Seit November steuert Kapitän Elmar Mühlebach das „Traumschiff“ von Hafen zu Hafen Foto: Reederei Deilmann

Heute wird vor dem Arbeitsgericht Lübeck über die Wiedereinstellung des alten Kapitäns der „MS Deutschland“ verhandelt. Der neue, Elmar Mühlebach, fühlt sich auf dem Schiff bereits wohl.

Stuttgart - Heute wird vor dem Arbeitsgericht Lübeck über die Wiedereinstellung des alten Kapitäns der „MS Deutschland“ verhandelt. Der neue, Elmar Mühlebach, fühlt sich auf dem Schiff bereits wohl.


Herr Mühlenbach, schauen Sie das „Traumschiff“?
Ja, an Weihnachten habe ich es mir wieder angeschaut. Ich achte dann aber nicht so sehr auf die Handlung, sondern versuche immer herauszufinden, wo die Szenen wirklich gedreht wurden – und das ist gar nicht so einfach. Das ist ja nicht immer eins zu eins, wie es in der Serie dargestellt wird, das geht ja zeitlich und technisch gar nicht. Und ich freu’ mich, wenn die Matrosen oder die ­Besatzung mal im Bild sind.

Ist Ihr Beruf denn so, wie er in der Sendung dargestellt wird?
Die Uniform ist die gleiche (lacht). Aber die Rolle wird schon ein bisschen anders dargestellt. Und ich bin ein bisschen neidisch. „Traumschiff“-Kapitän Siggi Rauch ist eigentlich nur unterwegs und versucht, die Probleme der Gäste zu lösen. Das ist natürlich im wahren Leben nicht so relevant für mich. Das wäre auch einfach zu viel. Ich muss mich ja in erster Linie um andere Aufgaben kümmern.

Siggi Rauch wird ja bald von Sascha Hehn als „Traumschiff“-Kapitän abgelöst. Geben Sie den Schauspielern Tipps für ihre Rolle?
Man spricht natürlich darüber. Es passiert aber eher, dass der Regisseur oder der Autor hier und da fragen, wie gewisse Dinge funktionieren oder wie die nautische Sprache richtig eingesetzt wird.

Sie kommen aus dem Schwarzwald. Wie kommt man von dort zur Schifffahrt?
Ich bin in Villingen-Schwenningen geboren, aufgewachsen bin ich in Sigmaringen. Nach dem Abitur hatte ich nicht direkt den Wunsch, Kapitän zu werden.

Was wollten Sie denn werden?
Ich wollte Physik studieren oder Ingenieur werden, wie es sich für einen guten Baden-Württemberger gehört. Ich bin dann während der Wehrpflicht, zu meiner Zeit gab es das noch, über die Marine an die Küste gekommen und habe die See kennengelernt. Und das ging dann weiter: Ich wurde Marineoffizier und hab’ anschließend Nautik studiert. Ich war dann lange auf Forschungsschiffen, die „MS Deutschland“ ist das erste Passagierschiff, auf dem ich arbeite.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?
Der Blickwinkel: Sie nähern sich dem Ziel auf dem Wasser an, und das ist eine sehr schöne Art, eine neue Region, eine neue Stadt kennenzulernen.

Haben Sie als Kapitän überhaupt Zeit, sich die Orte, die Sie ansteuern, anzusehen?
Nicht in dem Maße wie die Gäste. Es bleibt leider wenig Zeit. Wir sind in der Woche etwa in fünf verschiedenen Häfen – fast jeden Tag in einem anderen. Das hat den Vorteil, dass man die Häfen oft kennt und weiß: Hier lohnt es sich, abends mal einen Spaziergang zu machen oder mal essen zu gehen. Das ist aber alles nur in begrenztem Umfang ­möglich.

Welchen Ort haben Sie als Letztes mit der „MS Deutschland“ angefahren?
Ich bin kurz vor Weihnachten in Kapstadt von Bord gegangen. Wir sind zwei Kapitäne und wechseln immer kurz vor Weihnachten. Damit man nicht jedes Jahr Weihnachten an Bord verbringt. Das ist zwar auch schön, aber man möchte ja auch schließlich zu ­Hause sein.

Bei Ihrer Frau und Ihrer Tochter. Wie geht Ihre Familie mit der langen Trennungszeit um?
Einerseits bin ich lange komplett zu Hause. Da habe ich auch mal Zeit, bei meinem Kind in der Schule mitzuwirken. Aber wenn ich weg bin, ist es schon für meine Familie manchmal schwierig. Unsere Firma hat eine schöne Regelung: Auf Antrag kann die Familie zu besonderen Konditionen mitreisen. Dabei sind wir aber an die Ferien gebunden, und auch meine Frau ist voll berufstätig. Wenn sie mitfährt, können wir zu Hause keinen Urlaub mehr zusammen machen.

Und wohin fahren Sie privat in den Urlaub? Ans Meer, oder haben Sie dann genug davon?
Ans Meer fahren wir trotzdem ganz gern. Da werde ich dann überstimmt. Zwei zu eins.
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