Sorgte mit seiner Showeinlage für einen der Höhepunkte des Spiels: Silas Katompa Mvumpa. In unserer Bildergalerie blicken wir auf das erste Vorbereitungsspiel des VfB zurück. Foto: Baumann

Beim 7:1 im ersten Vorbereitungsspiel gegen die SV Böblingen bereitet VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sein Team auf die Zeit nach Sasa Kalajdzic vor.

Ein bisschen Zirkus darf im ersten Vorbereitungsspiel schon erlaubt sein. Zumal es ja „nur“ gegen einen Siebtligisten ging. Also packte Silas Katompa Mvumpa am Samstagnachmittag die große Nummer aus: Nahe der Eckfahne setzte er zur Flanke an – per Rabona. Das Publikum johlte, denn der Ball kam gut. VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo fand es eher mäßig lustig.

 

„Schlecht vom Trainerteam, dass er noch keinen linken Fuß zum Flanken hat“, antwortete er scherzhaft auf Silas’ Showeinlage, stellte seinem Stürmer nach dem 7:1-Erfolg im ersten Vorbereitungsspiel vor 4500 Fans bei der SV Böblingen aber dennoch ein gutes Zeugnis aus. „Er hatte viele tiefe Laufwege. Er ist jetzt schon weiter, als er es nach seiner ersten Verletzung war.“ Zur Erinnerung: Im März 2021 riss sich Silas, der damals noch unter dem Namen Wamangituka unterwegs war, das Kreuzband. Im Frühwinter folgte die Rückkehr, ehe sich der Angreifer im März dieses Jahres an der Schulter erneut schwer verletzte. Jetzt ist Katompa Mvumpa zurück – und schon (fast) wieder voll da.

Doppelspitze eins: Silas Katompa Mvumpa und Thomas Kastanaras

Die erste Halbzeit in Böblingen bestritt Silas als Doppelspitze an der Seite von Thomas Kastanaras (19). Matarazzo schickte seine Elf in einer Art 3-3-2-2-Formation aufs Feld. Kastanaras rechts, Silas auf der linken Angriffsseite. Das Zusammenspiel konnte sich trotz des unterklassigen Gegners sehen lassen. Auch der griechische U-19-Nationalspieler aus der eigenen Jugend, der sich bei den Profis beweisen darf, stellte seinen Trainer zufrieden. „Thomas hat schon im Training gerechtfertigt, dass er dabei ist. Er hat eine gute Ausstrahlung, ist technisch-taktisch gut und hat sein Tor gemacht.“ Kurz vor der Pause erzielte Kastanaras aus kurzer Distanz sein Premierentor zum 4:0.

Nach dem Wechsel tauschte Matarazzo sein Team komplett. An der Formation mit zwei Spitzen hielt er fest. Nun durften sich Alou Kuol (20) und Mo Sankoh (18) beweisen. Beides interessante Spieler, die auf unterschiedliche Art auf sich aufmerksam machten. Kuol mit drei Treffern binnen 13 Minuten, Sankoh durch seine Spielweise. Schnell, durchsetzungsstark, bissig. Wäre der Begriff nicht schon durch Ausnahmestürmer Erling Haaland belegt, man könnte auch Sankoh eine Naturgewalt nennen.

Doppelspitze zwei: Mo Sankoh und Alou Kuol

„Mo macht einen aktiven Eindruck, hat eine sehr gute Einstellung. Man sieht, dass er viel an sich arbeitet“, sagte Matarazzo über den Stürmer aus den Niederlanden. Elf Monate nach seiner Horrorverletzung (Totalschaden im Knie) grenzt es an ein kleines Wunder, dass Sankoh überhaupt schon wieder so weit ist. Der Niederländer ist fest bei der ersten Mannschaft eingeplant. Wenn auch nicht als Stammkraft.

Noch einen weiten Weg vor sich hat Alou Kuol. Trotz seines Dreierpacks blieben Kuols Schwächen im technisch-taktischen Bereich sowie im Zusammenspiel Matarazzo nicht verborgen. Torgefährlich ist der Australier. Aber für die Bundesliga wird es noch nicht reichen. Da ihn die Regionalliga mit dem VfB II unterfordern würde, denkt der VfB über eine weitere Leihe nach. Idealerweise in die zweite Liga wie zuletzt mit dem SV Sandhausen. Dort bekam Kuol von den Verantwortlichen ein gutes Zeugnis ausgestellt – obwohl er kaum zum Zug kam. Matarazzos Bilanz nach der ersten Trainingswoche: „Alou ist einen Schritt weiter als letztes Jahr.“

Matarazzo ordnet das Angriffsspiel neu

Ohne die Nationalspieler, die erst in der kommenden Woche in den Trainingsbetrieb einsteigen, hat der VfB-Trainer in Böblingen die Probe aufs Stürmer-Exempel statuiert. Das System mit einer Doppelspitze könnte die bisherige Ein-Mann-Lösung ablösen. Spätestens dann, wenn Sasa Kalajdzic und Borna Sosa den Verein verlassen sollten, wird Matarazzo die gesamte Angriffsstruktur neu denken müssen. Der Test in Böblingen lieferte erste Erkenntnisse. „Aktuell passt es gut“, bilanzierte der 44-Jährige. „Ich kann mir vorstellen, dass sich der Kader dementsprechend entwickelt. Zwei Spitzen könnten eine Option sein“, sagte Matarazzo und betonte den Konjunktiv: „Könnten.“