Am Samstag kehrt er mit seiner größten Show zurück: Thomas Gottschalk moderiert einen Nachzügler von „Wetten, dass . .?“ Foto: imago/Eventpress Golejewski

Mit 71 Jahren präsentiert Thomas Gottschalk im ZDF wie einst Stars und kuriose Talente. Grund genug, sich zu erinnern, warum die Show mal zum Knüller wurde – und warum sie versandete.

Stuttgart - Es soll einen Samstagabend lang noch mal so gemütlich werden wie früher. Wie ganz früher, als es mobile Telefone nur in James-Bond-Filmen gab. Dass das ZDF noch einmal einen Abend lang „Wetten, dass . .?“ mit Thomas Gottschalk zelebriert, sei als reine Nostalgie- und Retro-Show gedacht, wie auch der 71-jährige Moderator verspricht. Eigentlich sollte das Ganze schon vor einem Jahr stattfinden, zum 70. Geburtstag des Ex-Radiomoderators. Coronahalber wurde die Show verschoben. Klingt also durchaus nach Einmaligkeit.

 

Andererseits ist Ankündigungen nicht immer zu trauen. Als die griechischen Heerscharen nach zehn Jahren die Belagerung von Troja aufhoben und ihre Schiffe bestiegen, stellten sie den Trojanern noch ein großes Holzpferd vors Stadttor und ließen wissen, sie führen jetzt wieder heim, dies sei ein Abschiedsgeschenk. Man weiß, wie das ausging. Sollte die Einschaltquote am Samstag über die des üblichen Krimis hinausschießen, wird sich schnell jemand finden, der senderintern fürs Weitermachen plädiert.

Frank Elstners besonderes Konzept

Es kann also nicht schaden, sich ins Gedächtnis zu rufen, was der 1981 gestartete Showklassiker einmal war und warum „Wetten, dass . .?“ so erfolgreich wurde. Das ursprüngliche Konzept von Frank Elstner, der bis zu seiner Ablösung durch Gottschalk im Jahr 1987 selbst 39 Ausgaben moderiert hat, war hochinteressant. Hier schaute nicht das Publikum im Saal zu, wie Stars und Sternchen Auftritte absolvierten. Hier spielten auch nicht Leute aus dem Publikum unter Anleitung eines Moderators gegeneinander, und in den Pausen absolvierten Stars ihre isolierten Auftritte. Hier wurden Publikum und Stars, Plakatwandgesichter und Unbekannte miteinander in Beziehung gesetzt, ja, es wurde sogar eine sehr symbolische Abhängigkeit hergestellt.

Die normalen Menschen mussten Findigkeit, Geschicklichkeit und Sachverstand zeigen. Von ihnen hing das Schicksal der Stars ab, die auf das Außergewöhnliche der Gewöhnlichen wetten mussten. Für einen Abend – einen langen Abend, denn „Wetten, dass . .?“ überzog stets – wurde sichtbar: Ihr da oben seid nichts ohne uns da unten. Wenn wir nichts leisten, steht ihr dumm da.

Ein Pfau in der Arena

Dieser Unterton einer Wettabend gewordenen Sozialpartnerschaft ging in der Ära Gottschalk zügig verloren. Schon Gottschalks stets ein klein wenig ausgefallene Garderobe signalisierte, dass der Moderator nun nicht mehr der Diener eines Konzepts war, sondern ein Pfau im Kräftewettbewerb. Er stieg als Gastgeber in eine Kampfarena: Am Ende des Abends sollte das Publikum ihn origineller und unterhaltsamer finden als alle seine Stargäste und Wettanbieter.

Die Wetten selbst wurden schriller, zickiger, abstruser. Immer öfter bekam der Talentbeweis Züge einer Selbstoffenbarung. Leute übten jahrelang an etwas manchmal relativ Idiotischem herum – bloß, um einmal im Leben ins Fernsehen zu kommen, auf die große Bühne, auf der sich die Stargäste heimisch fühlen durften. Der Abstand zwischen Oben und Unten wurde so nicht mehr verkleinert, sondern vergrößert.

Viele Untergangsfaktoren

Es gibt viele Gründe für den Niedergang von „Wetten, dass . .?“: die wachsende Konkurrenz durch immer mehr Sender, der Bedeutungsschwund von linearem Fernsehen bei den Jüngeren dank anderer Freizeitangebote, zu wenig originelle Wetten, auch Moderatoren, die der Show noch weniger Seele gaben als Gottschalk. Von 1991 bis 1993 versuchte sich Wolfgang Lippert an dem Spiel, bevor wieder Gottschalk übernahm, ab 2012 bis zum Aus 2014 stand Markus Lanz auf der Bühne. Aber all diese Schwundfaktoren überlagern vielleicht nur das Unbehagen, das immer mehr Leute gespürt haben mögen angesichts einer Show, die zwar so tat, als richte sie wohlwollend das große Licht auf kleine Leute, die in Wirklichkeit diese Leute aber eher vorführte als pries.

Den erfolgreichsten Abend erlebte „Wetten, dass . .?“ im Februar 1986, als 23,4 Millionen Menschen zuschauten. Bei der letzten regulären Ausgabe im November 2014 schalteten 5,49 Millionen ein, bevor sich zur Abschiedsshow im Folgemonat noch einmal 9,27 Millionen aufrafften.

Live im Museum

Wer also der Show „Wetten dass . .?“ etwas Gutes tun will, der sollte ihre Wettnummern TV-Geschichte sein lassen und sich überlegen, wie sich ihre Anfangsidee – Stars und Normalos fast auf Augenhöhe zusammenzuführen – zeitgemäß umsetzen ließe. Thomas Gottschalk kann dann am Samstag ruhig vorführen, wie das früher aussah, ein bisschen live kuratiertes TV-Museum, Motto: „So haben wir das mal gemacht, so machen wir das nie wieder.“

Sonderausgabe „Wetten, dass . .?“

Moderatoren
Neben Thomas Gottschalk wird auch wieder Michelle Hunziker durch die Show führen. Die 2009 dazu geholte Schweizerin fand einst nicht bei allen Fans der Show Gefallen.

Gäste
Unter anderem kündigt das ZDF Helene Fischer und Udo Lindenberg an, Björn Ulvaeus und Benny Andersson von der Popgruppe Abba sowie Mitglieder des Hamburger Musical-Casts von „Die Eiskönigin“.

Ausstrahlung
Am Samstag ab 20.15 geht „Wetten, dass..?“ im ZDF live über die Bühne. Drei Stunden sind eingeplant.