Der Trainer des VfB Stuttgart befindet sich nach einem positiven Corona-Test in häuslicher Isolation. Wir erklären, wie es nun ohne Pellegrino Matarazzo in der Saisonvorbereitung weiterläuft.
Beim VfB Stuttgart ist die Mannschaft mal wieder ins rechte Licht gerückt worden: Wie vor jeder Fußballsaison beim offiziellen Fototermin. Spieler, Mitglieder des Trainerstabs und Betreuer – sie alle tummelten sich am Dienstagmittag auf Platz drei auf dem Vereinsgelände an der Mercedesstraße 109 in Bad Cannstatt. Erst wurden die Einzelporträts erledigt, anschließend das Mannschaftsfoto. Allerdings fehlt auf dem Bild des Bundesligisten nun ein Kopf, der ansonsten eine sehr exponierte Stellung einnimmt: der Cheftrainer.
Pellegrino Matarazzo wurde positiv auf das Coronavirus getestet und stand deshalb nicht inmitten des Teams. Er befindet sich in häuslicher Isolation. Mit seinen knapp zwei Metern Körpergröße wäre Matarazzos Platz ansonsten zentral in der zweiten Reihe zwischen Reha-Trainer Martin Franz und Fitnesscoach Oliver Bartlett gewesen, in weiß-grauer Trainingskleidung. Doch vorübergehend muss der VfB ohne den Italoamerikaner auskommen.
Das sagt Sven Mislintat zum neuen Coronafall
Leichte Erkältungssymptome verspürte Matarazzo am Montagnachmittag nach dem Training und ließ sich deshalb testen. Das Ergebnis hat bei den Stuttgartern dann zwar zu einigen Gesprächen über die weitere Organisation geführt, doch der Ausnahmezustand herrscht rund um den Wasen nicht. „Die Vorbereitung läuft wie geplant weiter. Viele Trainingseinheiten sind bereits vorbereitet und abgesprochen, und das restliche Trainerteam wird sie nun umsetzen“, sagt der Sportdirektor Sven Mislintat. Und die Frage, wer von Matarazzos Assistenten jetzt den Chefhut aufhat, stellt sich nicht. Die Abwesenheit des Cheftrainers wird in der Gruppe aufgefangen, wobei die beiden Co-Trainer Michael Wimmer (42) und Michael Kammermeyer (36) sicher verstärkt in den Blickpunkt rücken.
Schon an diesem Mittwoch im nicht öffentlichen Testspiel gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden. Wimmer gilt dabei an der Seitenlinie und in der Kabine als der etwas lautere, Kammermeyer eher als der etwas ruhigere Co-Trainer-Typ. Das Assistentenduo wird jedoch in engem Kontakt mit Matarazzo stehen. In Zeiten moderner Kommunikationsmittel ist das kein Problem. Nicht einmal an Pflichtspieltagen, wie andere mit Corona infizierte Trainer gezeigt haben. Zum Beispiel Matarazzos Kumpel Julian Nagelsmann. Der Coach des FC Bayern München richtete sich während seiner Quarantäne in der Küche eine Art Rechenzentrum ein, um auf Ballhöhe zu sein.
Wer Matarazzo kennt, weiß, dass auch der Datenstrom zu ihm nicht abreißen wird. Gewissenhaft wird der 44-Jährige alle Informationen sammeln und die Übungseinheiten minutiös weiterplanen. Nur die persönlichen Eindrücke werden ihm fehlen. Sicher ein Ärgernis für den Trainer, aber hadern wird er nicht. Matarazzo nimmt die Entwicklungen so, wie sie kommen. Lösungsorientiert. Das betrifft zum einen immer die Personalsituation und zum anderen das anstehende Trainingslager im Allgäu.
Mitfahren werden dabei der Ersatztorhüter Florian Schock und das Mittelfeldtalent Ömer Beyaz, die den Trainingsstart zuletzt aufgrund einer Corona-Infektion verpasst hatten. Dafür hat es Wahid Faghir erwischt. Ob es für den Stürmer zeitlich reicht, ist offen. Denn in drei Tagen beginnt das Trainingslager mit einem Vorbereitungsspiel in Friedrichshafen gegen den FC Zürich.
Gleiches gilt für Matarazzo. „Es gibt die Möglichkeit, dass Rino sich zum Start des Trainingslagers am Samstag frei testen kann – aber das müssen wir abwarten. Das Wichtigste ist, dass er keinen schweren Verlauf hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir ein Top-Trainingslager abhalten werden“, sagt Mislintat mit Blick nach vorne. Der VfB geht die Tage ohne Chefcoach also mit einer gesunden Portion Pragmatismus an.