Der Darmsheimer Töpfermarkt zieht einmal mehr tausende Besucher an. Foto: Eibner-Pressefoto/Wolfgang Frank

Beim Darmsheimer Töpfermarkt zeigen rund 70 Ausstellende aus ganz Deutschland, dass man aus Ton und Porzellan nicht nur Geschirr herstellen kann.

Keramikbrunnen, pummelige Menschen mit Ecken und Kanten als Skulpturen, keramische Gefäßflöten: Das gibt es am Samstag und Sonntag in Darmsheim.

 

Ist das Tier echt?, fragt ein kleiner Junge seinen Vater, und deutet dabei auf den Stand von Werner Klas. Tatsächlich muss man zweimal hinschauen. Denn die Echsen, Krokodile und Schlangen, die der Künstler aus Hilgert (Rheinland-Pfalz) formt, sehen täuschend realistisch aus. Jedes Tier ist ein Unikat. Die Reptilien werden aus Ton geformt und bei 1200 Grad Celsius gebrannt. Die Hautstruktur entsteht durch ein Netz, das vor dem Brennvorgang in den noch feuchten Ton gedrückt wird. Wie lange es wohl dauert, die Tiere herzustellen? „Sehr lange“, sagt Werner Klas. „Das ist alles Handarbeit.“

Apfelschale ist wörtlich zu nehmen Eine der wenigen Ausstellerinnen aus der näheren Umgebung ist Monika Kuch. Die Esslingerin arbeitet nicht nur gern mit Ton, sondern scheint auch Wortspiele zu lieben. Die Begriffe Butterschale und Obstschale sind bei ihr zum Beispiel wörtlich zu nehmen. Eine Obstschale besteht aus vielen kleinen Keramik-Äpfeln, die noch im feuchten Zustand aneinandergesteckt und dann gebrannt werden. Auch der Deckel der Butterschale sieht aus wie eine echte Packung Butter. Gelernt hat Monika Kuch das Tonen an der Kunstschule in Nürtingen. „Dreidimensionale Arbeiten gefallen mir besser als Zeichnen oder Malen“, sagt sie. Woher Monika Kuch ihre Idee nimmt, kann die Künstlerin allerdings nicht erklären: „Die fliegen einem einfach zu.“

Mann sorgt für die Technik, Frau für die Kunst Christel Schäfer-Pieper ist eine Keramikerin, wie sie im Buche steht. In ihrer heimischen Werkstatt in Worpswede (Niedersachsen) fertigt sie Geschirr an, das sich durch einen feinen Goldrand auszeichnet. Vor zwei Jahren haben sie und ihr Mann sich aber noch ein zweites Standbein aufgebaut. Die beiden stellen Keramikbrunnen her, die ohne Wasseranschluss auskommen.

„Die Schalen kommen von mir, mein Mann kümmert sich um die Technik“, verrät Christel Schäfer-Pieper. In der Schale ist eine Pumpe eingebaut, die das Wasser nach oben pumpt. Versteckt wird die Pumpe von großen Glasplatten. „Die Glasplatten kann man ganz individuell dekorieren“, sagt Christel Schäfer-Pieper. „Dadurch können auch die Kunden ihre Kreativität spielen lassen.“

Füllige Körper sind gemütlicher Am Stand von Irmgard Waning stehen große Skulpturen von Menschen in Badekleidung. Ein besonderes Augenmerk der Freiburgerin liegt hier auf der Gestaltung der Gesichter. „Mir geht es darum, Persönlichkeiten herzustellen“, erklärt sie. „Man soll das Gefühl haben, dass man die Figuren kennt.“ Das Badethema gefalle ihr, weil sie gerne Körper darstelle. Allerdings keine 90-60-90-Models, sondern etwas pummelige Menschen mit Ecken und Kanten. „Füllige Körper sehen gemütlicher aus“, findet Irmgard Waning. „Ich will keine Schönheitsmodelle herstellen, sondern Figuren mit Charme und Charakter.“

Flötende Vögelchen Bei Mara Ziegel und Martin Lietsch findet man kein Geschirr, keine Schalen und keinen Schmuck. Stattdessen liegen hier kleine Instrumente. Die sogenannte Okarina ist eine keramische Gefäßflöte. Der Ton wird hier im geschlossenen Gefäß erzeugt und nicht in einem röhrenförmigen Körper, wie bei der herkömmlichen Flöte. Entstanden ist das Instrument bereits vor vielen Jahrhunderten. Allerdings hat sich die Form im Laufe der Geschichte immer wieder verändert. Das Ehepaar aus Langgöns-Cleeberg (Hessen) stellt zum Beispiel Okarinas in Form von Vögeln her. Spatzen, Amseln, Meisen – fast jede heimische Art ist hier zu finden. „Wir mögen Vögel“, erklärt Mara Ziegel. „Und bemühen uns immer wieder, eine neue Art in Ton umzusetzen.“

Kunst ist ein Lebensmittel An Martin Schuberts Stand findet man alles, was das Keramik-Herz begehrt. Töpfe, Teller, Schüsseln und Salzstreuer, aber auch liebevoll gestaltete Tierfiguren. Der Keramiker aus Hoppetenzell (Kreis Konstanz) kommt aus einer Künstlerfamilie. „Kunst ist ein Lebensmittel“, so lautet sein Motto. „So habe ich es, seit ich denken kann, erfahren.“ Während seine Familie bildhauerisch arbeitete, hat sich Martin Schuber für eine Töpferlehre entschieden. Seine Plastiken und Gefäße setzt der 69-Jährige einem Salzbrand aus, wodurch eine hauchdünne, aber beinharte Glasur entsteht. „Dadurch werden die Objekte unempfindlich gegenüber Säuren und Laugen“, erklärt Martin Schubert. Eine Salzglasur herzustellen, ist eine Kunst für sich. „Man muss dafür im ständigen Austausch mit den vier Elementen sein“, sagt Martin Schubert. „Wenn man mit Feuer, Erde, Luft und Wasser nicht einfühlsam umgeht, fliegt einem alles um die Ohren.“