Drei Kliniken aus den Kreisen Esslingen und Göppingen versprechen Lungenkranken eine ähnlich gute Versorgung wie ihn Großstädten. Hinter der Kooperation der Krankenhäuser steckt wirtschaftliches Kalkül.
Es ist etwa ein halbes Jahr her, seitdem drei Kliniken aus den Kreisen Göppingen und Esslingen neue Wege gingen: „Kooperation statt Wettbewerb“ hieß im Juli vergangenen Jahres das Motto. Die Alb-Fils-Kliniken (AFK), die Medius-Kliniken und das Klinikum Esslingen gründeten das Thorax-Zentrum Südwest, im Laufe der Zeit schloss sich noch das Klinikum Ludwigsburg an. Sie alle arbeiten bei der Behandlung von Patienten mit Lungenleiden eng zusammen.
Während die Mühlen der Politik oft langsam mahlen, Bund und Länder heftig um die Krankenhaus-Reform ringen, ging es bei der Gründung des Thorax-Zentrums Südwest ganz schnell: Nur sechseinhalb Wochen und drei gemeinsame Sitzungen brauchten die drei Partner, um den Verbund zu gründen.
Bis zu 20 Fachärzte arbeiten zusammen
Der Zusammenschluss sei „ein Riesenzugewinn“ für die Menschen in allen drei Landkreisen, zieht Timo Deininger, leitender Arzt der Pneumologie in den Alb-Fils-Kliniken, ein erstes Fazit. Der Zulauf sei sehr groß, die Vorteile für die Patienten lägen auf der Hand: Lange Wege in Großstädte wie Ulm und Stuttgart fielen weg, die Zweit- oder Drittmeinung sei durch wöchentliche, übergreifende Tumorkonferenzen gleich inbegriffen. Hier suchten alle bis zu 20 beteiligten Fachärzte aller Standorte nach der besten Behandlungsmöglichkeit für den Patienten.
Nur ein Bruchteil der Lungenkrebs-Patienten mit einer ganz bestimmten Tumoreigenschaft müssten in Esslingen operiert werden, „alles andere wird wie bisher in Göppingen gemacht“. Er betont, dass es hier nicht nur um Krebspatienten, sondern auch um Menschen mit anderen Lungenerkrankungen wie Fibrosen, Asthma, Allergien oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung gehe. Insgesamt nehme die Zahl an Lungenleiden deutlich zu. Lungenkrebs rangiert mittlerweile bei Männern und Frauen auf Platz drei der häufigsten Tumorerkrankungen. Diese Tatsache und die bevorstehende Einweihung des Klinik-Neubaus am Eichert werden dafür sorgen, dass die Alb-Fils-Kliniken in den kommenden Jahren sehr viel mehr Patienten in diesem Bereich versorgen müssten, ist sich Deininger sicher. Es war und ist eine Herausforderung, die Standort übergreifende Arbeit, hinter der viel Kommunikation stecke, in den Alltag zu bringen, macht der Mediziner deutlich. „Doch letztlich profitiert der Patient, weil eben viele Experten zusammensitzen.“ Darauf wollen die Alb-Fils-Kliniken aufbauen und streben gemeinsam mit den Partnern im Zentrum an, dieses Jahr den Titel zertifiziertes Lungenkrebszentrum zu erhalten.
Mit dem Verbund greifen die Kliniken der Krankenhausreform vor
Der leitende Arzt der Pneumologie am Krankenhaus in Göppingen macht kein Hehl daraus, dass nicht nur die Patienten, sondern auch die beteiligten Kliniken von dem Verbund profitieren. Das Einzugsgebiet von drei Landkreisen sei groß genug, um die auch im Krankenhaus-Reformpapier geforderten zukünftigen Mindestmengen an chirurgischen Eingriffen ohne Druck erfüllen zu können. „Allein schaffen das die Kliniken nicht, die Fallzahlen zu erreichen. Wir greifen der Reform vor“, erklärt Deininger. Er ist überzeugt davon, dass das Kooperationsmodell Schule machen und als Blaupause für andere Bereiche dienen wird.
Virus zehrt am Personalbestand von Kliniken
COVID-19
Die durch das Coronavirus verursachte Lungenerkrankung ist nach wie vor ein Thema, macht Timo Deininger, Leitender Arzt des Fachbereichs Pneumologie in den Alb-Fils-Kliniken in Göppingen (AFK), deutlich. Die Patientenzahlen seien gut beherrschbar. „Wir sehen aber immer noch vereinzelt schwerkranke Patienten, die beatmet werden müssen“, sagt er. In erster Linie handelt es sich hier um alte und immungeschwächte Menschen mit einer Vorerkrankung. Mehr zu schaffen als die Patienten machten Kliniken die durch das Coronavirus bedingten Personalausfälle: „Zu den anderen Infektionskrankheiten kommt eben noch eine neue, hochansteckende Virusvariante hinzu.“
Long Covid
Die Zahl der Patienten, die mit den Folgen einer Coronainfektion – Long Covid oder Post Covid – kämpfen, sei deutlich rückläufig, sagt Deininger. Dieses Phänomen sei häufig bei langzeitbeatmeten Patienten aufgetreten. Beatmet werden müssten bei der vorherrschenden Omikron-Variante aber nur noch sehr wenige Infizierte.