Jelena Ostapenko freut sich über den Sieg in Paris. Foto: Getty Images Europe

Wow! Wer vor den French Open auf die Lettin Jelena Ostapenko als Siegerin gewettet hätte, wäre jetzt ein reicher Mensch. Mit 20 Jahren ist sie die jüngste Paris-Siegerin seit 20 Jahren.

Paris - Nachdem sie die Sensation mit einem weiteren krachenden Return perfekt gemacht hatte, ließ Jelena Ostapenko ihren Schläger aus der Hand fallen und hüpfte über die rote Asche von Paris. Im Finale der French Open setzte sich die 20 Jahre alte Lettin am Samstag gegen Simona Halep aus Rumänien mit 4:6, 6:4, 6:3 durch und feierte damit den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Tennis-Karriere. Es war sogar der erste Turniersieg für Ostapenko überhaupt, die die jüngste Paris-Siegerin seit Iva Majoli vor 20 Jahren ist. Halep, die nach 2014 auch ihr zweites Paris-Finale verlor, muss dagegen weiter auf ihren ersten großen Triumph warten. Ostapenko verwandelte nach 1:59 Stunden ihren ersten Matchball.

„Ich kann es nicht glauben, dass ich der neue French-Open-Champion bin“, sagte Ostapenko. „Es ist wie ein Traum, ich habe keine Worte dafür. Als kleines Kind habe ich die Spiele hier im Fernsehen geschaut und jetzt habe ich hier gewonnen. Es ist unglaublich.“

Durch den Erfolg von Ostapenko bleibt Angelique Kerber die Nummer eins der Welt. Halep hätte im Stade Roland Garros gewinnen müssen, um die Kielerin an der Spitze der Weltrangliste abzulösen. Kerber war in Paris bereits in der ersten Runde ausgeschieden.

Rafael Nadal und Stan Wawrinka

Bei den Herren stehen sich am Sonntag (15.00 Uhr/Eurosport) im Finale der Spanier Rafael Nadal und Stan Wawrinka aus der Schweiz gegenüber. Nadal strebt dabei seinen zehnten Titel in Paris an. Für Wawrinka wäre es nach 2015 der zweite Triumph in der französischen Hauptstadt.

Zwei Tage nach ihrem 20. Geburtstag begann Ostapenko auf dem Court Philippe Chatrier furios. Mit ihrem Vollgas-Tennis nahm sie Halep sofort den Aufschlag ab - und das auch noch zu Null. Ein Raunen ging durch das Publikum, das die Lettin mit ihrer unbekümmerten Spielweise bereits in den Runden zuvor ins Herz geschlossen hatte. Doch Halep blieb ruhig und schaffte sofort den Ausgleich.

Zum 3:2 gelang Ostapenko erneut ein Break, aber wieder konnte sie danach ihr Service nicht halten. Mit Laufe der Spielzeit schien es, als würde es Ostapenko mit ihrem Hopp-oder-Top-Tennis an diesem Tag schwer haben. Zwar begeisterte sie immer wieder mit rasanten Winner-Schlägen. Doch die Zahl der vermeidbaren Fehler war auf der anderen Seite zu hoch. So holte sich Halep mit ihrer reiferen und ausgewogeneren Taktik nach 37 Minuten den ersten Satz.

Frustriert und etwas ratlos

Ostapenko schaute frustriert und etwas ratlos in ihre Box, eine neue Taktik bekam sie aber auch von dort nicht mit auf den Weg gegeben. Halep brauchte daher zu Beginn des zweiten Abschnitts eigentlich nicht viel mehr zu machen, als den Ball im Spiel zu halten. Der nächste Fehler der Lettin ließ nicht lange auf sich warten.

Erst beim Stand von 0:3 aus ihrer Sicht bekam Ostapenko wieder etwas mehr Präzision in ihr Spiel und war damit sofort zurück in der Partie. Beim Stand von 3:3 ging der zweite Satz praktisch wieder von vorne los. Mit ihrer Alles-oder-Nichts-Taktik drehte die Lettin tatsächlich die Partie und holte sich nach 1:25 Stunden den zweiten Satz.

Auf einmal lag die Sensation in der Luft, die jüngste Finalistin bei einem Grand-Slam-Turnier seit Caroline Wozniacki vor acht Jahren bei den US Open hatte das Momentum nun auf ihrer Seite. Und auch wenn sie noch einmal mit 1:3 in Rückstand geriet, Ostapenko ließ sich jetzt nicht mehr aufhalten. Zum 2:3 schaffte sie das Re-Break und gab fortan kein Spiel mehr ab. Halep stemmte sich zwar gegen die erneute Final-Niederlage, doch am Ende waren 54 Winner von Ostapenko einfach zu viel.

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