Wegen der Trockenheit darf man aus Bächen und Seen im Kreis Esslingen kein Wasser mehr zum Gießen entnehmen. Grundwasserbrunnen sind weiterhin erlaubt – noch. Auch Trinkwasser wird knapp. In Neuffen gelten bereits strenge Verbote.
Der Landkreis Esslingen hat die Entnahme von Wasser aus Bächen, Flüssen, Weihern und Seen vorerst untersagt. Denn die anhaltend warme und trockene Witterung hat in den Fließgewässern zu extrem niedrigen Pegelständen geführt, weshalb zum Schutz von Fischen, kleineren Lebewesen und Pflanzen von sofort an Einschränkungen gelten.
Genehmigungen widerrufen
Es geht um den sogenannten Gemeingebrauch: Weder per Hand mit dem Eimer, noch mithilfe einer Pumpe darf Wasser aus oberirdischen Gewässern abgeschöpft werden – beispielsweise, um Gärten, Felder und Rasen zu gießen. Die am vergangenen Freitag erlassene Allgemeinverfügung gilt zunächst bis Ende August. Darin werden selbst bereits erteilte Genehmigungen für die Wasserentnahme aus Oberflächengewässern befristet widerrufen. Ausgenommen seien nur jene landwirtschaftlichen Betriebe, die Obst, Gemüse und Wein erzeugen, das zwingend beregnet werden muss, erläutert Andrea Wangner, die Sprecherin der Kreisverwaltung. Diese könnten von der sogenannten wasserrechtlichen Erlaubnis „weiterhin verantwortungsvoll Gebrauch machen“.
Mit gesammeltem Wasser aus Regenwassertonnen und Zisternen dürfen die Kreisbewohner ihre Gärten indes noch immer gießen. Auch die Nutzung von Grundwasserbrunnen bleibt erlaubt. Aber: „Sollte sich an der Wetterlage nichts ändern und sich die Situation verschärfen, sind weitere Maßnahmen nicht ausgeschlossen.“ Dies könne unter Umständen auch Grundwasserentnahmen betreffen, so Wangner. Die Untere Wasserbehörde im Landratsamt könnte etwa das Rasensprengen, die Autowäsche und das Befüllen von Schwimmbecken verbieten. Solche Einschränkungen sind durchaus denkbar, „wenn sie bei einer Verschärfung der Lage notwendig werden und verhältnismäßig sind“, räumt Wangner ein.
Grundwasserniveau unter dem Normalbereich
Nach Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) ist die Situation angespannt: Die Karlsruher Experten, die die Grundwasserressourcen im Land anhand von 47 Grundwasserstandsmessstellen und zehn Quellen bewerten, attestierten im Januar und Februar des Jahres noch „mittlere Grundwasserverhältnisse“ in Baden-Württemberg, im März und April waren sie schon „leicht unterdurchschnittlich“, seit Ende Mai seien sie „auf unterdurchschnittlichem Niveau, oft an der Untergrenze des Normalbereichs und zeitweilig darunter“, heißt es im Zustandsbericht der LUBW. Die Prognose für Juli sieht einen weiteren Rückgang der Grundwasserstände und Quellschüttungen vor.
Der deutsche Städte- und Gemeindebund appelliert daher an Privathaushalte, sparsam mit dem kostbaren Nass umzugehen. In einigen Regionen Deutschlands könnte es zu Engpässen kommen, wenn zu viele Menschen gleichzeitig Wasser nutzen. Die Folge: Die kommunalen Versorgungsunternehmen müssten die Trinkwasserversorgung reglementieren, warnt der Verband.
Planschbecken auf dem Trockenen
In der Stadt Neuffen haben die örtlichen Stadtwerke bereits die Notbremse gezogen: Die rund 6300 Bewohner der Kleinstadt dürfen ihr Leitungswasser vorerst nicht mehr für ihre Gärten und Pools benutzen. Ebenso ist es von sofort an verboten, mit dem Wasser Planschbecken zu füllen, Autos zu waschen oder Terrassen abzuspritzen, teilte die Neuffener Stadtverwaltung am Montag via Internet mit. Der Schritt sei nötig, „um die Trinkwasserversorgung in der Region aufrechtzuerhalten“. Auch kommunale Rasenflächen oder Sportplätze dürfen bis auf weiteres nicht mehr gewässert werden, so die Anweisung aus dem Rathaus.