Bis zu acht Kongressen finden im Jahr im Forum statt. Es sollen mehr werden. Foto: /Simon Granville

Ludwigsburg will Kongress-Stadt werden. Das Forum bietet neben den Räumen und der Technik die Nähe zur Innenstadt und zum Blühenden Barock. Aber es fehlen Hotelbetten.

Es läuft. Die Zahlen stimmen, die Veranstaltungsorte sind ausgelastet, die Führungen durch die Stadt sind ausgebucht. Kein Wunder, dass Mario Kreh, der Geschäftsführer des Eigenbetriebs Tourismus & Events Ludwigsburg und sein Vize Elmar Kunz zufrieden sind. Am Ende der vergangenen drei Coronajahre bleibt lediglich ein Minus von 160 000 Euro. Man könne, betont Mario Kreh, an den guten Weg, auf dem man sich 2019 befunden habe, nahtlos anknüpfen.

 

Ein Beispiel: Knapp 340 000 Übernachtungen führt die Statistik für das Jahr 2019 auf. 2022 waren es knapp 15 Prozent weniger. In diesem Jahr liegt das Minus für die Monate Januar bis April – im Vergleich zu 2019 – schon jetzt bei nur zwei Prozent. Die Zahl der Social Media Abonnenten hat Corona sogar explodieren lassen. Tendenz steigend.

In digitale Technik investiert

Alles in allem eine gute Basis, um sich neue Ziele zu setzen. Und genau das hat das Führungsduo gemacht: Ludwigsburg soll sein Profil als Kongressstadt schärfen. Das Forum, das als Veranstaltungszentrum klassifiziert ist, wurde in der Coronazeit mit Hilfe von Fördergeld nicht nur mit Blick auf digitale Technik auf Vordermann gebracht, sondern bietet auch alles, was für große Kongresse gebraucht wird. Zudem ist es nur einen Sprung entfernt vom Blühenden Barock und der Innenstadt. Standortvorteile, mit denen sich locken lässt, weiß Elmar Kunz.

Vor Corona hatten Unternehmen wie Bosch das Forum für viele kleinere Veranstaltungen gebucht. „Jetzt wird es digital gemacht, weil man gemerkt hat, dass das funktioniert“, weiß Kunz. „Was aber nicht digital funktioniert, sind große Kongresse. Früher hatten wir zwei, drei im Jahr, jetzt sind es bis zu acht, und das wollen wir weiter ausbauen.“

Der Nutzen liegt auf der Hand. Da sind sich Kreh und Kunz einig. „ Kongresstourismus ist ein wichtiger Motor für die Stadt.“ Profiteure sind am Ende auch die Hotels und Gastronomiebetriebe sowie die Innenstadt per se. Darüber hinaus kommen viele Kongressteilnehmer als Touristen wieder.

Allerdings: Schon jetzt sind die Hotelkapazitäten in der Stadt knapp. „Wir brauchen mindestens ein Hotel mehr“, sagt Mario Kreh. Aktuell gibt es in Ludwigsburg etwa 1100 Zimmer mit rund 2200 Betten. „Im Benchmark mit anderen Städten liegen wir da eher hintendran.“ Wiesbaden werbe mit dem Slogan „1000 Schritte – 1000 Zimmer“. „Das haben wir nicht zu bieten und wir haben auch schon Kongresse nicht bekommen, weil die Zimmer gefehlt haben.“

Ein weiteres Hotel fehlt

Für einen Kongress Mitte Oktober wollte ein Veranstalter 160 Einzelzimmer unter einem Dach buchen. „Im Grunde hätten wir das Nestor komplett belegen müssen, aber im Herbst sind in Ludwigsburgs so viele Events, da ist das nicht möglich“, berichtet Elmar Kunz. Also muss für die potenziellen Kunden immer wieder nach Lösungen gesucht werden – auch im Stuttgarter Norden.

Große Hoffnung setzen die beiden in die Entwicklung des nur ein paar Meter vom Bahnhof entfernten Kepler-Areals. Mario Kreh: „Wenn dort ein Hotel inkludiert würde, wäre das nicht schlecht, aber das ist noch nicht spruchreif.“ Das Kepler-Dreieck zwischen Bahnlinie, Keplerstraße und dem Turm der mhplus-Krankenversicherung ist wegen seiner exponierten Lage wichtig für die Stadtentwicklung. Zumal es eine der letzten komplett freien Flächen in Innenstadtnähe ist. Der Siegerentwurf eines Ideenwettbewerbes sieht einen 50 Meter hohen Komplex vor. Im Hochhaus könnten neben einem Restaurant, ein Hotel und Dienstleister unterkommen. Eines der weiteren Gebäude könnte ein „Bildungszentrum“ werden, ansonsten sollen Gastronomie, Ärzte, eine Kita und Kultur Platz finden.

Was die Betreuung und Anfragen von möglichen Veranstaltern angeht, laufen die Fäden im 2020 eingerichteten Convention Bureau Ludwigsburg zusammen. Die Barockstadt kann nicht nur Schlösser, Marktplatz und Events. Als Kreativ- und Innovationsstandort im Norden von Stuttgart gehöre Ludwigsburg zu den Top-Wirtschaftsstandorten der Region, wirbt Elmar Kunz mit seinem Team auf der städtischen Homepage. Als Locations sind neben dem Forum die Musikhalle, das Scala und die MHP Arena aufgeführt.

Apropos MHP-Arena. Dass das Stadion in Stuttgart bald gleich heißen wird, fuchst den Tourismus-Chef ebenso wenig wie ein möglicher Neubau der Schleyerhalle, der dann nicht 15 500 Zuschauern Platz bietet, sondern 19 000. Im Gegenteil. „Es wäre ein großer Vorteil für uns, wenn sie kommt“, ist sich Kreh sicher. Zum einen würde die Region Stuttgart bei Konzertveranstaltern dadurch noch mehr in den Fokus rücken und zum anderen würden dann mehr kleinere Veranstaltungen für die MHP-Arena abfallen – die Ludwigsburger wohlgemerkt.

Kongresse als Wirtschaftsfaktor

Highlights
Vergangene Woche hat im Forum ein Zahnärzte-Kongress mit mehr als 800 Teilnehmern stattgefunden. Drei Tage lang. Im Herbst werden mehr als 700 Gäste aus aller Welt zum IT-Kongress Eclipse Con nach Ludwigsburg kommen

Zahlen
Vor Corona im Jahr 2019 fanden weltweit 2,89 Millionen große Veranstaltungen statt in Präsenz. 2020 waren es aufgrund der Pandemie nur 0,93 Millionen, das Jahr drauf 1,16 Millionen. In 2022 stieg die Zahl bereits wieder auf 1,72 Millionen – obwohl in Deutschland beispielsweise die Corona-Einschränkungen bis April galten.