbindungen Was ist dran am Russland-Dossier?

Von Rainer Pörtner 

Donald Trump unter Druck: Auf seiner Pressekonferenz in New York sagte der künftige US-Präsident, die Vorwürfe aus dem Russland-Papier seien allesamt „Fake News“ – erfundene Nachrichten. Foto: AP
Donald Trump unter Druck: Auf seiner Pressekonferenz in New York sagte der künftige US-Präsident, die Vorwürfe aus dem Russland-Papier seien allesamt „Fake News“ – erfundene Nachrichten. Foto: AP

Der britische Ex-Agent Christopher Steele soll das Dossier verfasst haben, das dem künftigen US-Präsidenten Trump sexuelle Eskapaden und enge Kontakte zur russischen Regierung und Putin unterstellt. Was bisher bekannt ist – Fragen und Antworten.

Stuttgart - Ein 35-Seiten langes Dokument, das Donald Trump schwer belastet, sorgt für große Aufregung weit über die USA hinaus. Ist der künftige US-Präsident aufgrund sexueller Eskapaden in Moskau erpressbar? Hat die russische Regierung seit vielen Jahren enge Kontakte zu Trump, um Macht und Einfluss auf die Politik in Washington zu gewinnen? Diese Fragen wirft das Papier auf. Noch ist unklar, ob es sich nur um eine hässliche Episode in der Schlammschlacht rund um die Trump-Wahl handelt oder um eine echte Enthüllung, die Amerikas politisches System erschüttern könnte. Was bisher bekannt ist:

Wer ist der Verfasser?

Laut „Wall Street Journal“ ist Christopher Steele, ehemals Agent des britischen Geheimdienstes MI6, Autor des Dossiers. Steele betreibt in London die Firma „Orbis Business Intelligence Ltd.“ – eine Art Privatdetektei, die für ihre Kunden Informationen sammelt. Der britische „Telegraph“ meldet, Steele sei am Mittwochmorgen untergetaucht und habe einem Bekannten dazu gesagt, er fürchte die Rache Moskaus.

Wer waren die Auftraggeber?

Recherchen amerikanischer Zeitungen zufolge soll Steele von Wahlkampf-Gegnern Trumps beauftragt worden sein – zunächst von republikanischer, dann von demokratischer Seite. Ziel war es vermutlich, kompromittierendes Material über Trump zusammen zu tragen, um ihm damit im Rennen um die US-Präsidentschaft zu schaden. Prinzipiell wäre das nicht ungewöhnlich. Auch die offiziellen Wahlkampf-Teams von Republikanern und Demokraten haben Mitarbeiter, die sich intensiv mit „opposition research“ und „negative campaining“ beschäftigen.

Wie wurde der Bericht öffentlich?

Das umstrittene Papier soll bereits seit vielen Wochen in den USA bei verschiedenen Medien aber auch Politikern bekannt gewesen sein. Sie scheuten jedoch eine Veröffentlichung. Auch der republikanische US-Senator John McCain, ein scharfer Rivale von Trump, erhielt das Dossier. Am 9. Dezember übergab McCain seine Unterlagen der Bundespolizei FBI mit der Bitte um Prüfung. Erst vor wenigen Tagen wurden der amtierende US-Präsident Barack Obama wie sein designierter Nachfolger Trump von CIA, NSA und FBI über die Vorwürfe unterrichtet.

Ab Dienstagabend berichteten Fernsehsender wie CNN, aber auch Nachrichtenagenturen wie AP und mehrere Zeitungen über die Tatsache, dass Trump unterrichtet wurde. Das Nachrichtenportal BuzzFeed allerdings ging einen Schritt weiter und veröffentlichte das 35-Seiten-Papier auf seiner Website vollständig. Die US-Geheimdienste weisen den Vorwurf Trumps zurück, sie selbst hätten die Informationen an die Medien durchgestochen.

Was sind die wichtigsten Vorwürfe?

Im Kern geht es um zwei Vorhaltungen. Zum einen soll Russland über Video- und andere Dokumente verfügen, die Trump erpressbar machen würden. Während eines Aufenthaltes im Moskauer Hotel Ritz Carlton im November 2013 habe er auf dem Bett der Präsidentensuite russische Prostituierte eine Orgie feiern lassen – und zwar ganz bewusst auf dem Bett, in dem nicht lange vorher Michelle und Barack Obama geschlafen hatten. Trump richtete zu der Zeit in Moskau den Schönheitswettbewerb „Miss Universe“ aus. Er hielt die Rechte an dieser Veranstaltung. Die sexuellen Ausschweifungen seien heimlich gefilmt worden.

Der zweite Vorwurf ist nicht weniger schwerwiegend. Steele behauptet, die russische Regierung habe Trump „seit mindestens fünf Jahren geholfen und unterstützt“. Sie habe ihm lukrative Immobiliengeschäfte aber auch brisante Informationen über seine demokratische Kontrahentin Hillary Clinton angeboten. Mehrfach seien Vertraute von Trump, darunter sein Anwalt Michael Cohen, mit Gewährsleuten der Moskauer Führung zusammen getroffen.

Wie steht es um den Wahrheitsgehalt?

Mehrere amerikanische Medien haben versucht, die Stimmigkeit der Vorwürfe zu überprüfen. Es ist ihnen nicht gelungen zu klären, ob die Darstellungen zutreffen. Der US-Geheimdienstdirektor James Clapper sagt, seine Dienste hätten keine Belege gefunden, dass das Russland-Dossier der Wahrheit entspricht. Die US-Geheimdienstler hielten aber den ehemaligen britischen Kollegen Steele immerhin für so vertrauenswürdig, dass sie Obama und Trump die Vorwürfe vortrugen. Sollte Steel tatsächlich, wie von ihm selbst behauptet, Informanten in allerhöchsten russischen Regierungskreisen wie im engsten Trump-Umfeld haben, wäre dies sehr erstaunlich. Trump wie Putin achten extrem darauf, dass Insider-Wissen auch solches bleibt.

Was sagen die Beschuldigten?

Als „Fake News“ bezeichnet Trump das 35-Seiten-Dossier. „Das ist erfundenes Zeug. Das ist nicht passiert“, erklärte er auf einer Pressekonferenz in New York. Kurz zuvor hatte er bereits auf Twitter in Großbuchstaben geschrieben: „ICH HABE NICHTS MIT RUSSLAND ZU TUN – KEINE GESCHÄFTE, KEINE KREDITE, KEIN GARNICHTS.“ Auch in Detailfragen hat das Trump-Team widersprochen. So ist in dem Dossier von einem Treffen des Anwalts Cohen in Prag die Rede. Cohen sagt, er sei nie in seinem Leben in der Tschechischen Republik gewesen. Auf die Frage aber, ob sein Team Kontakte mit russischen Offiziellen hatte, antwortete Trump in seiner Pressekonferenz nicht. Zudem gibt es Indizien, dass Trumps Firmen sehr wohl Geschäftsbeziehungen mit Russen haben.

Die russische Regierung dementierte ebenfalls energisch und sprach von einem Versuch, die russisch-amerikanischen Beziehungen zu beschädigen. Allerdings hat das Sammeln von belastenden Dokumenten oder kompromittierendem Videomaterial, um Gegner zu erpressen, in der russischen Politik eine lange Tradition.

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