Zahlreiche Flüchtlinge haben den Grenzübergang in Tijuana gestürmt. Foto: AFP

Hunderte Mittelamerikaner durchbrechen in Mexiko die Polizeilinien und gelangen bis an den Grenzzaun zu den USA. Dort setzen US-Beamte Tränengas ein. Trumps Heimatschutzministerin zeigt sich hart – und auch Mexiko will durchgreifen.

Tijuana - Mehrere Migranten haben versucht, von Mexiko aus über die Grenze in die USA zu gelangen. US-Grenzschutzbeamte feuerten in einer Reaktion mit Tränengas auf die anstürmende Menge, wie Reporter der Nachrichtenagentur AP beobachteten. US-Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen drohte mit Konsequenzen. Mexikos Innenministerium kündigte Abschiebungen von rund 500 Migranten an, die „gewaltsam“ in die USA zu betreten versucht hätten. Zudem will die Behörde die Grenze verstärken.

Vor der Eskalation hatten am Sonntag Hunderte Migranten friedlich in der Grenzstadt Tijuana einen Protestmarsch abgehalten, um eine schnellere Bearbeitung ihrer Asylanträge durch die USA zu fordern. Mexikanische Polizisten hielten die Menge davon ab, über eine Brücke zu laufen, die direkt zum Grenzübergang führt. Doch drückten sich Migranten an Beamte vorbei und wateten durch ein Flussbett unter der Brücke. Die zweite Gruppe von Polizisten vor dem Grenzübergang Chaparral war mit Schilden ausgestattet, konnte die Migranten aber ebenfalls nicht aufhalten. Von dort gelangten sie zu einem Areal, in dem nur ein Deich und Stacheldrahtzaun sie von US-Grenzschutzbeamten trennten.

Auf Bildern des mexikanischen TV-Senders Milenio war zu sehen, wie Migranten über Zäune kletterten und Metallabsperrungen wegzuräumen versuchten. Die US-Beamten hätten Tränengas abgefeuert, als einige ein Loch in den Grenzzaun schneiden wollten, sagte die Honduranerin Ana Zuniga, die ihre dreijährige Tochter in den Armen hielt. „Wir sind weggerannt, aber wenn man rennt, nimmt einem das Gas noch mehr die Luft.“

Der US-Grenzschutz war den ganzen Tag über mit Hubschraubern im Einsatz gewesen

Kinder schrien und husteten. Der Wind trug den Rauch zu anderen Menschen, die Hunderte Meter entfernt standen. Während das Chaos auf der mexikanischen Seite seinen Lauf nahm, waren in unmittelbarer Nähe auf der amerikanischen Seite zahlreiche Kunden zu sehen, die in und aus einem Outlet-Einkaufszentrum strömten.

Der US-Grenzschutz war den ganzen Tag über mit Hubschraubern im Einsatz gewesen, Beamte hielten hinter dem Grenzzaun Wache auf der kalifornischen Seite. Später teilte der Grenzschutz in San Diego über Twitter mit, der Grenzübergang San Ysidro sei für Fußgänger gesperrt worden. Auch der Verkehr in Richtung Süden und Norden sei gestoppt worden.

Heimatschutzministerin Nielsen erklärte, es bleibe bei der „robusten“ Präsenz von Beamten entlang der Südwestgrenze zu Mexiko. Jeder, der Eigentum der Bundesregierung beschädige oder die Souveränität der USA verletze, müsse mit Strafverfolgung rechnen. Ihre Behörde werde „diese Art von Rechtlosigkeit nicht dulden und nicht zögern, Grenzübergänge aus Sicherheitsgründen zu schließen“, teilte Nielsen mit.

Die Migranten müssen in Tijuana vermutlich monatelang ausharren

Mehr als 5000 Migranten aus Zentralamerika kampieren seit Tagen rund um eine Sporthalle in Tijuana, nachdem sie in den vergangenen Wochen teils zu Fuß und teils in Bussen oder Lkws aus Staaten wie El Salvador und Honduras nach Norden gezogen waren. Die Migranten müssen in Tijuana vermutlich monatelang ausharren, ehe sie eine vage Aussicht auf Bearbeitung ihres Asylgesuchs haben. Mit dem Protestmarsch vom Sonntag hätten die Migranten auf ihre missliche Lage aufmerksam machen wollen, sagte Irineo Mujica von der Hilfsorganisation Pueblo Sin Fronteras.

US-Präsident Donald Trump hatte vor einer „Invasion“ durch die sogenannte Migrantenkarawane gewarnt und zusätzliche Soldaten an die Grenze geschickt. Am Sonntag schrieb er auf Twitter: „Es wäre sehr klug, wenn Mexiko die Karawanen stoppen würde, lange bevor sie an unsere Südgrenze gelangen, oder wenn die Ursprungsländer gar nicht erst zulassen, dass sie sich formieren“. In Klammern fügte er hinzu: „auf diese Weise bekommen sie gewisse Leute aus ihrem Land und laden sie in den USA ab. Nicht mehr“. Beweise für diese Behauptung legte Trump nicht vor, er beschuldigte aber die Demokraten, dieses Problem geschaffen zu haben.

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