Dauersonne, leere Regentonnen, trockener Boden: Das warme Wetter macht sich in den Gärten und auf den Äckern in Stuttgart und der Region bemerkbar. Die Gärtnerin Daniela Haferkorn gibt Tipps, wie man dieser Tage seine Pflanzen pflegen sollte.
Für Hobbygärtnerinnen und Freizeitlandwirte ist es eine schwierige Frage zurzeit: Wie oft und wie viel muss ich mein Gemüse, meine Kräuter, meine Blumen gießen? Einerseits hat es im Frühjahr viel geregnet. Andererseits ist im Juni in Stuttgart und der Region so gut wie kein Wasser vom Himmel gekommen, vielerorts sieht es schon wieder sehr trocken aus. Rasengrundstücke werden gelb, Pflanzen lassen die Blätter hängen. Also: Nachgefragt bei Meine Ernte, einem Anbieter für Mietäcker, der auch in Stuttgart Hunderte Gartenstreifen an Privatpersonen vermietet.
„Die Feuchtigkeit im Boden ist noch da“, sagt die Gärtnerin Daniela Haferkorn von Meine Ernte. Das Problem sei aber: Diese Feuchtigkeit sei nicht verfügbar für einige Gemüsesorten, die beispielsweise erst Ende April gepflanzt wurden. Dort seien die Wurzeln noch nicht so tief ausgebildet, um an die Feuchtigkeit von den regenreichen Monaten März und April zu kommen. Anders sei es bei Pflanzen, die schon länger im privaten Garten wachsen; diese hatten schon mehr Zeit, tiefere Wurzeln auszubilden.
In heißen Sommern am besten abends gießen
Das Schlimmste, das man im Garten oder auf dem Acker tun könne, sei es, mehrmals pro Woche ein bisschen zu gießen. „Das fördert nur das Unkrautwachstum“, sagt Daniela Haferkorn. Besser sei es, seltener zu gießen, aber dafür intensiv, sodass das Wasser nicht nur in den oberen Erdschichten bleibe. Und selbst in Trockenphasen wie zurzeit reiche es bei ausgebildeten Pflanzen aus, diese zweimal pro Woche zu gießen.
Mengenmäßig sollte man rund drei bis fünf Liter Wasser pro Quadratmeter rechnen. Gar nicht gegossen werden müssten Kartoffeln oder Zwiebeln, sagt Daniela Haferkorn. Gemüse mit großen Blättern brauche unterdessen etwas mehr Wasser, also etwa Kohl oder Sellerie. „Und wer jetzt neu pflanzt oder sät, muss öfter als zweimal pro Woche gießen.“
Generell gilt mittags Bewässern als nicht optimal, weil die Wassertropfen auf den Blättern wie eine Lupe wirken und die Blätter dadurch regelrecht verbrennen können. In trockenen Sommern hat abendliches Gießen den Vorteil, dass das Wasser über Nacht tief in die Erde einziehen kann.
Wichtiger als Gießen: Hacken und Mulchen
Letztlich gebe es zwei noch entscheidendere Dinge als das Gießen, sagt Daniela Haferkorn: Hacken und Mulchen. Sie und ihre Kollegen versuchen den Garten-Neulingen immer einzuschärfen: Einmal Hacken spart dreimal Gießen. Dabei zerschlägt man die sogenannten Kapillare, also die langen Hohlräume im oberen Erdbereich. Das verhindert Verdunstung – das im Boden vorhandene Wasser kommt den Pflanzen zugute. Wer bereits im Frühjahr mit dem Auflockern des Bodens angefangen habe, müsse im Sommer weniger hacken, so Haferkorn.
Mulchen bedeutet das Abdecken des Bodens mit Pflanzenmaterial. „Das hält den Boden kühl und reduziert massiv die Verdunstung des im Boden gespeicherten Wassers. Und es unterdrückt Unkrautwachstum“, erklärt Daniela Haferkorn. Es helfe viel, das gejätete Unkraut einfach liegen zu lassen – zumindest solange es noch nicht blüht oder Samen ausgebildet hat. In diesem Fall sollte man es besser aus dem Gemüsebeet entfernen, da es sich sonst weiter ausbreitet.
Nabu empfiehlt weniger zu mähen
Unterdessen empfiehlt der Naturschutzbund (Nabu) Berlin, sich vom englischen Rasen zu verabschieden, um Trinkwasser zu sparen und die Artenvielfalt zu fördern. Wer seinen Rasen raspelkurz schneide – gegebenenfalls sogar täglich mit einem Mähroboter – erhalte eine „gelbe Steppe“. Besser sei es, nur noch wenige Rasenflächen zum Spielen oder Picknicken kurzzuhalten und den Rest von Wildpflanzen wie Gundermann, Gänseblümchen oder Weißklee zurückerobern zu lassen, heißt es vom Nabu. Diese Blumenrasen und -wiesen schützten auch das Leben vieler Tiere, insbesondere von Igeln.
Diese Pflanzen stecken die Hitze gut weg
Sträucher
Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen hat eine Liste erstellt mit Sträuchern, die gut die Trockenheit wegstecken. Dazu zählen etwa Ginster, Hasel, Holunder, Liguster, Sanddorn, Schlehe, Schmetterlingsflieder oder Sommerflieder.
Kräuter und Blumen
Auch für den Balkon gibt es Pflanzen, die viel Sonne vertragen. Dazu zählen etwa die Kornblume, Lavendel, Katzenminze sowie mediterrane Kräuter wie Rosmarin, Thymian und Ysop. (jub)