Man gehe davon aus, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde, sagte Ministerpräsident Hubert Minnis bei einer Pressekonferenz. Foto: dpa

Nachdem „Dorian“ knapp zwei Tage auf den Bahamas gewütet hat, können die Hilfsarbeiten endlich beginnen. Retter holen in den Überflutungsgebieten Menschen von ihren Dachböden. Doch sie können noch nicht alle erreichen.

Freeport - Auf den Bahamas sind die Rettungseinsätze nach dem schweren Hurrikan „Dorian“ angelaufen. Einsatzkräfte nutzten Jet-Skis und Boote, um Menschen aus Überflutungsgebieten zu holen. Bilder zeigten, wie Kinder und ältere Menschen in der Schaufel eines Räumfahrzeugs in sicherere Gebiete gebracht wurden. Die Zahl der Toten stieg auf mindestens sieben. Viele Menschen waren durch Überflutungen in ihren Häusern eingeschlossen worden.

In Teilen der Bahamas wird eine humanitäre Katastrophe befürchtet. Die British Royal Navy und eine Handvoll privater Hilfsorganisationen versuchten Nahrung und Medikamente zu den Überlebenden zu bringen, und die verzweifeltsten Leute in Sicherheit zu bringen. Helfer berichteten von Szenen totaler Zerstörung. „Es ist totale Verwüstung. Es ist zerstört. Apokalyptisch. Es sieht aus, als wäre eine Bombe hochgegangen“, sagte Lia Head-Rigby, die bei einer lokalen Hilfsorganisation für Hurrikanopfer mitarbeitet und über die hart getroffene Insel Abaco flog. „Man kann nicht das, was war, wieder aufbauen; wir müssen neu anfangen.“

Zahl der Todesopfer wird weiter steigen

Man gehe davon aus, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen werde, sagte Ministerpräsident Hubert Minnis bei einer Pressekonferenz. Zuvor war von fünf Toten die Rede gewesen. Minnis sagte, er sei über die Insel Abaco geflogen und wolle auch über Grand Bahama fliegen, sobald das Wetter klarer werde. Auf Abaco habe er Menschengruppen gesehen, die gelbe Tücher geschwenkt hätten. 60 Prozent der Häuser in Marsh Harbor seien beschädigt und mindestens eine Gemeinde komplett zerstört. „Wir sind inmitten einer der größten nationalen Krisen in der Geschichte unseres Landes“, sagte Minnis. „Keine Anstrengungen oder Ressourcen werden zurückgehalten.“

Das genaue Ausmaß war am Dienstag noch nicht ersichtlich. Helferin Head-Rigby sagte, ein Mitarbeiter auf Abaco habe ihr gesagt, es gebe viel mehr Tote, und dass die Leichen zusammengetragen würden. Der peitschende Wind und die braunen Fluten zerstörten und beschädigten Tausende Häuser, legten Krankenhäuser lahm und hielten Menschen auf Dachböden gefangen. Retter hatten Probleme, die Opfer zu erreichen.

Windgeschwindigkeiten bis zu 175 Kilometer pro Stunde

„Dorian“ war am Sonntag als Hurrikan der Kategorie 5 auf die Bahamas getroffen, hatte sich dann leicht auf die Kategorie 4 abgestuft und wütete praktisch anderthalb Tage lang über der Insel Grand Bahama im Norden der Inselgruppe. Rettungskräfte konnten wegen des Unwetters nicht ausrücken, um Menschen in Sicherheit zu bringen. „Wir wollen nicht, dass Leute denken, wir hätten sie vergessen. (...) Wir wissen, in welchem Zustand Sie sind“, sagte Tammy Mitchell vom Katastrophenschutz dem Radiosender ZNS Bahamas.

An der US-Südostküste bereiteten sich die Menschen währenddessen auf die Ankunft von „Dorian“ vor, der sich mittlerweile zu einem Hurrikan der Stufe 2 von 5 abgeschwächt hatte. Er brachte weiterhin gefährliche Windgeschwindigkeiten bis zu 175 Kilometer pro Stunde. Es wird erwartet, dass das Zentrum von „Dorian“ bis Mittwochabend (Ortszeit) der Ostküste des US-Staats Florida und der Küste des US-Staats Georgia gefährlich nahe kommt. Es wird Prognosen zufolge von Donnerstag bis Freitagmorgen der Küste der US-Staaten South Carolina und North Carolina nahe kommen oder über sie hinwegziehen.

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