Ein Tornado hat in Roetgen in der Eifel eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Foto: dpa

Ein Tornado in der Eifel – diese Meldung lässt aufhorchen. Dabei sind solche Windhosen gar nicht so selten in Deutschland. Sie können überall vorkommen und hinterließen auch im Südwesten schon schlimme Schäden.

Stuttgart - Es war kurz, aber heftig: Ein Tornado ist am Mittwochnachmittag durch die Eifel-Gemeinde Roetgen gezogen und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Fünf Menschen wurden leicht verletzt, 40 Häuser wurden beschädigt, zehn sind vorerst unbewohnbar.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) ist sich inzwischen sicher, dass es sich bei dem Wirbelsturm tatsächlich um einen Tornado gehandelt hat.

Tornados – nicht so selten, wie man denkt

„Tornados können überall in Deutschland vorkommen – und sie sind nicht so selten, wie man denkt“, sagt Helge Tuschy, Meteorologe beim DWD in Offenbach. 2017 gab es deutschlandweit 28 bestätigte Tornados, 2016 sogar 62.

Damit ein Tornado entsteht, brauche es mehrere „Zutaten“, erklärt Tuschy: Viel feuchte Luft, starken Wind und eine Gewitterwolke. Der Wind muss dann an Höhe gewinnen, an Geschwindigkeit aufnehmen und schließlich die Richtung wechseln – so entsteht die charakteristische rotierende Windhose.

Tornados gibt es sommers wie winters

Ob Winter oder Sommer – anders als in den USA beispielsweise gibt es in Deutschland keine „tornado season“. „Im Sommer haben wir zwar mehr Gewitterpotential, dafür gibt es im Winter mehr starke Winde“, sagt der Meteorologe des DWD.

Auch wirkliche „Tornado-Hochburgen“ gibt es in Deutschland nicht. „Im Nordwesten des Landes kommen aber die Zutaten für diesen bestimmten Wettermix häufiger zusammen“, erklärt Tuschy.

In Baden-Württemberg gab es laut der Tornado-Arbeitsgruppe Deutschland – eines freiwilligen Zusammenschlusses von Wissenschaftlern, Meteorologen und interessierten Laien – zuletzt im September 2017 in Langenargen am Bodensee einen bestätigten Tornado: Gleich drei Windhosen tobten sich über dem „Schwäbischen Meer“ aus. Schaden entstand nicht.

In der Arbeitsgruppe haben sich Tornado-Enthusiasten zusammengeschlossen, um die Tornado-Forschung in Deutschland voranzubringen. Ihre Ergebnisse tragen sich auf tornadoliste.de, einem eigenen Portal im Internet, zusammen.

Tornado in Bad Cannstatt?

Ob es wirklich ein Tornado war, der am 3. Oktober 2017 durch den Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt zog? Augenzeugen beschrieben jedenfalls eine Windhose und der DWD in Stuttgart bestätigte damals zumindest, das Wettermischmasch an diesem Tag der Deutschen Einheit habe dazu gepasst. Die Tornado-Arbeitsgruppe führt den Vorfall als „Tornado-Verdacht“.

Tornados können eher schwach ausgeprägt sein – oder aber Windstärken von bis zu 500 Kilometer pro Stunde erreichen. Die Fujita-Skala zur Klassifizierung der Windhosen beginnt bei F0 (Windgeschwindigkeiten ab 63 km/h). Die heftigsten je gemessenen Tornados werden bei F5 (Windgeschwindigkeiten bis 512 km/h) eingruppiert.

1968 verwüstete ein Tornado Pforzheim

Auch solche heftigen Tornados hat es in Deutschland schon gegeben: Im Zusammenhang mit Orkantief „Kyrill“ beispielsweise zog am 18. Janur 2007 ein Tornado eine zehn Kilometer lange Spur der Verwüstung durch Wittenberg in Sachsen-Anhalt. Er wurde auf der Fujita-Skala zwischen F2 und F3 gewertet. Der Schaden summierte sich auf zehn Millionen Euro.

Mancher erinnert sich noch an den Tornado von Pforzheim aus dem Jahr 1968: Am Abend des 10. Juli fegte nach einem heißen Sommertag ein Tornado der Stufe F4 durch die Goldstadt und verwüstete mehrere Viertel. Rund 1700 Häuser wurden teils schwer beschädigt, hunderte Menschen wurden verletzt, zwei getötet (Lesen Sie dazu auch: Tornado über Pforzheim - Leser erinnern sich).

Welche Intensität der Tornado aus der Eifel hatte, ist noch unklar. Die Tornado-Arbeitsgruppe dürfte aber vermutlich schon in den Startlöchern stehen, um die Windhose näher zu untersuchen.

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