Seit sechs Jahren war Brönner nicht mehr beim Festival zu Gast Foto: Opus/Reiner Pfisterer

Till Brönner beeindruckt und berührt bei seinem ersten Jazz-Open-Konzert seit sechs Jahren.

Stuttgart - Im voll besetzten Innenhof des Alten Schlosses brandet Jubel auf, als ein schlanker Mann im schwarzen Maßanzug die Bühne betritt, in der Hand eine silbern glänzende Trompete. Exakt wie ein Metronom, lebendig wie ein Gebirgsbach treibt die Rhythmusgruppe vorwärts. Ein warmer Strom weicher Synthesizerklänge schwebt schwerelos über dem Rhythmus. Als Till Brönner zum Solo ansetzt, füllt ein Ton von kristalliner Klarheit den imposanten Arkadenhof, der im Stil der schwäbischen Renaissance erbaut wurde.

Ideendichte, tolles Timing, bestechender Sound, Gespür für kleinste Nuancen und virtuoses Trompeten- und Flügelhornspiel haben Brönner zu einem der weltweit Besten seines Fachs werden lassen, zu einem, der im modernen Jazz zu Hause ist, sich aber auch im Kontext der populären Musik wohlfühlt wie ein Fisch im Wasser. Manche meinen, Till Brönner mache halt Caipirinha-Musik, liefere lauwarme Smooth-Jazz-Duschen und sei eben ein allzu glattes Erfolgsmodell (ein gut bezahltes Modell dazu). Oft wird jedoch verkannt, dass er ein hervorragender Jazzer ist, einer, der es mit US-Koryphäen wie Wynton Marsalis locker aufnehmen kann – nicht von ungefähr wurde der Deutsche vor drei Jahren von Präsident Obama zum Jazz Day ins Weiße Haus eingeladen.

Es stimmt schon: Till Brönner ist ein smarter Typ, der in Berlin, seinem Zweitwohnsitz Los Angeles und auf seinen zahlreichen Reisen ein exklusives Leben führt. Doch seine hell strahlenden Soli und – bei beseelten Balladen – melancholisch angehauchten Improvisationen sind eindrucksvoll und berührend. Das Programm reicht vom raffiniert arrangierten Soul-Jazz von Wes Montgomerys „Bumpin’ On Sunset“ aus den sechziger Jahren bis zu Pharrell Williams’ Hit „Happy“ von 2013 als fröhlicher Zugabe. Ohne Musik und ohne Auftritte, bekennt der 47-jährige Jazzprofessor, könne er nicht leben, und die Trompete nennt er „die Verlängerung meiner Seele“. Einzig das Schema Thema-Chorus-Thema, die ständigen Acht-Takt-Wechsel der starken Solisten Magnus Lindgren am Tenorsaxofon und Gitarrist Bruno Müller mit ihrem charmant kokettierenden Boss wirken im Verlauf des Konzerts ein wenig stereotyp und hätten eine strukturelle Auffrischung verdient.

Ansonsten: Till Brönner steht für eleganten, kraftvollen und elastisch groovenden Jazz mit kalifornischem Touch.

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