Die City Prag, eines der größten Wohnbauprojekte in Stuttgart, schreitet voran. Damit wird eine Lücke geschlossen, die jahrelang hinter dem Theaterhaus geklafft hat. Doch wegen des Grundstücks gibt es eine Elf-Milliarden-Euro-Klage – und einen neuen Prozess.
Stuttgart - Auf der einen Seite Theaterhaus und Varieté, daneben der neue 75 Meter hohe Wohnturm Skyline. Auf der anderen Seite der Höhenpark Killesberg. Drum herum verschiedene Stadtbahnhaltestellen. „Die Lage hier oben ist genial“, schwärmt Mario Strunk. Der Ingenieur ist Projektleiter des City Prag genannten Wohnprojekts auf dem Pragsattel. Die drei Bauteile wachsen bereits sieben Stockwerke in die Höhe. Bis zu 150 Männer arbeiten derzeit daran, dass der Rohbau noch in diesem Jahr abgeschlossen sein wird.
Der Immobilienentwickler Instone schließt dort zwischen Maybach- und Rheinstahlstraße eine der letzten Baulücken im neuerdings Theaterviertel genannten Quartier. Es geht voran – trotz Corona. „Die Wohnbauwirtschaft läuft. Wir bauen so viel wie möglich selbst, um die Fäden in der Hand zu halten“, sagt Bianca Reinhardt Weith, bei Instone Niederlassungsleiterin für Baden-Württemberg. 250 Wohnungen entstehen hinterm Theaterhaus, die allesamt vermietet werden sollen, 24 davon Sozialwohnungen. Alles in allem geht es um 18 000 Quadratmeter Wohnfläche.
Aber nicht nur. Zur Maybachstraße hin sind Gewerbeflächen geplant und eine große Kindertagesstätte mit fünf Gruppen. Deren Betreiber steht noch nicht fest. Um Mieter will man sich im nächsten Jahr kümmern. Dazu kommen zwei Tiefgaragen sowie öffentliche Straßen, Fuß- und Radwege. „Die Optik der Baukörper orientiert sich an den Nachbargebäuden“, sagt Strunk. Bis Ende 2022 soll alles fertig sein.
Elf-Milliarden-Klage
Das Areal steht aber nicht nur wegen der vielen neuen Wohnungen im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Es hat eine skurrile Geschichte hinter sich. Einstmals wollte der frühere Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) dort den ersten Trump-Tower Deutschlands bauen lassen. Das Projekt ging schief. Und jetzt wird seit Jahren erbittert um das Grundstück gestritten.
Denn nur 844 der über 10 000 Quadratmeter großen Fläche kommen aus dem Bestand der Stadt. Der große Rest hat früher dem Stuttgarter Teppichhändler Sabet gehört. Der geriet vor einigen Jahren finanziell ins Schlingern. Das Grundstück wurde im August 2013 aus der Insolvenzmasse heraus für 6,7 Millionen Euro verkauft – nach Meinung des Geschäftsmannes Hafez Sabet auf Betreiben der Deutschen Bank weit unter Wert. Tatsächlich erzielte es bei späteren Wiederverkäufen weit höhere Preise. Deshalb versucht Sabet seit Jahren – bisher vergeblich –, von der Deutschen Bank Schadenersatz zu erstreiten.
Die Klage, geführt von der Kanzlei Tilp aus Kirchentellinsfurt, die schon Volkswagen im Abgasskandal zu Leibe gerückt ist, hat es bundesweit zu Berühmtheit gebracht. Sie beläuft sich nämlich inzwischen auf die astronomische Summe von elf Milliarden Euro. Dieser Betrag rührt aber großteils nicht von dem Grundstückswert her. Darin eingerechnet sind die entgangenen Erlöse aus der Entwicklung eines speziellen Motors, die Sabet als zweites Standbein bis zur Insolvenz auf dem Gelände betrieben hat.
Neue Verhandlung im Juni
Trotz aller Rückschläge gibt sich Sabet weiter zuversichtlich. „Wir haben in Frankfurt eine Klage wegen Prozessbetruges und vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung eingereicht“, sagt er. Im Juni soll die Verhandlung beginnen. Der Kaufvertrag sei damals gemeinschaftlich von verschiedenen Beteiligten manipuliert worden. Die Deutsche Bank äußert sich nicht zu den Vorwürfen. Offen ist aber die Frage, was passiert, falls Sabet doch noch recht bekommt.
Für Instone spielt dieser Prozess nach eigenen Angaben keine Rolle. „Wir haben das Grundstück im Jahr 2015 mit einem rechtskräftigen Kaufvertrag erworben“, sagt ein Sprecher. Der Großteil des Areals gehört Instone ohnehin nicht mehr: Die Wohnungen sind bereits vor Baustart an die Bayerische Versorgungskammer veräußert worden. Zum Kaufpreis gibt es keine Details. Nach Angaben von Bianca Reinhardt Weith liegen aber allein die Instone-Investitionen in das neue Viertel bei einer Summe im unteren dreistelligen Millionenbereich.