Vor einigen Jahren führte Johnson seine Spurensuche sogar ins Staatsarchiv nach Stuttgart. Foto: dpa

Boris Johnson hat das Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May gewonnen. Johnsons Vorfahr war der erste württembergische König Friedrich I.

Stuttgart - Boris Johnson war und ist der prominenteste Befürworter des Brexit. Lange warnte der frühere Londoner Oberbürgermeister und Ex-Außenminister mit markigen Sprüchen, zu denen auch Hitler-Vergleiche zählen, vor einem europäischen „Super-Staat“. Dabei könnte niemand Europa besser verkörpern als der strohblonde Mr. Brexit.

Die Vorfahren von Alexander Boris Johnson de Pfeffel, wie er offiziell heißt, stammen aus England und der Türkei, aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Mindestens. Sein Stammbaum ist so international, dass die BBC seiner Familiengeschichte vor ein paar Jahren eine eigene Sendung widmete.

Johnson auf Spurensuche in Stuttgart

Im Stuttgarter Hauptstaatsarchiv ging Johnson 2008 höchst selbst auf Spurensuche. „Mr. Johnson hat sich persönlich die Quellen zeigen lassen“, sagt die Historikerin Regina Keyler, die damals das „nicht-staatliche Archivgut“ betreute. Mediengerecht ließ Johnson sich dabei filmen, wie er in alten Folianten wälzte. Er wollte seine deutschen Wurzeln freilegen, oder besser: seine schwäbischen. Denn Ahnenforscher haben herausgefunden, dass eine direkte Linie zurück führt von ihm bis zu – ja, bis zum ersten württembergischen König Friedrich I (1754 – 1816). „I have eine mystery gecrackt“, jubelte Johnson in die Kameras. Und die entzückten Briten entdeckten plötzlich eine auffallende Ähnlichkeit zwischen dem pausbackigen schwäbischen Monarchen und seinem nicht minder pausbackigen Urenkel aus London.

Die Verwandtschaft erklärt sich so, dass König Friedrichs jüngster Sohn, Herzog Paul von Württemberg (1785 – 1852), einst Gefallen an der Hofschauspielerin Friederike Vohs (geb. Porth) fand und diese schwängerte. Die Tochter Karoline war zwar illegitim, nannte sich aber „von Rottenburg“ und heiratete unter diesem Namen 1836 den Kammerherrn am bayerischen Hof, Karl von Pfeffel (1811 bis 1890). Beide sind also die Urururgroßeltern von Boris Johnson.

Geboren wurde Johnson in New York

Dessen Urgroßvater väterlicherseits war übrigens Ali Kemal Bey, der letzte Innenminister des Osmanischen Reichs. Weil dieser sich gegen die türkische Befreiungsbewegung stellte, ließen ihn Gefolgsleute von Kemal Atatürk (dem Gründer der Republik Türkei) verhaften und lynchen. Sein Sohn Osman Ali (Johnsons Großvater) floh nach London und nahm dort den Namen Wilfred Johnson an.

Der strohblonde Tory-Politiker, der übrigens in New York geboren wurde und deshalb auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß, wäre also wie geschaffen als Identifikationsfigur eines großen, einigen Europa – zumal er auch in Brüssel die Europäische Schule besuchte und später dort einige Jahre als Journalist arbeitete. Doch vielleicht legte ja gerade diese Erfahrung die Basis für die EU-Skepsis.

Nun wird Johnson Regierungschef Großbritanniens. Im Kampf um die Nachfolge von Theresa May hat er sich gegen seinen Rivalen Jeremy Hunt durchgesetzt. Am Mittwoch soll er von Königin Elizabeth II. zum Premierminister ernannt werden. Johnson steht vor jede Menge Herausforderungen. Einige Abgeordnete können sich nicht vorstellen, unter dem Populisten Johnson Politik zu machen. Man munkelt von einem Misstrauensvotum. Und auch, wie Johnson mit der EU noch ein Brexit-Abkommen erzielen will, ist offen. Vielleicht helfen Johnson da seine Gene. Die Schwaben gelten ja bekanntermaßen als erfinderisch.

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