Die Tücher der Stuttgarter Modedesignerin Lenka Kühnertová sind nicht günstig. Sie kosten zwischen 150 und 270 Euro. Aber dafür sind ihre Werke fast Unikate.

Stuttgart - Am Anfang war das Wort. Nicht nur in der biblischen Schöpfungsgeschichte, sondern auch beim Schaffensprozess von Lenka Kühnertová (37). Ihren exklusiven Tücher-Entwürfen geht immer Literatur voraus. „Es geht mir nicht nur um Mode und Stoff, sondern auch um Inhalte.“

Zum Beispiel Ernest Hemingway mit seinem „Fest fürs Leben“. Boris Vian mit seinem Liebesroman „Der Schaum der Tage“. Oder Haruki Murakami und dessen „Mister Aufziehvogel“.

Immer wird die Fantasie von Lenka Kühnertová von den Literaten beflügelt. „Bei Hemingway haben mich die Bilder der Menschen an der Seine inspiriert“, sagt die Textildesignerin. Das Ergebnis ist an den Wellenmustern auf ihren Tüchern zu sehen. „Aber dem Träger bleibt natürlich Raum, ­alles mit seiner Fantasie auszufüllen“, beeilt sich Lenka Kühnertová hinzuzufügen.

Auf diese Weise entstehen nicht nur ­einzigartige Geschichten für den Träger, sondern auch ziemlich exklusive Produkte. Maximal zehn Tücher geben die Technik und die literarische Vorlage her.

Ihre Manufaktur ist gleichzeitig Atelier und Laden

Ihre Kreationen entstehen zunächst als Tuscheskizzen, die sie auf Siebdruckrahmen überträgt. Im nächsten Arbeitsgang mischt die Künstlerin Farben zusammen und druckt die Wortmuster auf Seide oder Baumwolle. Was sie daran reizt, ist „die visuelle Umsetzung von Inhalten“. Und „das Beiwerk zu einer Art Hauptsache zu machen“. Damit erzählt sie nicht nur ihre Geschichte, sondern auch die des Tuches. Und die beginnt am Ende des 18. Jahrhunderts am Hof des Prince of Wales. Der prunkvolle Stil dieser Tage provozierte etwas Neues. ­Etwas Schlichtes. Die Dandys jener Epoche setzten ihre Zeichen mit Tüchern. „Die Art und Weise, wie die Tücher gebunden worden sind, war wie eine Art Geheimcode. Es zeigte, in welchen Club man gehörte“, berichtet Lenka Kühnertová.

Auch das kann man bei ihr in ihrer Manufaktur im Kernerviertel (Schubartstraße 2b/1) lernen. Die nächsten Tuchbindeworkshops finden im Februar (Mittwoch, 17. 2., 19.30 Uhr, Samstag, 20. 2., 17 Uhr, und Sonntag, 21. 2., 11 Uhr) statt.

Nicht selten verlieben sich die Workshopteilnehmer in eines der Tücher von Lenka Kühnertová. Und so soll es auch sein. Denn ihre Manufaktur ist gleichzeitig Atelier und Laden. „Der Vertrieb läuft hauptsächlich über die Manufaktur“, sagt sie, „oft auch mit Lesungen. Die nächste Präsentation ist voraussichtlich Mitte April.“ Dann erleben die Kunden: Am Anfang war das Wort, am Ende das Tuch.

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