Der Ungar Zoltan Bozso (links) und der Brite Glen Penlington (rechts) kämpfen um den Einzug in die „Round of 16“. Foto: Lichtgut /Ferdinando Iannone

Die Australier werden der Favoritenrolle beim internationalen Sport-Holzfällerwettbewerb gerecht und gewinnen ihren vierten Timbersports-Titel in Folge. Die Deutschen hatten bei der Heim-WM weniger Glück. Ein Besuch vor Ort.

Das junge deutsche Team betritt die Bühne der ausverkauften Porsche-Arena in Stuttgart. Die Halle ist außer sich, die Zuschauerkulisse wandelt sich in ein Fahnenmeer. Peter Bauer, Danny Martin, Christoph Lang und Denny Vielwirth bereiten ihre Äxte und Sägen vor. Sie treten gegen die französische Mannschaft in einer Staffel an: Das schnellere Team siegt. Es riecht nach frischem Holz und Kettensägenöl – dann das Startsignal: „To your Timber: 3, 2, 1“.

 

Kurz vor Schluss des Duells sind die Deutschen vorne: Vielwirth, dessen Oberarm ein Axttattoo schmückt, startet mit einem hauchdünnen Vorsprung in die letzte Disziplin. Mit viel Präzision und Geschick schwingt er die Axt. Die Franzosen holen auf. Es handelt sich um Sekunden. Der Franzose Loic Voinson zieht an Vielwirth vorbei und zerteilt das Holz – drei Sekunden früher.

Die Hoffnung lebt – aber nur kurz

Doch dann: Der Videoschiedsrichter schaltet sich ein und prüft, ob die Franzosen regelkonform agiert haben. Beide Teams stellen sich nebeneinander auf, in der Mitte Kampfrichter Andrew Hall. Die gesamte Arena wartet auf das Urteil. Stille kehrt in die sonst so laute Timbersports-Fangemeinde ein.

Hall verkündet die Entscheidung: „And the winner is: Team France“ – damit platzt der Traum der Deutschen, das beste Team Europas zu sein, und sie scheiden vor den heimischen Fans aus. Sie belegen Platz 13. Tschechien erzielt den vierten Platz und erreicht damit das Ziel der Deutschen. „Wir haben uns natürlich andere Ziele gesetzt, daher sind wir sehr enttäuscht. Doch wir wollen im nächsten Jahr umso stärker wieder kommen. Wir haben viele junge Athleten im Team, die richtig gut sind und auf die wir bauen werden“, zeigte sich Peter Bauer, der deutsche Athlet an der Kettensäge, nach der Niederlage versöhnlich.

Wettkampf findet in diesem Jahr in Stuttgart statt

Die diesjährige Weltmeisterschaft im Sportholzfällen wurde über zwei Tage verteilt in Stuttgart ausgetragen. Am Freitag kämpften die Nationen um den Sieg in der Team-WM. Am Samstag werden sich dann die besten Individualsportler messen – Danny Martin läuft als einziger deutscher Athlet auf. An beiden Tagen war und ist die Arena restlos ausverkauft.

Bei der Team-WM der Sportholzfäller versammeln sich jährlich 20 Teams aus der ganzen Welt und treten in einem Staffellauf im K.o. System gegeneinander an. Dieses Jahr fanden sich allerdings nur 19 Nationen ein. Team Dänemark rund um Felixia Banck, die erste Frau, die letztes Jahr bei der Weltmeisterschaft antrat, reiste nicht an.

„Ich bin sehr traurig. Leider braucht man genug Sportler um anzutreten“, sagt Banck bestürzt. Nichtsdestotrotz kam Banck nach Stuttgart, als Journalistin: „Ich habe alles versucht, um herzukommen“, erzählt sie.

Wie der Wettkampf abläuft

Die Teams messen sich in vier Disziplinen, die nacheinander ausgeführt werden. Begonnen wird mit der Disziplin Stock Saw, bei der die Athleten einen Cookie (eine Scheibe Holz) mit einer Kettensäge von einem horizontal liegenden Baumstamm absägen müssen – bei Team Deutschland übernahm Bauer diese Aufgabe. Im Anschluss folgt der Standing Block Chop, welchen der amtierende deutsche Meister Danny Martin absolvierte. Hierfür stand Martin auf einem Holzblock, den er mit einer Axt in nur wenigen Sekunden in zwei Teile zerschlug.

Christoph Lang trat für die Disziplin Single Buck an, die der Stock Saw ähnelt. Der einzige Unterschied: Anstatt einer Kettensäge nutzten die Sportler eine zehn Kilogramm schwere Einmannzugsäge. Die letzte Disziplin, bei der die Deutschen knapp scheiterten, heißt Standing Block Chop. Hier schlägt der Athlet den vertikalen Block in zwei Hälften.

Der Turnierablauf ist in sechs Teile gegliedert: Der Time Trial entscheidet darüber, welche Teams sich für die Runde der besten 16 qualifizieren. Dieser trug sich bereits am Mittag zu. Deutschland zog souverän in die zweite Runde ein. Nur die besten 12 erreichten direkt die „Round of 16“. Die schwächsten Teams hatten dann nochmals die Möglichkeit vor den 6.500 Fans in die weitere Runde zu kommen. Hierfür traten sie in den vier Disziplinen an. Die vier schnellsten Teams kamen weiter. Dann folgte die Runde der besten 16, bei der Deutschland an Frankreich scheiterte. Die Gewinner aller Duelle zogen dann in das Viertelfinale ein.

Nach jedem Duell stürmten 18 Helfer und Helferinnen, ausgestattet mit Laubgebläsen, einer Art Staubsauger und Kettensägen auf die Bühne, beseitigten die Holzreste, um zügig den nächsten Wettkampf einzuleiten. Danach folgte das Halbfinale, in dem die Teams aus Übersee erneut ihre Dominanz im Sportholzfällen zeigten. „Wenn man ehrlich ist, hat man kaum eine Chance gegen die Teams aus Übersee“, erklärte der Rottenburger Tim Anthofer, der bei der WM nur von außen sein Team anfeuerte, bei einer Trainingseinheit eine Woche vor dem Wettkampf.

Australien gewinnt WM

Keine europäische Mannschaft erreichte das Halbfinale. Stattdessen traf USA auf seinen Nachbarn Kanada und auch der amtierende Weltmeister Australien kämpfte gegen das benachbarte Neuseeland um den Einzug ins Finale. Dort besiegten die Australier die USA knapp. „Es ist einfach eine große Ehre. Unser Team funktioniert super. Wir wussten, dass hier eine unfassbare Stimmung sein wird, aber wir lieben es in so einer Atmosphäre anzutreten und es ist großartig den Sieg zu holen“, sagte der Australier Laurence O’Toole strahlend über den Sieg. Die Kanadier gewannen im kleinen Finale gegen die Neuseeländer und sicherten sich damit den dritten Platz.

Bei der Pressekonferenz nach der Niederlage war den deutschen Athleten der Frust anzusehen. Sie zeigten sich dennoch zuversichtlich: „Ich schaue darauf sehr positiv. Wir gewinnen zusammen und wir verlieren zusammen“, sagte Danny Martin, der am Samstag nochmals antritt. „Ich rechne mir viel aus. Es gibt zwei Wege: Vorne mitzuspielen oder wenn etwas nicht gut läuft früh auszuscheiden“, gab er über seine Chancen preis.

Ein versöhnliches Ende

Am Ende des Wettkampfes stehen die Australier, US-Amerikaner und Kanadier auf dem Siegertreppchen, greifen sich die Sektflaschen und feiern nicht nur die Platzierung, sondern den Sport. Sie geben sich die Hände und bespritzen sich gegenseitig mit Sekt. Die Italiener, Schweden und Niederländer besteigen die Bühne und gratulieren den Siegern.

Nicht nur die Athleten liegen sich in den Armen, sondern auch die Fans. Die Konkurrenz im Wettkampf ist vergessen. Fans mit tschechischen Trikots beglückwünschen die Sportler, Arm in Arm mit deutschen und italienischen Anhängern.