Mit diesem Audi A3 haben Terroristen in Cambrils versucht, weitere Menschen zu töten. Foto: AP

Kurz nach dem Terroranschlag mit einem Lieferwagen in Barcelona erschießt die spanische Polizei fünf Attentäter in einer Kleinstadt. In Barcelona ist die Flaniermeile Las Ramblas wieder geöffnet.

Barcelona - Spanien ist mit Bildern des Terrors ins Bett gegangen und mit neuen Bildern des Terrors erwacht. Diesmal aus dem Badort Cambrils in der katalanischen Provinz Tarragona, wo eine Gruppe von fünf Männern offenbar das nächste Attentat vorbereitete, ähnlich dem vom Donnerstagnachmittag im gut 100 Kilometer entfernten Barcelona.

Um kurz nach ein Uhr nachts foderten die Behörden die Menschen in Cambrils auf, sich in ihren Wohnungen oder Hotels in Sicherheit zu bringen. Ein Antiterroreinsatz war im Gange. In der Nähe der Strandpromenade war ein Audi A3 unterwegs, den die Polizei zu stoppen versuchte. Der Wagen muss schnell unterwegs gewesen sein, irgendwann kippte er um.

Fünf Männer saßen darin, sie trugen Sprengstoffgürtel, die sich später als Attrappen herausstellten, die Polizisten schossen auf die Männer. Es gibt Handyaufnahmen aus dem gespenstisch verlassenen Cambrils, auf denen die Schüsse zu hören sind. Ein Aufflackern des Terrorkrieges. Vier der Männer aus dem Audi sterben an Ort und Stelle, ein fünfter flieht verletzt, später stirbt auch er. Es gibt das Gerücht, er habe auf seinem Weg noch mit einem Messer auf jemanden eingestochen.

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Sechs Menschen werden in dieser Nacht verletzt, einer lebensgefährlich. Die Polizei ist sich sicher: Es gibt Zusammenhänge mit dem Attentat von Barcelona, bei dem am Nachmittag zuvor 13 Menschen starben und an die 100 verletzt wurden. Der Fahrer des Lieferwagens, der durch die Menge auf der Rambla raste, ist noch immer auf der Flucht.

Doch die Polizei hat zwei Männer in Ripoll, 100 Kilometer nördlich von Barcelona, festgenommen. Einer von ihnen ist ein gebürtiger Marokkaner, die spanischen Medien zeigen sein Foto, manche nennen ihn schon voreilig „Terrorist“, dabei ist noch gar nichts klar. Möglicherweise handelt es sich um eine Verwechslung.

Eine weiter verblüffende Spur hat sich in Alcanar aufgetan, auch das ein Küstenort in der Provinz Tarragona, 200 Kilometer südwestlich von Barcelona. Dort war in der Nacht zum Donnerstag, einen Tag vor dem Attentat in der katalanischen Hauptstadt, eine Gasexplosion in einem Wohnhaus vermeldet worden, mit einem Toten und sieben Verletzten.

Als die Polizei die Trümmer untersucht, gibt es eine weitere Explosion mit mehreren zum Teil schwer Verletzten. Doch die Ermittler finden Dokumente, die eine Verbindung zum Anschlag von Barcelona nahelegen. Einer der verletzten Hausbewohner wird noch im Krankenhaus festgenommen.

Hinter den Anschlägen stecke eine Terrorzelle mit zwölf Mitgliedern, vermeldet El País am Freitagvormittag und beruft sich auf „Quellen des Antiterrorkampfs“. Noch sind mehr Fragen offen als geklärt. Katalonien steht unter Schock, ganz Spanien steht unter Schock. Ministerpräsident Mariano Rajoy ist nach Barcelona gereist und hat drei Tage Staatstrauer angeordnet. Er sagt: „Wir wissen, dass man den Terrorismus mit Demokratie und Freiheit besiegt.“

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