Tommy Haas trainiert bereits auf dem Stuttgarter Weißenhof. Foto: dpa

Auch mit 39 denkt Tommy Haas noch nicht ans Aufhören. „So lange ich mich fit fühle, möchte ich so lange wie möglich spielen“, sagt der Tennis-Routinier vor dem Start des Stuttgarter Weißenhof-Turniers.

Stuttgart - Den Versprecher des Tages lieferte Edwin Weindorfer. „Am Dienstag, wenn Du dann Dein letztes Spiel machst . . .“ Der Rest ging im Lachen unter, auch Tommy Haas musste schmunzeln. Der Mann ist schließlich abgehärtet. Körperlich, aber auch, was Sprüche über eben seinen Körper angeht. Mit 39 ist man eben ein Exot auf der Profitour der besten Tennisspieler, ob man möchte oder nicht.

Der Wahl-Kalifornier möchte noch – und wie! „Ich will noch so lange wie möglich spielen“, sagte er zwei Tage vor dem Start des Mercedes-Cups (10. bis 18. Juni) auf dem Stuttgarter Weißenhof. Am Mittwoch wird er auf dem Killesberg aufschlagen; zum ersten Mal natürlich, um den Versprecher von Turnierdirektor Weindorfer zu korrigieren. Aber zum letzten Mal? Im Falle einer Niederlage erstmal nur für dieses Jahr. Von Abschiedstour möchte der Senior nichts wissen, was ein Comeback mit dann 40 Jahren im kommenden Jahr zumindest nicht ausschließt. „Wenn ich auf den Platz gehe denke ich nie daran, dass es mein letztes Spiel sein könnte. Ich will einfach nur mein bestes Tennis spielen“, berichtet der nach zahlreichen schweren Verletzungen auf Weltranglistenplatz 307 abgerutschte Hamburger.

Sein erster Auftritt in Stuttgart ist 19 Jahre her

Zuletzt klappte das mehr schlecht als recht. Beim Masters in Rom gewann er immerhin mal wieder ein Spiel, für die French Open wurde es dennoch nichts mit einer Wildcard. Anders als in Stuttgart (und; so hofft Haas, auch in Wimbledon) wo er vom Veranstalter mit einer Einladung fürs Hauptfeld bedacht wurde. Ansonsten hat er diese Saison noch keine Bäume ausgerissen. Aber darum geht es ihm auch nicht. Sonder schlicht um das, was ihm den meisten Spaß bereitet und das er vermutlich auch am besten beherrscht: Tennisspielen.

Bei der in Stuttgart beginnende Rasensaison geht ihm regelrecht das Herz auf. „Auf Gras zu spielen ist immer etwas Besonderes“, sagt Haas, „auch weil es meinem offensiven Spiel entgegenkommt.“ Der alte Mann und das Gras , möchte man ihm zurufen, auch wenn es Haas nicht anders geht als den meisten anderen auch: Übers Alter redet man nicht so gern.

Haas liefert die einleuchtende Erklärung: „Wenn man jung ist, hört man viel übers Älterwerden. Jetzt muss ich sagen: Stimmt alles.“ Nun ist 39 gewiss kein biblisches Alter, für einen Profisportler hingegen schon. Vor allem die Regeneration nach Matches daure länger, nennt die ehemalige Nummer zwei der Welt (vor 15 Jahren war das) den Hauptgrund, warum das Ganze neben all den schönen Facetten des Profilebens auch immer mehr Qualen bereitet. Anderthalb Stunden mehr als früher verbringe er am Morgen mit Fitnessübungen und Massage, erzählt Haas. Was nichts daran ändert, „dass mein Körper teilweise macht, was er will.“ Immerhin: Im Moment steht es gut um seine geschundenen Glieder. Was mit Blick auf seine Verletztenakte keine Selbstverständlichkeit ist: Vermutlich weiß er selbst nicht mehr so genau, wie oft er schon an Schulter, Ellbogen und Hüfte operiert wurde. Vor allem die Schulter ist Haas’ Problemzone. Die meisten anderen Tennisprofis hätten wohl längst ihren Schläger an den Nagel gehängt.

Die Haare licht, der Body gestählt

Nicht so Tommy Haas. Die Haare etwas licht, der Body aber top gestählt, sagt er: „Die Schulter hält. Und wenn ich auf dem Platz stehe, fühle ich mich gut.“ Die Fans honorieren die Mühen des ewigen Tommy. Für ihn gilt: Je älter, desto beliebter. Auch weil Haas bei allem Rückstand auf die Weltspitze immer noch gut mithalten kann. Er ist nicht der Ritter von der traurigen Gestalt, dem man nichts mehr als das Karriereende wünschen möchte. Im Gegenteil: Mittlerweile gilt der zweifache Familienvater in den Tennisstadien dieser Welt als Attraktion.. Weil er in einer an Typen nicht besonders reichen Szene unter Beweis stellt, was man mit Kraft, Wille und Ehrgeiz auch mit 39 noch erreichen kann. Bewundernswert.

Was von ihm in Stuttgart zu erwarten sei, 19 Jahre nach seinem ersten Auftritt? Auch hier will er vor allem Spaß haben, seiner aus Hamburg angereisten Verwandtschaft noch mal zeigen, was er drauf hat. Vielleicht ein, zwei Runden gewinnen. Für zusätzlichen Ansporn sorgte Edwin Weindorfer mit seinem Versprecher von wegen letztes Mal. Auch wenn es den vermutlich gar nicht gebraucht hätte.

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