Die Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC und SV Sandhausen befinden sich in Quarantäne, Aufstiegskandidat Holstein Kiel sogar bereits zum zweiten Mal – die Nachholtermine in der Liga werden allmählich knapp.
Stuttgart - Ole Werner ist bedient. „Das ist eine sehr bittere Pille. Wir haben nach der ersten Quarantäne alles getan, wir haben Auflagen verschärft“, klagte der Trainer von Holstein Kiel, „um eine erneute Quarantäne zu verhindern. Vergebens.“ Der Fußball-Zweitligist befindet sich bereits zum zweiten Mal im Corona-Loch, am Mittwoch beklagten die Kieler den dritten Infektionsfall innerhalb weniger Tage. Allerdings hat der positive Test keine neuen Auswirkungen, weil sich seit dem 9. April die gesamte Mannschaft in häuslicher Isolation befindet – am 20. April endet die Quarantäne bei den Störchen.
Auch der Karlsruher SC, ebenfalls bis 20. April wegen Corona aus dem Fußballverkehr gezogen, meldete zwei weitere Neuinfektionen bei den Profis – sie wurden in der Isolation positiv getestet, weshalb das lediglich für sie persönlich Auswirkungen hat. Der übrige Kader kann ab 20. April wieder trainieren, die Betroffenen müssen bis zum 25. und 26. April mit ihrem Comeback warten. „Das ist keine einfache Geschichte“, sagte KSC-Trainer Christian Eichert, „wir müssen ja die Runde zu Ende bekommen.“ Der SV Sandhausen befindet sich als dritter Zweitligist bis 19. April im kollektiven Wartestand.
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Zahlreiche Partien wurden deshalb abgesetzt und verlegt, Kiel trifft nun auf den 1. FC Nürnberg (27. April), auf den SV Sandhausen (4. Mai) und Hannover 96 (10. Mai). Neben dem Aufstiegsaspirant von der Ostsee (Platz vier), der direkt betroffen ist, sind auch der Hamburger SV (Platz zwei) sowie die SpVgg Greuther Fürth (Platz drei) ins Chaos involviert, weil Spiele abgesetzt wurden – Corona könnte zum Zünglein an der Waage im Aufstiegsrennen werden. „Die Frage ist ja: Wie schnell kommen wir wieder in den Rhythmus?“, fragte Holstein-Trainer Werner, „in der Quarantäne musst du aufpassen, dass du nicht in ein Loch fällst. Es wird nicht leichter in der zweiten Quarantäne.“ In der Zwangsauszeit können die betroffenen Profis ausschließlich in der eigenen Wohnung trainieren, die Trainerteams stellen individuelle Pläne zusammen, um dem Leben der Fußballer etwas Struktur zu verleihen und einen Inhalt zu geben.
Stefan Leitl, Coach bei Greuther Fürth, war bisher nicht betroffen, aber er ahnt: „Das ist eine Herkulesaufgabe, denn du hast nach Ende der Isolation wenig Vorbereitungszeit.“ Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) steckt im Dilemma. Einerseits sollten die Mannschaften ausreichend Vorbereitungszeit erhalten, andererseits drängt die Zeit, um die Saison abschließen zu können. Für den 23. Mai ist der letzte Spieltag angesetzt, am 26. Mai steht das Relegationshinspiel zur Bundesliga an. Lücken im Spielplan sind rar.
Clubs haben Probleme mit dem Rhythmus
Besonders Holstein Kiel könnte unter extremer Belastung leiden. Die Störche, die am 1. Mai noch im Halbfinale des DFB-Pokals gegen Borussia Dortmund spielen, erwartet nach der Quarantäne ein extrem dichtes Programm. Der Club machte nach der Rückkehr aus der ersten Isolation recht schlechte Erfahrungen – ohne Spiel- und Trainingsrhythmus verlor das Team bei dem VfL Bochum (1:2) und dem 1. FC Heidenheim (0:1). „Das ist nicht fair“, sagte Ole Werner, „aber wir können niemand dafür verantwortlich machen und müssen eben das Beste aus unserer Situation machen.“ In diesen Fatalismus begibt sich auch KSC-Coach Eichner. „Es wird nicht zu 100 Prozent gerecht für alle Teams ablaufen können“, befürchtet er, „aber das müssen wir akzeptieren.“
Einzige Alternative wäre ein Saisonabbruch, doch der ist derweil kein Thema. Zu wichtig sind die TV-Gelder für die Vereine, um ohne Zuschauereinnahmen zu überleben. Bei der DFL ist Kreativität nötig, um die derzeit sieben Nachholspiele in den sechs Wochen vor dem geplanten Saisonende zu terminieren. Und noch ist die Pandemie längst nicht beendet, es könnte noch heikler kommen.