Kämpft sich durch seine 17. Tour de France: Jens Voigt Foto: dpa

Es ist seine letzte Tour de France, er kämpft wie eh und je – nur die Ergebnisse passen nicht mehr so recht. Auch, weil die Gegner keine Gnade mit dem Altmeister kennen. „Das ist die Reputation. Die hält länger, als die Form“, scherzt Jens Voigt.

Es ist seine letzte Tour de France, er kämpft wie eh und je – nur die Ergebnisse passen nicht mehr so recht. Auch, weil die Gegner keine Gnade mit dem Altmeister kennen. „Das ist die Reputation. Die hält länger, als die Form“, scherzt Jens Voigt.

Carcassone - Viele im Peloton wären schon mit einem dieser Hemdchen zufrieden gewesen. Jens Voigt dagegen hat bei der seit über zwei Wochen laufenden Tour de France bereits sieben Ehren-Trikots abgestaubt – allerdings nicht nur aufgrund seiner aktuellen Ergebnisse. Sondern auch für seine Lebensleistung in Sachen Frankreichrundfahrt.

Das gepunktete Trikot für den besten Bergfahrer hat sich der älteste Teilnehmer der diesjährigen Tour noch durch einen formidablen Ausreißversuch auf der ersten Etappe gesichert. Die sechs gelben Oberteile bekam er dann von den Tourorganisatoren zusätzlich überreicht – für seine Kinder. „Ich hatte mich schon gewundert, warum sie Namen, Alter und Größe von meinen Kindern wissen wollten“, sagte Voigt lachend.

Marc (18 Jahre alt), Julian (fast 15), Adriana (11), Kim-Helena (9), Maya (6) und Helen (3) werden nach dem Ende der Tour am kommenden Sonntag die Trikots überstreifen können – wobei der stolze Papa für die Jüngste ein kleines Problem prognostiziert: „Sie hatten gar kein so kleines Trikot, dass es für eine Dreijährige passt. Aber sie ist so verrückt, dass sie es trotzdem anzieht und mit einem Gürtel als Kleid trägt.“

Jens Voigt selbst könnte durchaus mitmachen bei der Modenschau, schließlich hat auch er zwei regulär errungene gelbe Leibchen in seinem Besitz. 2001 und 2005 durfte er sich an der Spitzenreiterposition der Tour-Gesamtwertung erfreuen. Wenn auch nur für jeweils einen Tag – und 2005 fiel er zwei Tage nach der Eroberung des Gelben Trikots auch noch aus dem Klassement und wurde von der Jury ausgeschlossen. Von Fieber geplagt hatte er auf der Alpenetappe über den Col de la Madeleine und den Col du Galibier schnell den Anschluss ans Peloton verloren. Allein quälte er sich weiter, begleitet nur von Kameramotorrädern. „Ich kam mir vor, als würden Geier über mir kreisen. Aber den Gefallen auszusteigen, wollte ich denen nicht tun“, beschrieb Voigt später die Situation. Er kam tatsächlich durch zum Zielort Briançon – jedoch 41 Sekunden nach Ablauf der Karenzzeit. Die Jury nahm ihn – trotz der Proteste zahlreicher Kollegen – aus dem Rennen. Voigt akzeptierte: „Das ist Radsport. So sind die Regeln.“

Es war eine Alleinfahrt der besonderen Art, ansonsten machte sich Voigt mit der Flucht nach vorne einen Namen. Als Ausreißer gewann er zwei Touretappen (2001 und 2006) sowie ein Teilstück beim Giro d’Italia (2008). „Ich kann nicht gut sprinten, ich kann nicht gut klettern, also muss ich ausreißen, um auch einmal einen Sieg zu erringen“, beschrieb er unzählige Male sein Credo. Dem er auch bei seiner definitiv letzten Tour treu bleibt – zumindest versucht er es.

Doch bis auf seinen mit dem Bergtrikot gekrönten Versuch zu Beginn der Rundfahrt will ihm nicht einmal das Davonfahren mehr gelingen. „Das hat natürlich auch mit den 42 Jahren zu tun“, sagt Voigt grinsend und ergänzt: „Ich bin nicht mehr so stark wie früher, und auch die Erholung geht mit 42 Jahren nicht mehr so schnell.“ Dazu kommt ein weiteres Problem.

Seine Rivalen haben noch das Bild von Jens Voigt, dem unermüdlichen Kilometerfresser, in den Köpfen. Deshalb lassen sie ihn einfach nicht in eine Fluchtgruppe gehen. „Da fahren zwei Hansel weg, und keiner zuckt. Hebe ich aber meinen Hintern, dann springen 50 Mann“, beschreibt Voigt das Szenario bei vielen Etappen. Er sagt dann: „Hey, Leute, ich bin 42, ich kann das sowieso nicht gewinnen.“ Doch Gnade findet der Oldie nicht. „Das ist die Reputation. Die hält länger, als die Form“, meint er trocken.

Mit einem dritten Gelben Trikot wird es bei dieser Tour nichts, wohl ebenso wenig mit einem weiteren Etappensieg. Nicht mal in der Konkurrenz Ü 40 wird er Erster werden. „Ich lasse ihn sicher nicht vorbei“, sagt grinsend der US-Amerikaner Chris Horner; der Vueltasieger ist nur einen Monat jünger als Jens Voigt, dem immerhin die Genugtuung bleibt, mit 17 Tour-Teilnahmen zu den Rekordhaltern George Hincapie und Stuart O’Grady aufgeschlossen zu haben. Und er kann für sich in Anspruch nehmen, im Gegensatz zu diesen beiden Kämpen nicht des Dopings überführt worden zu sein.

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