Umstrittene Werbung in einer öffentlichen Parkgarage in Triberg Foto: dpa

Der Ferienort Triberg wirbt für sich mit weiblichen Reizen und schlüpfrigen Sprüchen. Die entsprechende Grafik eines ortsansässigen Künstlers ist heftig umstritten. Der Bürgermeister findet: Das Ganze sei ein Beitrag zum Humor – und kostenlose Werbung.

Triberg - Die Stadt Triberg (Schwarzwald-Baar-Kreis) sorgt einmal mehr für Schlagzeilen. Nicht etwa wegen Deutschlands höchstem Wasserfall, der gerade während der Hitzewelle dieses Sommers vermehrt Tagestouristen aus aller Welt anlockt, sondern wegen eines neuen Kunstwerks, mit dem die Stadt jetzt provoziert.

In der Parkgarage mitten im Herzen der Wasserfallstadt hat der einheimische Künstler Werner Oppelt ganz frisch das Motiv „Steile Berge, feuchte Täler“ umgesetzt. Ein nackter, karikierter Frauenkörper als Schattenzeichnung ziert nun die Wand an der Rückseite des „1. Männerparkplatzes“ im Mitteldeck, den Tribergs Bürgermeister Gallus Strobel (CDU) im Sommer 2012 ausweisen ließ. Noch heute ist die von vielen als „geniale Werbeidee“ bezeichnete Aktion im Gespräch. Der selbstbewusste Behördenchef erregte damit weltweit Aufsehen.

Nun war es wohl wieder an der Zeit, etwas dafür zu tun, „dass es im Städtle brummt“, wie der einfallsreiche Schultes zu sagen pflegt. Er und weitere kreative Köpfe der Wasserfallstadt kamen daher wohl in der Hitze der heißen Sommertage, vermutlich bei einem kühlen Getränk, auf die Idee, mit einem neuen Werk erneut die umstrittenen Männerparkplätze ins Rampenlicht zu rücken. Da kam ihnen die Aufregung um das Werbeplakat der jungen Triberger Designstudentin Selina Haas im vergangenen Jahr gerade recht. Ihre Werbekampagne mit einem Werk unter dem Titel „Große Berge, feuchte Täler & jede Menge Wald“ für das Ferienland im Schwarzwald sorgte ebenfalls für überregionale Schlagzeilen. Sie rief sogar den Deutschen Werberat auf den Plan. Daraufhin zog der Tourismusverein seine Anzeige mit zweideutigen Anspielungen, die nur einmal im Bordmagazin einer Fluggesellschaft veröffentlicht worden war, zurück. Wie das Ferienland damals mitteilte, war es nie Absicht, mit der Silhouette einer Frau mit Schwarzwald-typischem Bollenhut Frauen herabzuwürdigen.

„Als frech, provokant und frivol, ja sogar sexistisch“, wurde schon die „Anzeige mit Gschmäckle“ von Selina Haas im vergangenen Jahr bezeichnet. Die neueste Kreation von Werner Oppelt scheidet nun noch mehr die Geister. „Sie ist nicht ganz jugendfrei“, meinte eine Betrachterin in der Parkgarage.

Schlüpfrige Werbung als Touristenattraktion

Oppelt hat die junge Frau liegend dargestellt und weibliche Reize mit dem Hinweisschild „1. Männerparkplatz“ verdeckt. „Er trifft es auf den Punkt“, meinte dazu Patrik (25) aus Blumberg schmunzelnd. Für seinen Freund Sebastian (27) ist die gewagte Satire nur „eine billige Werbung“. die 25-jährige Annika aus Donaueschingen, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, sagte kopfschüttelnd: „Das passt halt nicht zum Schwarzwald.“

Der 63-jährige Egon aus Triberg, der auch seinen Nachnamen nicht mitteilen möchte, kam am Mittwoch extra in die Parkgarage, um selbst ein Foto zu schießen, nachdem er in der Zeitung über den jüngsten Coup des Bürgermeisters gelesen hatte. „Mir gefällt die Zeichnung, und sie ist eine gute Werbung für Triberg“, erzählte er dem „Schwarzwälder Boten“ und auch ins Mikrofon eines regionalen Radiosenders.

„Das ist eine super Werbung für den Ort, die Botschaft kommt an“, stellte auch eine Französin lachend fest und stieg in ihr Auto, während eine ausländische Männergruppe empört „vor so viel Respektlosigkeit vor Frauen“ mit ihrem Wagen davonfuhr.

„Männer halt. Die brauchen das.“

Auch Ulrich Schmalz schreibt auf der Facebook-Seite der Zeitung: „Immer wenn man denkt, nach unten wäre niveaumäßig noch Spielraum, wird man eines Besseren belehrt. Weder humorig noch sonst irgendwie wichtig oder interessant.“ Susanne Fischer meint: „Mit dem Männerparkplatz habe ich kein Problem, wenn sie ihn brauchen, sollen sie ihn haben, aber diese Kunst bringt sich ja absichtlich mit dem Ort Triberg in Verbindung. Ob das so im Sinne der Triberger Bürgerinnen ist, bezweifele ich jetzt mal. Dass das kaum zu unterbietende niedrige Niveau dem Tourismus guttut, ebenso.“

Hermann Walz betrachtet es anders: „Eine geniale Form der Gleichberechtigung.“ Ralf Broghammer dagegen denkt an den Tourismus: „Marketing, das wirkt und für Gesprächsstoff sorgt. Endlich bringt mal einer Schwung in den angestaubten Schwarzwald.“ „Spricht eine deutliche Sprache, wie manche Männer ticken“, lästert Bea Servay und hofft: „Wenn sie dafür von Frauenparkplätzen wegbleiben, ist alles gut.“ Frieda Mai pflichtet bei: „Männer halt. Die brauchen das. Da kann man nicht einfach nur parken. Da muss Mann auch kucken können (es sei ihnen vergönnt).“

Tribergs Schultes erklärte, die Grafik im Parkhaus sei aus seiner Sicht „ein Beitrag zum Humor in der Gesellschaft – und natürlich eine kostenlose Werbung für Triberg“.

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