Lilly Zednikova auf dem Rad: Benjamin Ilg misst die Winkel, damit Sattel, Lenker und Körperhaltung harmonieren. Foto: Eva Herschmann

Lilly Zednikova aus Rommelshausen hat 2015 ihren ersten Jedermann-Triathlon in Waiblingen absolviert. Nun bereitet sich die 41-jährige Erzieherin auf den legendären Ironman im US-Bundesstaat im Oktober vor.

Rommelshausen - Mit einem Lächeln zieht Lilly Zednikova die bunte Blumenkette aus Plastik aus der Sporttasche. „Das ist meine 1000-US-Dollar-Kette“, sagt die 41-Jährige aus Rommelshausen. Die billige Kopie eines Lei, des traditionellen hawaiianischen Blumenkranzes, ist Lilly Zednikovas Eintrittskarte für den Ironman im Aloha-Staat im Oktober dieses Jahres. Die Kette ist außerdem ein weiterer Beweis, wie viel Energie und Lebensmut in der zweifachen Mutter stecken, die nach einer Krebserkrankung mit dem Triathlonsport begonnen hat und deren Lebensgeschichte die Fernsehzuschauer des Südwestrundfunks so beeindruckt hat, dass sie sie im Dezember zur Sportheldin wählten.

 

Triathlonsport nach einer Krebserkrankung: Über eine Sportheldin

Qualifiziert hat sich die Erzieherin, die mit 20 Jahren aus Tschechien nach Deutschland kam und an der Haldenschule in Rommelshausen in der Grundschulbetreuung arbeitet, am 8. August des vergangenes Jahres beim Ironman im polnischen Gdynia. 11:28,23 Stunden benötigte Lilly Zednikova bei Dauerregen und Gegenwind für die 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Der dritte Platz in ihrer Altersklasse bedeutete die Qualifikation für Hawaii. „Auf dem Podest wurde mir quasi gleich das Lesegerät für meine EC-Karte entgegengestreckt. Denn man muss die 1000 Dollar Startgebühr für Hawaii sofort überweisen.“ Lilly Zednikova zahlte und bekam im Gegenzug die bunte Plastikkette überreicht. „Ich will dabei sein und Spaß haben.“

Das Schwimmen mag sie nicht so sehr – auch wegen toter Ratten im Wasser

Das Faszinierende am Triathlon sei, dass es drei Sportarten vereine, die jede und jeder machen kann und das fast überall, sagt Lilly Zednikova. „Manchmal frage ich mich schon, warum ich mir die lange Distanz antue. Aber wenn ich über die Ziellinie laufe, weiß ich es wieder.“ Das Laufen mag sie, wovon auch Teilnahmen am Volkslauf in Stetten und am Halbmarathon in Rommelshausen zeugen. Ebenso das Radfahren. Das Schwimmen eher nicht so sehr. „Vor allem nicht im Freiwasser“, sagt sie und erzählt von toten Ratten im Neckar beim Triathlon in Heilbronn und von kritischen Strömungen in der Ostsee vor Gdynia.

Lilly Zednikova, die am 30. Januar 42 Jahre alt wird, verbringt gerade viel Zeit bei Benjamin Ilg. Der Besitzer eines Radsportgeschäfts in Rommelshausen stellt ihre Rennmaschine genau auf sie ein, vermisst jeden Winkel ihres durchtrainierten Körpers, wenn sie auf dem Testrad sitzt, um die optimale Position für Sattel und Lenker zu finden. Lilly Zednikova lässt die Prozedur gerne über sich ergehen. Schließlich ist sie einiges gewohnt. 2013 erkrankte die Mutter zweier Söhne an Lymphdrüsenkrebs und kämpfte sich ins Leben zurück. Nur zwei Jahre später, im Sommer 2015, absolvierte sie ihren ersten Jedermann-Triathlon in Waiblingen. „Die Krankheit hat mir natürlich erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen, aber ich habe eine positive Lebenseinstellung, einen starken Willen und besitze Disziplin.“

Wenn alle ins Wasser stürmen, „ist es wie in einer Waschmaschine“

Eigenschaften, die Lilly Zednikova auch beim Triathlon helfen, zu dem sie eher zufällig kam. Wobei sie es lieber als schicksalhaft bezeichnet. „Ich wollte mit meinen beiden Jungs Niklas und Chris zum Baden an den Aichstrutsee. Wir wussten nicht, dass an diesem Tag dort ein Jedermann-Triathlon stattfand.“ Fasziniert schaute sie an jenem Julitag im Sommer 2014 zu, wie „normale Menschen wie der Bürgermeister von Welzheim“ sich in den Wettkampf stürzten. „Der ganze Trubel, das Chaos bei den Wechseln, alles das fand ich super. 14 Tage später habe ich mir mein erstes Rennrad gekauft.“

Eine sportliche Heimat fand sie in der Triathlonabteilung des VfL Waiblingen. Deren Mitbegründer und Sportlicher Leiter Dieter Waller, mehrfach Welt- und Europameister über die Sprintdistanz – 500 Meter schwimmen, 20 Kilometer auf dem Rad und fünf Kilometer laufen – war ihr Trainer und Förderer. Sein Tod im Jahr 2018 hat Lilly Zednikova erschüttert. Luboš Bílek, ein Spezialist für die lange Distanz, der Sebastian Kienle, den Sieger von Hawaii 2014, betreut hat und Maurice Clavel, den Sieger des Ironman South Africa 2021, trainiert, coacht sie seitdem. „Anfang Januar waren wir zusammen im Schwimm- und Langlauf-Camp im Böhmerwald, zweimal am Tag Schwimmtraining haben was gebracht. Ich fühle mich wie ein Fisch im Wasser“, sagt Lilly Zednikova.

Dieses Gefühl wäre beim Frauenstart in der Bucht von Kailua-Kona hilfreich. Wenn alle gleichzeitig ins Wasser stürmen, „ist es wie in einer Waschmaschine“, sagt Lilly Zednikova. Da der Ironman 2021 wegen der Coronapandemie ausfiel, geht am 6. Oktober auch noch die doppelte Teilnehmerzahl an den Start. Lilly Zednikova legt ihre Blumenkette vorsichtig zurück in die Sporttasche. Für die 41-Jährige ist das Plastik mehr als die 1000 Dollar wert, die sie dafür bezahlt hat.