Während Bietigheim-Bissingen das Pferdemarkt-Feuerwerk absagt, gab es in Markgröningen wilde Gerüchte um das Aus. Die meisten Veranstalter knallen aber weiter und verweisen auf die geringe Umwelt-Belastung.
Ist ein Feuerwerk angesichts von Umweltdebatten, Tierschutz und Kriegsflüchtlingen aus der Zeit gefallen oder immer noch eine große Faszination? In mehreren Städten des Landkreises Ludwigsburg wird diese Frage teils emotional debattiert. Während in Bietigheim-Bissingen das Feuerwerk zum Pferdemarkt abgesagt wird, finden sie in den meisten Orten statt – nicht ohne Kritik, aber aus gutem Grund, wie die Veranstalter selbst sagen.
Über Jahrzehnte hatte das Feuerwerk während des Pferdemarkts in Bietigheim-Bissingen eine große Bedeutung – jetzt ist es Geschichte. Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, so die Sprecherin der Stadt, Annette Hochmuth. Am Ende habe sich jedoch eine Mehrheit des Gemeinderates gegen das Feuerwerk ausgesprochen.
Gespaltene Meinung, auch innerhalb der Fraktionen
„Für unsere Fraktion waren in erster Linie die umweltschutzrechtlichen Erfordernisse ausschlaggebend“, bestätigt der CDU-Fraktionsvorsitzender Claus Stöckle. Man arbeite an den Klimaschutzüberlegungen der Stadt, da sei ein Feuerwerk „nicht kompatibel“. Auch die Kosten, ein niedriger fünfstelliger Betrag, waren für einige ein Grund für das Aus. Im Gemeinderat und innerhalb der Fraktionen gab es jedoch unterschiedliche Meinungen und Debatten – auch innerhalb der FDP selbst, wie Fraktionschef Götz Noller verrät: „Ich persönlich finde es schade. Es fehlt ein optischer Höhepunkt des Pferdemarktes.“
So sieht das auch ein Großteil der Facebook-Nutzer, die teilweise empört auf die Bekanntmachung der Stadt reagierten. „Pferdemarkt ohne Feuerwerk ist wie Cola ohne Kohlensäure“, schreibt beispielsweise eine Nutzerin. Besonders in den sozialen Medien zeigt sich aktuell, dass das Thema aufwühlt. Auch einige Markgröninger waren verärgert, als in der Facebook-Gruppe „Du weißt, dass du aus Markgröningen bist...“ ein Post veröffentlicht wurde, laut dem das Feuerwerk des Schäferlaufs abgesagt werde.
Wild Gerüchte in Markgröningen
„Das Feuerwerk ist fest eingeplant“, tritt Bürgermeister Jens Hübner den Gerüchten entgegen. Dass das Feuerwerk aufgrund von leeren Stadtkassen und Umweltbedenken abgesagt werde, stimme nicht. Nur wenn die Brandgefahr durch Trockenheit steigt, stehe das Feuerwerk Ende August auf der Kippe.
Wie Markgröningen stehen die meisten Städte und Veranstalter weiterhin zu ihren traditionellen Feuerwerken – beispielsweise Beilstein. „Ein sehr hoher Anteil befürwortet unser Feuerwerk während des Weinbergfestes. In diesem Jahr sind Bürger sogar auf mich zugekommen und haben sich bedankt, dass die Stadt das möglich gemacht hat“, sagt Bürgermeisterin Barbara Schoenfeld. Nur zwei Feuerwerk-Gegner hätten sie adressiert – eine lokale Naturschutzgruppe und zusätzlich eine Privatperson.
Auch in Asperg seien größere Diskussionen um das Feuerwerk ausgeblieben, sagt Bürgermeister Christian Eiberger. „Und auch ich finde es einen schönen traditionellen Abschluss unseres Stadtfestes.“ Zur Wahrheit gehöre aber auch, dass er nach dem Feuerwerk ebenso vier Mailanfragen von Bürgern bekommen habe, warum die Stadt trotz Umweltbedenken, Brandgefahr und Kriegsflüchtlingen am Feuerwerk festhalte.
Schadet Feuerwerk wirklich der Umwelt?
Das Blühende Barock in Ludwigsburg sei sich der kontroversen Ansichten bewusst und hat in diesem Jahr die Kalibergrößen des Musikfeuerwerks Anfang Juli reduziert, sagt Petra Herrling, Geschäftsführerin des Blühenden Barock. Ans Aufhören denke man aber keineswegs: „Wir haben einen riesigen Zulauf.“ Feuerwerke übten immer noch eine große Faszination auf die Menschen aus, sagt Herrling – und sie seien auch gar nicht so umweltschädlich, wie viele meinen. Sie bezieht sich dabei unter anderem auf eine Pressemitteilung des Feuerwerkanbieters Flash Art, der sich wiederum auf Zahlen des Umweltbundesamtes bezieht. Demnach ist die Feinstaubbelastung während eines Event-Feuerwerks nicht höher als beim Verbrennen von vier bis acht Säcken Holzkohle.
Laut dem Anbieter ist Fest-Feuerwerk für weniger als 0,0000025 Prozent des jährlichen CO₂-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Ähnlich argumentiert auch der Monrepos-Festivalchef Jochen Sandig. Er verglich Mitte Juli den CO₂-Ausstoß des Monrepos-Feuerwerks mit dem einer Tankfüllung. Auch im Vergleich zu Lasershows kommen Feuerwerke gut weg, schreibt Flash Art in einer Pressemitteilung weiter. Wegen des hohen Energiebedarfs sei die Ökobilanz einer Lasershow sogar eher schlechter.
Auch deshalb sehen Bürgermeister wie Christian Eiberger weiterhin eine Zukunft im Feuerwerk: „Unsere Sommerfeuerwerke machen mit Blick auf die Umwelt wenig aus. Zielführender wäre es da, etwas gegen das Silvestergeknalle zu machen.“
Silvesterfeuerwerk in der Kritik
Feinstaub
Die Kritik der Umweltverbände am Feuerwerk bezieht sich unter anderem häufig auf die Feinstaubemission. Laut Umweltbundesamt werden 2050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern freigesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. In vielen Städten ist am ersten Tag des neuen Jahres die Luftbelastung mit Feinstaub so hoch, wie sonst im ganzen Jahr nicht.
Tierwelt Der NABU warnt zudem davor, Feuerwerk in der Nähe von Wäldern abzufeuern. Die Böllerei verursache bei Wildtieren enormen Stress. Besonders im Winter ist das ein Problem, denn die Tiere verlieren dabei viel Energie, gleichzeitig ist die Futtersuche erschwert.