Im Tierheim werden immer häufiger auch Exoten abgegeben. Foto: Thorsten Hettel

Schlangen, Leguane und Bartagamen beanspruchendas Pflegepersonal immer stärker. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass es über Internetbörsen immer leichter wird, ein ungewöhnliches Tier zu bekommen.

Stuttgart-Botnang - Hund, Katze, Maus? Nicht nur jene Tierarten, die jedes Kind kennt, werden im Botnanger Tierheim abgegeben. Immer mehr Aufwand hat das Tierheim mit ihrer sogenannten Exoten-Abteilung. Denn nicht nur Hunde und Katzen werden im Tierheim abgegeben, sondern bisweilen auch Schlangen, Leguane, Bartagamen oder Vogelspinnen. Die Reptilienpflegerin Sandra Fabrizi kann einen regelrechten „Boom“ feststellen.

Als Grund vermutet sie, dass es über Internetbörsen immer leichter wird, ein ungewöhnliches Tier zu bekommen. „Aber dann werden sie schnell wieder abgegeben, weil sie in der Haltung nicht so einfach sind oder die Leute feststellen, dass einige Kosten damit verbunden sind“, sagt die Biologin. Zum Beispiel UV-Lampen, die für Reptilien zwingend nötig sind, müssten jedes Jahr erneuert werden und kosteten etwa 40 Euro. Ein weiteres Problem sei falsche Ernährung, weil sich die Besitzer nicht ausreichend über die Art informieren oder das kostengünstigste Futter vorziehen. Die Folge: „Uns werden daher häufig kränkelnde Tiere vorbeigebracht.“

Die Wilhelma ist hin und wieder bereit, ein Tier aufzunehmen

Die Reptil, das am häufigsten im Tierheim landet, ist laut Fabrizi die Wasserschildkröte. Sie schätzt, dass im Jahr zwischen 50 und 60 Stück abgegeben werden. „Die werden süß und klein gekauft und sind dann schnell zu groß für ihr Aquarium“, sagt sie. Zurzeit kümmern sich die Mitarbeiter um elf Wasserschildkröten, vor einigen Tagen waren es noch rund 20. „Die letzten Tage hatten wir viel Glück, da sind einige an neue Besitzer gegangen. Leider ist das nicht an der Tagesordnung.“

Werden Tiere abgegeben, für die das Tierheim nicht ausgerüstet ist, werden diese an entsprechende Einrichtungen wie etwa die Reptilienauffangstation in München abgegeben. Auch die Wilhelma ist hin und wieder bereit, ein Tier aufzunehmen – wie zum Beispiel eine zwei Meter lange Anakonda, die vor einiger Zeit in einem Karton vor dem Tierheim abgestellt wurde. „Darauf war eine Aufschrift: ,Achtung, bissig. Entschuldigung, ich bin nicht mehr damit klar gekommen’“, erinnert sich Fabrizi kopfschüttelnd.

„Verbieten kann man das Halten von Exoten aber nicht“

Nicht immer werden die Mitarbeiter gewarnt, welche Tierart heimlich bei ihnen vor die Tür gelegt wird. „Für uns gilt daher, ein Tier immer so zu behandeln, als ob es giftig wäre“, sagt Fabrizi. In schwierigen Fällen würden die Kollegen der Wilhelma bei der Artenbestimmung helfen. Für Fabrizi bedeuten unbekannte Arten immer viel Arbeit, schließlich muss sie sich dann einlesen, was bei dieser speziellen Tierart bei der Pflege zu beachten ist.

Um zu verhindern, dass Halter mit exotischen Tieren überfordert sind, prüfen Fabrizi und ihre Kollegen bei Interessenten, ob sich diese vorab über die Art informiert haben. Meistens erfolgt auch ein Besuch zuhause, um zu prüfen, ob die Wohnung für eine artgerechte Haltung geeignet ist. „Verbieten kann man das Halten von Exoten aber nicht – die Leute beschaffen sie sich ja so oder so“, sagt Fabrizi. „Wenn sie artgerecht gehalten werden, habe ich als Biologin auch gar nichts dagegen.“

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