Die Komödie im Marquardt zeigt Otfried Preußlers „kleine Hexe“ in einer rührend altmodischen, zugleich zeitlosen Theaterbearbeitung.
Was sind schon 127 Jahre! Im Leben einer Hexe praktisch nichts, und das wird zum Problem der jungen Protagonistin in Otfried Preußlers Kinderbuch „Die Kleine Hexe“. Weil sie noch unerfahren ist im Zauberhandwerk, darf sie nicht mit ihren Kolleginnen auf dem Blocksberg tanzen. Als sie es doch tut und erwischt wird, brummt ihr der Hexenrat eine Bewährungsprobe auf.
Preußlers Prosa von 1957 hat 2017 der renommierte Autor und Dramaturg John von Düffel fürs Theater bearbeitet. Diese Fassung hat am Freitag in der Komödie im Marquardt Premiere gefeiert, anlässlich Preußlers 100. Geburtstag und in Verbindung mit der Mitmachausstellung zu dessen Dichtung im Landesmuseum Württemberg.
Die Regisseurin arbeitet mit Schattenspiel
Die Regisseurin Karin Eppler inszeniert den schönen, kindgerechten Stoff in farbenfroher, relativ einfach gehaltener Kulisse. Bunte Schattenrisse von Tannen ergeben einen Wald, darin das dreh- und verschiebbare Häuschen der kleinen Hexe, im Inneren eine gelb-rosa tapezierte Zimmerecke mit Bett und Kachelofen. Wenn die kleine Hexe am Mond vorbei auf ihrem Besen reitet, sieht man das als Schattenspiel im Lichtkegel eines Overhead-Projektors auf zugezogenem Vorhang. Das Bühnenbild von Tom Grasshof wirkt angesichts zeitgenössischer Ästhetiken von Kinderstoffen rustikal und rührend altmodisch. So witzig Karin Epplers Regieeinfall mit dem Schattenspiel ist: Der Projektor mit seinem leicht verzerrten Bildausschnitt wirkt als Werkzeug dann leider doch ein bisschen aus der Zeit gefallen.
Farina Violetta Giesmann gibt die kleine Hexe als quirlig mädchenhafte Nachwuchszauberin, die im Gegensatz zu den warzennasigen Profis nur Gutes hexen mag. Es ist nicht schwer, sich mit ihr zu identifizieren, nur ist Giesmann manchmal kaum zu verstehen, wenn das Publikum seiner Freude enthusiastisch Ausdruck verleiht; Ansteckminimikrofone wären da sinnvoll. Das Ensemble verkörpert die Figuren einfühlsam und liebevoll, besonders Diana Gantner legt sich als Rabe Abraxas ins Zeug.
Preußlers Botschaft, besser Schwächere zu stützen, als mit der bösen Masse ums Lagerfeuer zu tanzen, hat nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt. Es lohnt sich, sie neuen Kindergenerationen ans Herz zu legen.
Termine: bis 7.1., Mo–Fr 9 und 11 Uhr. Sa 11 Uhr, So 15 Uhr. Weitere Infos gibt es hier.