Die Messe Stuttgart ist und bleibt leer: Mit ein Grund für den dramatischen Einbruch der Übernachtungszahlen.Foto:Lichtgut/Leif Piechowski Foto:  

Die Übernachtungszahlen in Stuttgart und der Region sind 2020 dramatisch eingebrochen. Weitaus schlimmer als in Deutschland insgesamt. Was auch an der Abhängigkeit von Geschäftsreisenden liegt.

Stuttgart - Willkommen in der Vergangenheit. Die Pandemie hat Stuttgarts Touristiker und Hoteliers auf einen Schlag ins Jahr 1996 versetzt: Die Übernachtungszahlen in Stuttgart und der Region rangieren auf dem Niveau von vor 25 Jahren.

Die Zahl der Übernachtungen in Stuttgart sank von 4,1 Millionen im Jahre 2019 auf 1,65 Millionen im Jahre 2020, ein Einbruch von 60 Prozent. Die Zahl der Übernachtungsgäste sank von 2,2 Millionen auf 826 405. In der gesamten Region ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Zahl der Übernachtungen sank um mehr als die Hälfte von 9,3 Millionen auf 4,2 Millionen. Die Zahl der Gäste sank von 4,6 Millionen auf 1,8 Millionen.

Welcher Landkreis ist besonders betroffen?

Der Rückgang in Esslingen fiel mit 57,1 Prozent am stärksten von allen Landkreisen aus. Was kein Wunder ist, durch die Nähe zur Messe und zum Flughafen profitiert der Kreis Esslingen ganz besonders von Geschäftsreisenden. Und die sind eine wesentliche Säule des Tourismus in Stuttgart und der Region, mit nahezu 70 Prozent sind Geschäftsreisen bedeutender als anderswo in Deutschland. Das zeigt sich auch dadurch, dass in Deutschland insgesamt laut Schätzung des Statistischen Bundesamtes ist die Zahl der Übernachtungen um 40 Prozent eingebrochen ist. Weitaus geringer also als in Stuttgart und der Region.

Werden Geschäftsreisen wieder zunehmen?

Die Touristiker rechnen damit, dass sich die Zahlen der internationalen Gäste nur langsam wieder erholen. Zu den nachhaltigen Folgen zähle auch ein kurz-, mittel- und langfristiger Rückgang des Geschäftstourismus. Bei Stuttgart Marketing geht man „von einem dauerhaften Rückgang der beruflich veranlassten Reisen über das Jahr 2023 hinaus von über 20 Prozent aus“. Armin Dellnitz, der Geschäftsführer von Stuttgart Marketing, sagt: „Corona hat alles auf den Kopf gestellt. Der Tourismus ist mit den Veränderungen durch die Krise in massivem Maße konfrontiert.“ Insbesondere für die Tourismusdestination Region Stuttgart seien sie tiefgreifend. Seine Antwort: „Wir werden gemeinsam mit unseren Partnern den Freizeittourismus ausbauen, neue hybride Veranstaltungsformate anbieten. Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Mobilität und intelligente Angebotsvernetzung sind Themen, die die touristische Arbeit in Zukunft mehr denn je prägen werden.“

Wie viel Geld fehlt?

Welche Auswirkung dieser Rückgang für die Region hat? Dazu gibt es eine Analyse von 2016. Demnach erzielte der Tourismus für die Region einen Umsatz von 5,1 Milliarden Euro im Jahr. Auf Stuttgart entfielen 2,7 Milliarden Euro. Dazu trugen auch Tagesgäste bei. 52 Millionen Tagesgäste gab es in Stuttgart, 100 Millionen in der Region. Im Schnitt gaben Tagesgäste 35 Euro aus, die Übernachtungsgäste 200 Euro. Das bedeutet also für Stuttgart: 2020 gab es 1,35 Millionen weniger Übernachtungsgäste. Und damit gab es 270 Millionen Euro weniger zu verdienen für Hoteliers, Einzelhändler, Wirte, Taxifahrer und viele andere.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: