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Wie eine Figur mit Bollenhut zum Sinnbild für eine ganze Landschaft wurde, erfahren Sie hier.

Stuttgart - Kuckucksuhr und Kirschtorte. Schinkenspeck und Schnaps. Tannen und Thermen. Beim Schwarzwald fallen einem viele Klischees ein. Doch erst das Schwarzwaldmädel machte die Region zur internationalen Marke. Was viele nicht wissen: Die Bilderbuchschönheit hat eine bewegte Vergangenheit.

Ach, was sieht es hübsch aus. Fast schon schneewittchenhaft. Mit seinen Apfelbäckchen, der hellen Haut, dem dunklen Haar. Ein reizvoller Kontrast zum roten Bollenhut, den es stolz auf dem Kopf balanciert. Rein und frisch wirkt das Trachtenmädchen, dabei hat es über 150 Jahre auf dem Buckel - und als Schwarzwaldmädel die Welt erobert.

Längst gehört es zur Bilderbuchidylle wie Kuckucksuhr und Kirschtorte. Es ist zum Aushängeschild des Mittelgebirgszugs, ach was, gar zum Sinnbild für ganz Deutschland geworden. Ob in Bolivien, Belgien oder Buxtehude: Wo immer für die Urlaubsregion, den Wirtschaftsstandort oder auch nur für Bier geworben wird, strahlt einen die pumperlgsunde Unschuld vom Lande an. Und wird derweil gnadenlos ausgeschlachtet. Wehren kann es sich nicht. Das Schwarzwaldmädel ist ein Kunstprodukt, eine folkloristische Erfindung, die eine steile Karriere hingelegt hat.

Aus einer Romanfigur wurde ein Postkartenmotiv, eine Bühnenrolle, eine Operettenheldin, ein Filmstar und das Markenzeichen des Schwarzwalds. Und das kam so: 1846 schrieb Berthold Auerbach aus Horb am Neckar, einer der meistgelesenen Autoren des 19. Jahrhunderts, die Erzählung "Die Frau Professorin". Dort lässt er zwei Städter ins beschauliche Leben eines Schwarzwalddorfs einbrechen. Einer davon verliebt sich ins brave Lorle - das Ur-Schwarzwaldmädel war geboren. Die Geschichte um Außenseiter, den Verlust der Unschuld, den Gegensatz von Stadt und Land traf den Nerv der Zeit. Und weckte das Interesse von Charlotte Birch-Pfeiffer.

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