Mit runden Knopfaugen guckt das Eisbärenmädchen aus der Box. Foto: Berliner Tierpark

Erstmals haben sich zwei Tierärzte und eine Pflegerin in den Stall von Eisbärenmutter Tonja und ihrem Nachwuchs gewagt. Erlebt Berlin nach dem Pech der Vorjahre einen glücklichen Eisbären-Frühling?

Berlin - Nach Knut und Fritz ist es nun ein Weibchen: Ein Eisbärenmädchen könnte der neue flauschige Liebling von Zoobesuchern in Berlin werden. Das Geschlecht des Jungtiers haben Tierärzte bei der ersten Untersuchung festgestellt, wie Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem der Deutschen Presse-Agentur nach dem Besuch im Stall am Donnerstag sagte. „Es ist ein kräftiges Mädchen.“ Rund 8,5 Kilo bringe das Anfang Dezember geborene Junge bei einer Größe von gut 60 Zentimetern auf die Waage, so Knieriem. „Wir haben gesehen, dass alles in Ordnung ist.“

Bereits Anfang, Mitte März könnten Eisbärenmutter Tonja (9) und die noch namenlose Kleine auf der Außenanlage in dem Park im Stadtteil Friedrichsfelde zu sehen sein, sagte Knieriem - wenn weiter alles gut gehe. Die kugelige Figur des Eisbärchens sei Grund zur Freude. Temporäres Kraftsammeln sei auch in der Natur wichtig, damit der Nachwuchs der Mutter beim Verlassen der Wurfhöhle im Frühling sicher und schnell folgen kann, erklärte Knieriem. Zum Ablauf der Namenssuche für die Kleine hält sich der Tierpark noch bedeckt.

Fritz starb überraschend mit vier Monaten

Ein Grund für die Zurückhaltung dürfte sein, dass es laut Knieriem nach wie vor ein Restrisiko gibt. In den vergangenen Jahren hatten Tonjas Jungtiere nicht überlebt. 2017 war etwa Eisbär Fritz im Alter von vier Monaten völlig überraschend in Folge einer Lebererkrankung gestorben, deren Ursache laut Tierpark bis heute völlig unklar ist. Die Sterblichkeit bei Eisbärenbabys ist auch in der Natur sehr hoch, da sie sehr unreif zur Welt kommen. Sie sind anfangs nur so groß wie Meerschweinchen, außerdem blind und taub.

Das Eisbärenmädchen ist da schon weiter: Von Wehrlosigkeit war nach Knieriems Angaben nichts zu spüren. Beim Betreten der Box habe die Kleine einen Satz auf die Menschen zu gemacht und sich auch danach als Raubtier mit scharfen Krallen gezeigt: „Es wusste natürlich nicht, was diese grüne Männchen plötzlich da sind“, sagte Knieriem. Tonja, die ihrem Nachwuchs normalerweise nicht von der Seite weicht, war mit Fleisch in eine Nachbarbox gelockt worden, um den Arztbesuch mit Impfung, Wurmkur, Messen und Wiegen zu ermöglichen, wie Eisbärenkurator Florian Sicks sagte.

Besuch war für den Tierarzt ein Highlight

Danach wurden Mutter und Tochter schnell wieder vereint, damit der Standard-Tagesablauf im Stall weitergehen konnte: Der werde von häufigem Trinken an der „Milchbar“ - Tonjas Zitzen - bestimmt, wie Knieriem sagte. Langsam beginne die Kleine schon zu laufen und seine Mama zu „nerven“, etwa mit Zwicken und Bissen ins Ohr. Zu erwarten sei eine weitere schnelle Entwicklung. „Das heißt für uns auch: Alles vorbereiten, dass dann beide raus können“, sagte Knieriem.

Der Tierarzt sagte, trotz aller Routine in seinem Job sei der Besuch bei der Kleinen für ihn „ein Highlight“ gewesen. „Wenn man jetzt mal das Herz sprechen lässt, dann muss man sagen, dass diese Eisbärenbabys einfach süß sind.“ Ein zweiter Tierarztbesuch in den nächsten Wochen ist geplant - für eine weitere Impfung. Doppelte Handschuhe zum Schutz vor Verletzungen seien dann wohl angebracht, sagte Knieriem und lachte.

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