Die Metabo-Belegschaft in Nürtingen muss schrumpfen. Foto: Roberto Bulgrin/bulgrin

Am Metabo-Stammsitz Nürtingen sollen 145 Stellen gestrichen werden. Dazu ist ein Freiwilligenprogramm gestartet worden.

Bei Metabo kommt der im Sommer angekündigte Stellenabbau allmählich in Gang. Im Juli war bekannt geworden, dass am Nürtinger Stammsitz des Elektrowerkzeugbauers 145 der insgesamt 1100 Stellen gestrichen werden sollen – in dem Zusammenhang war auch von betriebsbedingten Kündigungen die Rede. Inzwischen hat das Traditionsunternehmen ein Freiwilligenprogramm gestartet.

 

Kommt es zu betriebsbedingten Kündigungen?

Dabei geht es darum, Mitarbeitenden das Ausscheiden aus dem Betrieb mit einer Abfindung zu versüßen. Über den Umfang des Programms und seine finanzielle Ausstattung machte das Unternehmen, das seit 2015 zum japanischen Konzern Hitachi Koki gehört, keine Angaben. Die Situation entwickle sich insgesamt positiv, erklärte Henning Jansen, CEO der Metabowerke und COO von Koki Holdings Europe.

„Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir etwa 65 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern betriebsbedingt kündigen müssen. Durch die gute Akzeptanz eines von uns angebotenen Freiwilligen-Programms rechnen wir inzwischen damit, dass wir weit unter dieser Zahl bleiben“, sagte er. Nach Jansens Worten werde man Stand heute „auf betriebsbedingte Kündigungen nahezu vollständig verzichten können.“

„Der Betriebsrat hat gut gekämpft“, erklärte seinerseits Max Czipf, der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall im Kreis Esslingen, die aktuelle Entwicklung. Das Freiwilligenprogramm werde auf der Basis einer entsprechenden Betriebsvereinbarung definiert. Dieses Arbeitgeberangebot treffe auf einen relativ hohen Altersdurchschnitt der Belegschaft in der Produktion. Nun müsse man abwarten, wie viele Mitarbeitende Metabo freiwillig verlassen werden.

Das Russlandgeschäft ist weggefallen

Der Schmerz über den Verlust an Arbeitsplätzen und Produktionslinien sei jedoch deutlich spürbar in der Belegschaft. Metabo begründet die Verlagerung von Produktionslinien, die bis März 2024 erfolgen soll und die Schließung der Alugießerei in Nürtingen Ende kommenden Jahres mit hohen Kosten am Stammsitz und dem Wegfall des Russlandgeschäfts. Trotz frühzeitig eingeleiteter Sparmaßnahmen, einem Einstellungsstopp und Ausgabenkürzungen in allen Bereichen habe man die Kosten nicht im erforderlichen Maß senken können, um den Umsatzrückgang zu kompensieren.

In Nürtingen sollen weiterhin noch Winkelschleifer sowie verwandte Produkte und Komponenten wie Motoren und Gehäuse produziert werden. Außerdem würden hier Akkupacks konfektioniert. „Die Nachfrage nach den Maschinen, die wir in Nürtingen fertigen, ist erfreulich hoch“, erklärte Henning Jansen. Die Frage, ob Aludruckgussteile künftig aus China importiert würden, verneinte er. Stattdessen werde Metabo diese Teile künftig von einem Produktionspartner in Europa fertigen lassen, die abschließend von Metabo noch bearbeitet würden. „Durch diese Weiterbearbeitung am Standort sichern wir die entsprechenden Arbeitsplätze und gewohnte Metabo-Qualität“, sagte Henning Jansen.

Entwicklung soll bei Metabo bleiben

Der Sorge, durch Zukäufe könnte der Vorsprung bei Entwicklungen verloren gehen, hält Geschäftsführer Jansen entgegen: „Nein, wir verlieren keinen Vorsprung bei Entwicklungen. Der klassische Zukauf beschränkt sich immer schon auf Teile, die keinen Einfluss auf Besonderheiten unserer Maschinen haben – also beispielsweise Netzstecker, Kabel oder auch die meisten Schalter. Alle Komponenten, in denen unser spezielles Know-how steckt, kaufen wir nicht einfach zu. Wir entwickeln sie und lassen sie exakt nach unseren Spezifikationen produzieren.“