Tischtennis-WM Das Tischtennis-Problem: Mettigel und Mexi

Von Tobias Schall 

Tischtennis ist eine der komplexesten Sportarten überhaupt. Foto: Getty Images Europe
Tischtennis ist eine der komplexesten Sportarten überhaupt. Foto: Getty Images Europe

Warum Tischtennis ein Imageproblem hat, aber trotzdem der tollste Sport der Welt ist: Eine persönliche Betrachtung eines ziemlich schrägen Sports anlässlich der WM in Düsseldorf, die am Montag begonnen hat.

Düsseldorf - Kürzlich war es mal wieder so weit. Als einer von seinen Fußballaktivitäten erzählte, fragte ein anderer: „Machst du eigentlich auch Sport?“

Tischtennis.

„Kommt man da ins Schwitzen?“

Höhöhö.

So was in der Art kennt jeder Tischtennisspieler. Tischtennis. Pingpong. Kann ich auch. Spiel’ ich im Freibad. Tischtennis kennt jeder. Tischtennis kann jeder. Das ist einerseits schön, weil es für dieses Spiel spricht, dass es jeder schon mal gespielt hat, in der Schule auf miesen Steinplatten oder im Freibad auf Uraltplatten.

Das Schöne ist: Jeder kann gut werden. Bis zu einem gewissen Grad sind körper­liche Mängel durch Ballgefühl, Taktik oder ein individuelles Spielsystem ausgleichbar. Wenn ein 25-Jähriger seinen Kumpels erzählt, er habe gegen einen 50-Jährigen ­verloren, ist ihm der Spott sicher. Dabei spricht das alles für diese Sportart ohne Ausschlusskriterien. Ob groß oder klein, dünn oder übergewichtig, ob alt oder jung.

Die massenhafte Verbreitung des Spiels hat aber leider negative Folgen: das Mexi-Problem. Jeder, der mal beim Mexi (Rundlauf) auf dem Pausenhof gewonnen hat, glaubt, einen Vereinsspieler locker von der Platte zu putzen. Dabei hat das mit Tischtennis so viel zu tun wie im Supermarkt in der Schlange stehen mit einem Marathon. Wohl keine andere große Sportart steht so unter Rechtfertigungszwang und wird so wenig für voll genommen.

Neuerdings haben ja sogar Hipster Tischtennis für sich entdeckt, und das ist im Prinzip ja eine sehr gute Nachricht, weil das heißt, dass Tischtennis endlich cool ist. Aber das ist halt Lifestyle. Die spielen in Jeans und Vollbart an Hotspots und nicht wie unsereins in kurzen Hosen in Hallen.

Es gibt Hipster-Tischtennis. Freibad-Tischtennis. Und Vereins-Tischtennis.

Letzteres ist ernsthafter Sport und hat leider ein Imageproblem. Tischtennis klingt nach ranzigen Schulturnhallen. Es riecht nach 1980er Jahren und Mettigel. ­Irgendwie veraltet. Von den Glanzzeiten Anfang der 1990er Jahre mit 800 000 Mitgliedern kann man heute nur träumen, der Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) hat aktuell 560 000 Mitglieder. Der DTTB war mal der fünfgrößte Sportverband im Land, jetzt ist er die Nummer elf. Deutschland ist seit Jahren in Europa dominant und hat in Timo Boll einen der besten deutschen Individualsportler der letzten 50 Jahre. Einen Jahrhundertathleten. Doch einen nachhaltigen Effekt hat das nicht.

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