Teure Nacktscanner Höhere Sicherheit kostet mehr

Von Steffen Rometsch 

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Sie kosten rund 130.000 Euro pro Stück - und sie sollen mögliche Attentäter auffliegen lassen: die Nacktscanner, die die Passagiere auf den Flughäfen durchleuchten sollen.

Stuttgart - Sie kosten rund 130.000 Euro pro Stück - und sie sollen mögliche Terrorattentäter auffliegen lassen: die sogenannten Nacktscanner, die künftig die Passagiere auf den Flughäfen komplett durchleuchten sollen. Die Kosten für die zusätzliche Sicherheit tragen die Passagiere über höhere Ticketpreise.

Exakt 3,98 Euro müssen Flugreisende, die von Stuttgart abheben, neben dem eigentlichen Ticketpreis zusätzlich für die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen berappen. Bald dürften Urlauber und Geschäftsreisende noch tiefer in die Tasche greifen müssen - wenn flächendeckend die neuen Nacktscanner eingeführt werden.

Nach der Union hat jetzt auch die FDP ihre Zustimmung für den Einsatz der umstrittenen Körperscanner signalisiert. Polizei und Bundesregierung rechnen Mitte des Jahres mit einer Entscheidung über den Probebetrieb auf deutschen Flughäfen. Bis dahin sollen Zwischenergebnisse der Laborversuche in Lübeck vorliegen. Dort testet die Bundespolizei bereits seit einem Jahr die verschiedenen Techniken. Derzeit gibt es laut Bundesinnenministerium weltweit vier Hersteller, die prototypfähige Körperscanner anbieten. Offen sei aber noch, wie viele Passagiere pro Stunde durch die Scanner geschleust werden können, erklärt Sandra Pfeifer vom Bundespolizeipräsidium in Potsdam. "Wir können daher noch nicht sagen, wie viele Geräte benötigt würden."

Am Stuttgarter Flughafen, auf dem im vergangenen Jahr rund neun Millionen Passagiere abgefertigt wurden, gibt es derzeit 22 Gepäckprüfanlagen mit dazugehörigen Torsonden, die die Flugreisenden bei der Sicherheitskontrolle passieren müssen. Bei 22 Körperscannern wären dies alleine für Stuttgart Anschaffungskosten in Höhe von rund 2,86 Millionen Euro. Kaufen müsste die Kontrollgeräte das Bundesinnenministerium. Die Kosten könnten wie bei den herkömmlichen Personen- und Gepäckkontrollen auf die Fluggesellschaften und über den Ticketkauf auf die Passagiere umgelegt werden. Diese sogenannte Luftsicherheitsgebühr variiert derzeit je nach Flughafen zwischen 3,07 und zehn Euro je Flug.

"Die Sicherheitsgebühren werden weiter ansteigen", prognostiziert Josef Scheuring, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) für die Bundespolizei. Die GdP warnt davor, die Diskussion über die Flugsicherheit in Deutschland ausschließlich auf die Einführung von Körperscannern zu begrenzen. "Wenn die Scanner funktionieren, sind sie ein Hilfsmittel - aber auch nicht mehr", betont Scheuring. Er fordert, mehr und besser bezahltes Personal einzustellen.

Auf den meisten deutschen Flughäfen werde mittlerweile Personal von privaten Sicherheitsdiensten eingesetzt. Deren Stundenlohn liege oft unter zehn Euro. Teilweise verdienten Mitarbeiter gerade mal 7,50 Euro pro Stunde. Nur rund 1000 von etwa 11.000 Kontrolleuren arbeiteten noch in einem Angestelltenverhältnis bei der Bundespolizei. "Wir sind nicht gegen private Sicherheitsfirmen", stellt Scheuring klar, "aber hoheitliche Aufgaben wie die Flugsicherheit müssen vom Staat ausgeübt werden."

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