Mit der Single „Eiskalt“ aktuell wieder ganz oben: Matthias Reim Foto: dpa/Patrick Seeger

„Verdammt ich lieb’ Dich“ machte Matthias Reim zum Star, nach oben will auch Julia Lindholm. Was reizt die Newcomerin am Schlager – und wie sieht Reim die Musikwelt? Beide geben Antworten – beim Treffpunkt Foyer-Abend unserer Zeitung am 29. Oktober in der Liederhalle Stuttgart.

Stuttgart - Die Furchen im Gesicht? Lassen Matthias Reim nicht wirklich älter aussehen. Eher unterstreichen sie, was das Publikum seit fast 30 Jahren an dem Musiker schätzt. Dass da einer über die Liebe und das Leben singt, der selbst genau weiß, wie sich Höhenflüge und Tiefschläge anfühlen.

Mit „Eiskalt“ wieder ganz oben

Aktuell geht die Kurve wieder weit nach oben: Am 25. Oktober erscheint mit „MR20“ Reims 20. Album – und die erste Single „Eiskalt“ landete prompt auf Platz Eins der Schlager-Charts. „Ein Künstler“, sagt Reim, „glaubt immer daran, dass sein Album gut ist. Es wär ja auch schlimm, wenn es anders wäre. Aber diesmal ist es etwas Anderes: Diesmal habe ich Lieder geschrieben und gesungen, die einfach eine andere Qualität haben. Zumindest empfinde ich es so“.

„Ach, ,Schlager’ – das ist so ein Wort“

Wieder einmal hat Reim die Spitze im Visier. Die Spitze des deutschen Schlagers. „Ach“, sagt Reim, „,Schlager’ – das ist so ein Wort. Ist ein Karnevalslied ein Schlager? Oder ,Griechischer Wein’ von Udo Jürgens?“ Und er legt nach: „Meistens gebraucht man diesen Begriff ja immer nur, wenn man abschätzig über Songs redet. Dabei meint man aber seltsamerweise nur deutschsprachige Lieder. Bei einer Schnulze von Cliff Richard oder Albano und Romina Power redet man ehrfürchtig von romantischen Liedern.“

Die Newcomerin: Julia Lindholm

Matthias Reim („ich habe ein Peter Pan-Syndrom. Ich fühle mich mit 60 Jahren immer noch selber als ,Junge Generation‘“) pocht auf den eigenen Weg. Auf diesem sieht sich auch Julia Lindholm. Die Geschichte der 25-jährigen Schwedin ist eng mit dem Internet verbunden. „Youtube“, sagt sie, „hat viele Möglichkeiten eröffnet, um in die Unterhaltungsbranche einzusteigen und sich bekannt zu machen“.

Youtube als Chance und harte Schule

Lindholm hat es geschafft, „aber“, sagt sie, „es ist doch viel mehr Arbeit als die meisten denken. Der Prozess von der Idee über die Erstellung des Materials bis hin zur endgültigen Produktion ist langwierig und unglaublich zeitaufwendig“. Und sie warnt: „Die Konkurrenz ist ziemlich groß, da Youtube jedem die Gelegenheit bietet, Material zu veröffentlichen. Das verringert natürlich die Wahrscheinlichkeit, wirklich durchzubrechen.“

Unbefangenheit als Trumpf

Aktuell arbeitet Lindholm an ihrem dritten Album – und sie will im Schlager bleiben. „Ich konnte da sehr unbefangen heran gehen“, sagt sie, „da deutscher Schlager in Schweden nicht bekannt ist. Es war sehr neu – sowohl für mich als auch für mein schwedisches Umfeld. Aber ich mochte Schlager sehr schnell und habe alles durchforstet, ­ alte Schlager angehört, aktuelle Lieder und auch die Karnevalhits – schließlich lebe ich seit einem Jahr in Köln“.

„Schlager ist viel jünger geworden“

Schon ist Julia Lindholm mittendrin im Schlagergeschäft, noch will sie sich den frischen Blick bewahren. „Seit drei Jahren bin ich in dieser Branche aktiv“, sagt sie – „und in dieser eigentlich kurzen Zeit hat sich unglaublich viel getan. Die Grenzen hin zu Pop oder Rock sind offener“. Ihr Fazit: „Schlager ist viel jünger und poppiger geworden“.

Auch thematisch vielseitiger? Ganz selbstverständlich singt ja etwa Kerstin Ott von Regenbogen-Familien und bekennt in ihrem aktuellen Hit: „Alle wollen meine“. ­­ „Helene Fischer“, sagt Julia Lindholm, „ist ein großer Grund warum es sich so geöffnet hat. Es ist akzeptabler, den eigenen Weg zu gehen und einzigartig zu sein“.

Matthias Reims erste Single bleibt im Regal liegen

Auf eigenem Weg sieht sich Matthias Reim früh. Im nordhessischen Korbach ist er geboren, unter seinen drei Brüdern fällt er auf, weil er gerne für sich bleibt. Das Kind gilt als als Träumer, mit dem Studium der Germanistik und Anglistik in Göttingen scheint Reim den Weg seines Vaters, eines Gymnasiallehrers, zu gehen. Doch er entscheidet sich anders.

Reim will Musik machen. Mit 13 hat er das verkündet, jetzt, mit 20, will er es umsetzen. Das Studium? Bricht Reim ab. Den ersten Plattenvertrag? Unterschreibt er 1983. Das erste Album? Erscheint 1984. „Superland“ heißt die Single im New Wave-Stil. 1184 Exemplare werden verkauft – kein Versprechen auf eine Zukunft im Musikgeschäft. Lieder schreibt Reim weiter – vor allem für andere. Für Roy Black etwa, für Bernhard Brink und Jürgen Drews.

Über Nacht ein Star

Für Drews eigentlich entsteht denn auch 1989 ein Song, der einen neuen Ton anschlägt. Rau und treibend. Reim singt das Lied selbst, der Rest ist deutsche Musikgeschichte. „Als ich ,Verdammt, ich lieb’ dich’ schrieb“, sagt Matthias Reim jetzt, „war ich ein unbekannter Studiomusiker, der hin und wieder auch mal komponiert hatte. Und dann schrieb ich – aus einer Verärgerung heraus – in ein paar Stunden diesen Song, der mein ganzes Leben verändert hat“. „Über Nacht“, sagt Reim, „wurde ich ein Star“. Wohl ein paar tausendmal hat Reim seinen größten Hit inzwischen gesungen. Und noch immer sieht er den Song als Schatz. „Wenn ich die ersten Takte der Einleitung höre und spüre, wie das Publikum darauf wartet, dass ich anfange zu singen: ,...Ich ziehe durch die Straßen bis nach Mitternacht...‘ – das ist ­­jedes Mal für mich ein Glücksgefühl.“

Matthias Reim und Julia Lindholm beim Treffpunkt Foyer

Matthias Reim kennt den Platz an der Sonne, weiß um die harten Regeln der Branche und die Schattenseiten des Erfolgs. Was fasziniert ihn grundsätzlich an der Musik? Was macht für ihn einen guten Song aus – und wie sieht er den Schlager-Boom? Und wie erlebt umgekehrt Julia Lindholm den steinigen Weg nach oben und ihre eigene Rolle im Radar ständiger Aufmerksamkeit? Über diese und andere Fragen werden wir mit Matthias Reim und Julia Lindholm sprechen – am Dienstag, 29. Oktober, beim „Treffpunkt Foyer“-Abend im Mozartsaal der Liederhalle Stuttgart.

So können Sie dabei sein

Was? „Schlager – Boom ohne Grenzen“ ist das Thema beim Treffpunkt Foyer unserer Zeitung am Dienstag, 29. Oktober in der Liederhalle Stuttgart (Mozartsaal). Beginn ist um 19.30 Uhr (Saalöffnung: 18.45 Uhr). Unser Autor Nikolai B. Forstbauer wird die Gäste des Abends befragen.

Wer? Unsere Gäste am 29. Oktober sind Matthias Reim und Julia Lindholm. Mit seiner jüngsten Erfolgssingle „Eiskalt“ bestätigt Matthias Reim („Verdammt, ich lieb’ Dich“) seinen Rang als einer der wichtigsten deutschen Musiker, am 25. Oktober erscheint das neue und 20. Album „MR20“. Reim, der alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäftes erlebt hat, lebt am Bodensee. Die Schwedin Julia Lindholm, 25, hat sich über Youtube-Erfolge einen Plattenvertrag und Fernsehauftritte erarbeitet. „Boom Boom“ heißt ihre aktuelle Single, im Frühjahr 2020 soll ihr drittes Album erscheinen.

Wie? Die Teilnahme an unserem Treffpunkt Foyer-Abend ist kostenlos, ­eine Anmeldung ­ist jedoch erforderlich. Diese nehmen wir gerne entgegen – digital unter www.stn.de/foyer. Hinweise zu unseren Datenschutzrichtlinien finden Sie unter www.stn.de/datenschutz.

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