Schalke 04 sucht einen neuen Trainer. Foto: dpa/Fabian Strauch

Für den FC Schalke bleibt bis zum Abstiegs-Endspiel am Freitag gegen Mainz nur wenig Zeit zur Trainersuche. Dennoch setzt das Tabellen-Schlusslicht dabei nach zuletzt leidvollen Erfahrungen auf Geduld. Als Favorit gilt Dimitrios Grammozis.

Gelsenkirchen - Der Nächste, bitte! Laut Medienberichten soll Dimitrios Grammozis den wankenden FC Schalke 04 aus einer seiner größten Krisen führen. Demnach steht der vom Abstieg bedrohte Bundesligist vor einer Einigung mit dem 42 Jahre alten Fußball-Lehrer. Nach einem beispiellosen Verschleiß von bisher vier Trainern in nur einer Saison wäre mit dem einstigen Coach des SV Darmstadt die Hoffnung auf eine längerfristige Lösung verbunden.

Ungeachtet der Spekulationen über eine bevorstehende Unterschrift wollte der FC Schalke die jüngste Personalie jedoch nicht bestätigen. Nach dem Scheitern der Vorgänger David Wagner, Manuel Baum, Huub Stevens und Christian Gross setzen alle Beteiligten auf mehr Geduld bei der Trainerauswahl: „Es ist wichtig, das sorgfältig zu machen und zu schauen, dass es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, dass es passt. Denn diese Entscheidung ist äußerst wichtig für die Zukunft des FC Schalke 04“, kommentierte Peter Knäbel, Nachfolger des freigestellten Sportvorstandes Jochen Schneider, via Vereins-TV.

Grammozis sofort verfügbar

Grammozis würde beim sportlich und finanziell angeschlagenen Revierclub eine anspruchsvolle Aufgabe erwarten. Nachdem sich der Tabellenletzte am Sonntag neben Gross und Schneider auch von Teammanager Sascha Riether, Fitnesscoach Werner Leuthard und Co-Trainer Rainer Widmayer getrennt hatte, steht ein umfassender Wiederaufbau bevor. Weil der Abstand zum Relegationsplatz 16 bereits neun Zähler beträgt, wird die neue Zeitrechnung wohl in der 2. Liga beginnen.

Seine sofortige Verfügbarkeit könnte einer der Gründe für die Entscheidung zugunsten von Grammozis sein, der im vergangenen Sommer den SV Darmstadt aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen über die Dauer eines neuen Vertrages verlassen hatte. Schließlich will die Schalker Vereinsführung beim Aufbau einer neuen Mannschaft und Strategie nicht noch mehr Zeit vergeuden. Weil allen Beteiligten ein Happy End im Abstiegskampf als unwahrscheinlich gilt, könnte der neue Coach selbst bei einem Abrutschen in die 2. Liga vorerst unbeschadet weiter arbeiten.

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Ein weiterer Vorteil des gebürtigen Wuppertalers wären seine Erfahrungen als langjähriger Nachwuchscoach des VfL Bochum. Im Abstiegsfall würden zahlreiche gestandene und nicht mehr finanzierbare Profis den Club verlassen. Die Entwicklung von Talenten in Zusammenarbeit mit der „Knappenschmiede“ wäre damit wichtiger denn je.

Noch hat die Clubführung nicht alle Hoffnungen auf ein Fußball-Wunder aufgegeben. Knäbel schwor das Team mit eindringlichen Worten auf das Kellerduell am Freitag mit dem Vorletzten aus Mainz ein, das als letzte Chance auf eine Trendwende gilt: „Wenn man nicht für dieses Spiel eine Top-Einstellung hat, dann frage ich mich, für welches dann. Wir haben einen unmittelbaren Konkurrenten zu Gast. Und wir haben die Verpflichtung, den Eindruck, der in den vergangenen Wochen entstanden ist, wieder gut zu machen. Ich erwarte eine sehr gute Leistung.“

Anders als bei Grammozis ist es bei Mike Büskens sicher, dass er bei diesem Schlüsselspiel dabei sein wird. Mit seiner neuen Funktion als Co-Trainer geht für den einstigen Eurofighter, der 1997 im königsblauen Trikot den Uefa-Pokal gewann, und sowohl am Montag als auch am Dienstag das Training leitete, ein Wunsch in Erfüllung. „Ich sage schon seit Längerem, ‚macht mich doch zum Hermann Gerland auf Schalke’“, kommentierte der 52-Jährige am Dienstag auf Instagram.

Anspruch auf die Nachfolge von Gross erhebt Büskens nicht: „Im Profifußball habe ich als Cheftrainer einiges erlebt, vom Bundesligaaufstieg, Abstiegskampf, Euroleague, bis zur Entlassung. Das brauche ich nicht für mein persönliches Glück. Deshalb war auch für mich klar, nicht als Frontmann zur Verfügung zu stehen. In der jetzigen Position kann ich viel nachhaltiger für den Club arbeiten.“

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