Eine Sonderlieferung von Biontech/Pfizer behebt den Tübinger Engpass. Foto: dpa/Marijan Murat

Weil zu wenig Dosen des Impfstoffs Astrazeneca ausgeliefert werden, hat das Tübinger Landratsamt angekündigt, fast 1000 Impftermine absagen zu müssen. Doch jetzt gibt es eine Lösung.

Tübingen - Die bereits vereinbarten Impftermine im Tübinger Impfzentrum können nun doch stattfinden. Das hat das Tübinger Landratsamt am Donnerstagnachmittag mitgeteilt. Zuvor war bekannt geworden, dass 980 Termine, die zwischen Sonntag und Dienstag hätten stattfinden sollen, gestrichen werden müssen. Als Grund hatte das Landratsamt Lieferengpässe beim Impfstoff Astrazeneca genannt.

 

Eigentlich betreffen die Probleme sämtliche Kreise. Überall müssten die Liefermengen in den kommenden zwei Wochen um 100 beziehungsweise 200 Dosen reduziert werden, hatte das Sozialministerium angekündigt. In den meisten Kreisen kann dies durch Impfstoffmengen aufgefangen werden, die für Zweitimpfungen zurückgehalten wurden. In Tübingen verzichtete man allerdings auf solche Reserven. Deshalb war man dort schon einmal in die Verlegenheit gekommen, wegen einer Lieferkürzung Termine absagen zu müssen. „Das konnte vermieden werden, in dem das Kreisimpfzentrum Reutlingen zur Überbrückung Impfdosen zur Verfügung gestellt hat“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums.

Die Leihgabe aus Reutlingen muss zurück

Um in Reutlingen Engpässe zu vermeiden, müssen die geliehenen Impfdosen jetzt zurückgegeben werden, was den Mangel in Tübingen vergrößert. Für viele Betroffene, die lange auf einen Impftermin gewartet haben, wäre das eine halbe Katastrophe gewesen. Sie müssten über die Homepage oder die Impfhotline 116117 einen neuen Termin ausmachen, erklärte eine Sprecherin des Landratsamtes. Das Landratsamt sei leider nicht selbst befugt, Ausweichtermine anzugeben.

Doch inzwischen gibt es eine Lösung. Demnach liefert das Land außer der Reihe Dosen des Impfstoffs Biontech-Pfizer. Dabei handele es sich um eine unerwartete Sonderlieferung von insgesamt 52 000 Dosen. Um künftige Engpässe in Tübingen zu vermeiden, wies das Sozialministerium das dortige Impfzentrum an, auch beim Impfstoff Astrazeneca künftig eine Reserve zu bewahren.

Land arbeitet Warteliste ab

Vergangene Woche hatte das Sozialministerium angekündigt, mit der Sonderlieferung die Abarbeitung der landesweiten Warteliste zu beschleunigen. Dort sind noch 76 000 Menschen jenseits der 80 Jahre gelistet, die sich telefonisch um einen Impftermin bemüht hatten, bisher aber nicht zum Zuge gekommen waren. Sie sollen nun rasch an die Reihe kommen.

Inzwischen bat das Land einzelne Kreise darum, bei der Vergabe der Impftermine zu helfen. „Wir wurden um Amtshilfe gebeten. Unser Auszubildenden haben für heute und für Sonntag bereits 877 Impftermine vereinbart“, sagte die Sprecherin des Schwarzwald-Baar-Kreises, Heike Frank. Weitere Termine folgten am Donnerstag. Insgesamt habe der Landkreis einen „Pizzakarton“ mit 1170 Dosen erhalten, sagte Frank. Allein im Schwarzwald-Baar-Kreis stünden 3997 Menschen auf der Warteliste. Allerdings sei davon auszugehen, dass einige bereits anderweitig zu ihrem Impfstoff gekommen seien. Bei der Vergabe der ersten 877 Impftermine hätten rund 250 Personen mitgeteilt, dass sie inzwischen schon versorgt seien.