Die Wildsau fühlt sich in ruhigen Gegenden daheim. Foto: imago images/blickwinkel/W. Pattyn

Alle Welt wartet auf den Wolf. Dabei breitet sich eine ganz andere Spezies bei uns aus – und fühlt sich offenbar sauwohl.

Ziemlich oft, findet KNITZ, wird in den Medien über Leute berichtet, die die Sau rausgelassen haben. Also dachte er sich, er schreibt mal einen Text, der davon handelt, was denn die Sau so rauslässt. Eines der amüsantesten Bücher, das er seinen Kindern vorgelesen hat, trägt den hübschen Titel „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“.

 

Sollten Sie, liebe Leserin, lieber Leser, allerdings gerade dabei sein, Ihr Frühstück zu sich zu nehmen, lesen Sie die Kolumne vielleicht besser später.

Nein, es war nichts mit dem Auto!

Er begann alles damit, dass die Frau eines Kollegen morgens vors Haus trat und einen Schrei tat. Der Kollegen dachte dasselbe, was KNITZ in der Situation gedacht hätte: Es ist was mit dem Wagen!

Doch weit gefehlt. Direkt vor der Haustür lag ein gewaltiger Haufen, der weder von einem Hund noch einem Menschen stammen konnte. Der Kollege benutzt KNITZ gegenüber die Beschreibung „große Kastanie, sehr große Kastanie“. Drei Häuser weiter dasselbe Bild.

Also machte der Kollege etwas, was der kluge Rechercheur in so einer Situation tut: Er lichtete den Haufen ab und schickte das Bild einem Jäger, welcher den Schnappschuss im Kollegenkreis herumreichte. Das Urteil der Waidmänner war eindeutig: Hier hatte eine Wildsau ihrem Namen alle Ehre gemacht und sich Erleichterung verschafft.

Nun sind Wildsäue in unseren Breiten keine Exoten. KNITZ selbst hat zwar schon länger keine mehr zu Gesicht bekommen, stolpert aber immer wieder über deren Spuren, wenn sie mal wieder auf der Suche nach Futter eine halbe Streuobstwiese umgepflügt haben.

Sichtkontakt im Dschungel

Der letzte Sichtkontakt liegt schon ewig zurück. KNITZ war mit einem Kumpel gerade von einem Urwaldtrip heimgekehrt, da sahen sie, wie ein Wildschwein sich über ihr Zelt hermacht. Der Freund nahm einen Prügel, rannte schreiend auf das Vieh los, das zum Zelt hinausrannte – und zwar hinten, wo weder Aus- noch Eingang war. Bei der Inspektion stellten die beiden Wanderer fest: Die Sau hatte sich vor allem für Seife und Shampoo interessiert. Womöglich sind die Schweine reinlicher als gedacht.

Was den Kollegen verblüffte, war, dass er in keiner Waldgegend wohnt. Um die Ecke sei zwar ein Friedhof, aber der sei von einer mannshohen Mauer umgeben. In einiger Entfernung stünden auch ein paar Bäume, die allerdings noch keinen Wald ausmachen würden.

Er finde die Vorstellung ulkig, sagt der Kollege zum Jäger, dass auf der Hauptstraße mitten im Ort vor seiner Haustür ein Wildschwein Platz nimmt und einen Haufen absetzt. Der Waidmann fand das gar nicht so seltsam. Sicher sei es nachts in der Gegend ruhig, meinte er. Wildschweine würden sich nur erleichtern, wenn sie entspannt seien.

Jetzt überlegt der Kollege, ob er nicht eine Wildkamera installieren soll. KNITZ fragt sich, was das bringt. Womöglich ist das Wildschwein eine Rampensau und gar nicht kamerascheu. Vielleicht muss sich der Kollege nur ein bissle gedulden. Bald kommt die Tochter in die Grundschule. Wenn sie erst mal das Partyalter erreicht hat, ist es mit der Ruhe in dem Viertel eh vorbei.