Und plötzlich ist nichts mehr wie es war. Lebensträume und Zukunftspläne platzen wie Seifenblasen. Foto: Pixabay

In Häfnerhaslach trauern Menschen um einen 58-jährigen Mitbürger. In Oberriexingen muss der junge Bürgermeister seinen Lebenstraum aufgeben. Die Corona-Impfung hat ihn so krank gemacht, dass er nicht wieder zurück ins Amt kann.

Schon wieder ein Tötungsdelikt im Landkreis Ludwigsburg. Schon wieder Trauer. Schon wieder Wut. Ein 45-Jähriger hat vergangenen Samstag Volker H., Vater von vier Söhnen und Opa von fünf Enkeln, mit einem Gegenstand brutal geschlagen und fügte ihm tödliche Kopfverletzungen zu. Die Menschen in Häfnerhaslach sind erschüttert und stellen sich zu recht viele Fragen. Denn der Täter, der seit Sonntag in Untersuchungshaft sitzt, war im Ort als aggressiv bekannt.

 

Die Polizei brauchte fast zwei Tage, bis sie an die Öffentlichkeit ging. Die Stadt Sachsenheim reagierte hingegen schnell. Um Spekulationen zu verhindern und Ruhe in die sozialen Medien zu bringen, wurde noch am Sonntag eine Mitteilung verschickt. Eine ungewöhnliche, aber richtige und verantwortungsvolle Vorgehensweise. Vor allem, da die Polizei in jüngster Zeit den Informationsfluss immer häufiger ausbremst.

Die zweite bedrückende Nachricht dieser Woche führt ins 17 Kilometer entfernte Oberriexingen. Seit Juli 2022 ist der dortige Bürgermeister Frank Wittendorfer krank und nicht mehr im Dienst. Zunächst hieß es, der 41-Jährige sei am Post-Covid-Syndrom erkrankt. Doch jetzt ist klar: Wittendorfer leidet am sogenannten Post-Vac-Syndrom. Ein Sammelbegriff für anhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen infolge einer Covid-19-Impfung. Bei Wittendorfer sind die Beeinträchtigungen so stark, dass ein Gutachten des Kreis-Gesundheitsamts zu dem Ergebnis kommt: Der Oberriexinger ist dauerhaft dienstunfähig.

2017 wurde Frank Wittendorfer zum Oberhaupt der 3300-Einwohner-Kommune gewählt. Nach einem überzeugenden Wahlkampf setzte sich der damalige Stadtkämmerer schon in der ersten Runde mit 69,8 Prozent der Stimmen gegen fünf Mitbewerber durch. Der Hobbyfußballer sei ein hervorragender Spieler, der Mannschaftsgeist habe, Ehrgeiz, Durchsetzungsvermögen und Siegeswillen, wurde ihm bei der Einsetzung attestiert. Und der junge Verwaltungsprofi wurde den Erwartungen an ihn gerecht. Er leitete die Geschicke der Stadt engagiert und hoch motiviert.

In einer sehr persönlichen Stellungnahme informierte Frank Wittendorfer am Donnerstagnachmittag über seinen vorzeitigen Ruhestand. Gerd Maisch, der im Mai 2023 die Verwaltungsaufgaben im Oberriexinger Rathaus übernahm, verschickte die Mitteilung – zusammen mit einer Presseinfo der Stadt und einer Sperrfrist, die Wittendorfer die von ihm gewünschte Zeit geben sollte, einige Menschen vorab persönlich zu informieren. Ein riskantes Unterfangen in einer Zeit, in der der Wettbewerb in der Medienbranche teilweise mit harten Bandagen geführt wird. Wie riskant, zeigte sich schon zwei Stunden nach Verschicken der E-Mail, denn da hatte die Nachricht – trotz Sperrfrist und trotz des sensiblen Themas – bereits eine breite Öffentlichkeit erreicht.