Ein tödlicher Radunfall in der Bahnunterführung ist für den ADFC Anlass, eine Petition für mehr Sicherheit für Radler im Bereich des Fellbacher Bahnhofs zu starten. Wo liegen aus seiner Sicht die Gefahrenquellen – und wo ist es besonders tückisch?
An dieser Stelle gibt es viel zu beachten, das ist Carmen Renner bewusst. „Ich fahre hier extra vorsichtig und langsamer“, sagt die sportive Frau aus Schmiden. Sie radelt alle zwei, drei Tage durch die Unterführung am Fellbacher Bahnhof. Parallel zum Radweg verläuft der Fußweg in der Unterführung unter den Bahngleisen. Gerade ist sie an einer kleinen Schülergruppe vorbeigeradelt. Viel Platz blieb da neben dem Grüppchen nicht, auch wenn die drei auf dem Fußweg blieben. „Und die Bake macht es noch enger“, sagt Carmen Renner. Außerdem komme dann noch die Kurve am Radparkhaus hinzu, die den Blick erschwert.
Die Petition fordert Stadtverwaltung und Gemeinderat zum Handeln auf
Wie unfallträchtig ist es rund um den Fellbacher Bahnhof für Radler? Aus Sicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Rems-Murr (ADFC) ist die Verkehrsführung so unübersichtlich, dass nun mithilfe einer Petition die mangelnde Sicherheit in den Fokus rücken soll. Fellbacher Stadtverwaltung und Gemeinderat werden darin aufgefordert, „umgehend auf diese Gefährdungssituation zu reagieren und rasche Abhilfe zu schaffen“.
Anlass ist der tragische Fahrradunfall im September in der Bahnhofsunterführung. Einem Mann waren laut Polizeibericht auf dem Radweg in der Unterführung zwei andere Radfahrer entgegengekommen. Er musste, so die Vermutung der Polizei, den Unbekannten wohl ausweichen und stieß dabei gegen die Mauer der Unterführung, wo er sich so schwere Verletzungen zuzog, dass er später im Krankenhaus verstarb.
ADFC: Die Radverbindung ist unübersichtlich und mehrfach unterbrochen
„Die Fahrrad-Verbindungen an der Bahnunterführung sind zu eng und zusätzlich durch die jahrelange Baustelle am Raiffeisenplatz für den Radfahrer erschwert. Möchte man die Fellbacher Fahrradachse von der Theodor-Heuss-Straße in Richtung Schmiden radeln, so stellt aktuell die Bahnunterführung eine erhebliche Herausforderung dar, dies sicher zu tun. Wer das Radparkhaus nutzt und danach Richtung Norden möchte, wird unwillkürlich auf den Gehweg unter der Bahnunterführung gelenkt“, macht der ADFC deutlich.
Die mehrfache, unübersichtliche Querung der Straßen wird in der Petition im Detail beschrieben: „Die Radverbindung Nord-Süd-Achse wird durch die Bahngleise unterbrochen. Die Fahrradstraße endet in einem Kreisverkehr am Bahnhof. Radfahrende Richtung Norden müssen auf der Eisenbahnstraße Richtung Bahnhofstraße fahren, diese an einer Ampel überqueren und in einen schmalen Radweg einbiegen. An der nächsten Kreuzung führt die Verbindung über eine Fußgängerampel in die Schaflandstraße, von der dann die Nord-Süd-Achse weiterführt. Deshalb benutzen viele Radfahrende lieber den schmalen Radweg an der Fellbacher Straße.“
Erschwerend komme hinzu, dass in diesem Bereich viele Fußgänger unterwegs seien und sich in den Stoßzeiten am Raiffeisenplatz und in der Fellbacher Straße einen viel zu engen Platz mit dem Radverkehr teilen müssten – und das nicht nur während der aktuellen Großbaustelle.
Das Gefährdungspotenzial liegt aus Sicht des ADFC im Bereich Fellbacher Bahnhof besonders hoch. Folgende Gründe werden genannt: Die Nord-Süd-Achse für Radfahrende erfordere einen Umweg über zwei Kreuzungen mit Ampelanlagen. Die Rad- und Gehwege seien zu schmal für das hohe Verkehrsaufkommen, rechts abbiegende Autos könnten Radfahrer leicht übersehen. Und linksabbiegende Radler an der Kreuzung Bahnhofstraße/Ringstraße/Eisenbahnstraße müssten sich in den Autoverkehr einfädeln. Insgesamt, so der ADFC, sei die Verkehrsführung im Bereich Bahnunterführung „unübersichtlich und schwer zu erfassen“.
Schmidener Radlerin hält die gesamte Kreuzung für gefährlich
Christa Schullerer, die an diesem Tag gegen 13 Uhr mit dem Rad in Richtung Schmiden unterwegs ist, hält die gesamte Kreuzung für gefährlich. „Ich fahre die Strecke seit Jahren. Wir bräuchten einen sicheren Zugang von der Fellbacher Radstraße weiter nach Schmiden und Oeffingen“, sagt sie, „dann könnte man sich diese gefährliche Ecke sparen.“ Viel mehr Schüler seien inzwischen hier im Vergleich zu früher unterwegs. Wer den Verkehr zum Schulende an der Unterführung beobachtet, sieht ein dichtes Nebeneinander und teils ziemliches Durcheinander von Radlern und Fußgängern. Manche sind auch mit E-Rollern unterwegs. „Das dauert ja ewig, bis es Grün wird“, ist auch immer wieder an der Fußgängerampel an der SDK zu hören.
„Die Infrastruktur zum Radfahren und insbesondere die Radwege müssen fehlertolerant gestaltet sein, sodass Fehler von Verkehrsteilnehmenden nicht zwangsläufig tragische Folgen haben“, so der ADFC. Der dichte Verkehr und die unübersichtliche Fahrbahngestaltung in der Bahnhofsgegend verunsicherten etliche, was zu Fahrfehlern führe. Komme es zu Unfällen, seien Radler und Fußgänger besonders gefährdet. „Sie haben weder Knautschzone noch Airbag und müssen eigene oder auch fremde Fehler meist mit ihrer Gesundheit oder manchmal sogar mit dem Leben bezahlen“, so der ADFC. Die Verkehrsinfrastruktur müsse auch dem wachsenden Radverkehr Rechnung tragen.
Mehr als 370 Personen haben bisher die Petition unterschrieben
Mehr als 370 Personen haben die Petition bisher unterzeichnet. Einer davon schreibt: „Ich unterzeichne, weil ich dort regelmäßig radle und das Problem augenfällig ist.“ Sowohl der VCD als auch der ADFC hätten in der Vergangenheit mehrfach auf die Sicherheitsmängel an dieser Stelle hingewiesen, teilt Andreas Schwager vom ADFC mit. Die Fahrradverbände würden der Fellbacher Stadtverwaltung anbieten, gemeinsam eine praktikable Lösung zu finden.
Schwager, politischer Sprecher des ADFC Rems-Murr, kennt den neuralgischen Punkt aus eigener Erfahrung. Er radelt regelmäßig durch die Bahnunterführung in Fellbach auf seiner Fahrt von Waiblingen-Neustadt ins Büro nach Heldelfingen, sagt er. Seine Frage lautet: „Wann wird hier endlich reagiert?“