Ein ehemaliger Geschäftsführer des WTB hat jahrelang Gelder veruntreut. Foto: imago/Hanno Bode

Das Präsidium hat den Delegierten des Württembergischen Tennisbundes die Ermittlungsergebnisse im Betrugsskandal präsentiert. Danach gab es erste personelle Konsequenzen.

Stuttgart - Nur einen Steinwurf entfernt von der Justizvollzugsanstalt in Stammheim liegt das Anwesen des Württembergischen Tennis-Bundes (WTB) – traumhaft an einem Waldrand. Während dort am Samstag in den Tennishallen gut gelaunte Trainer fortgebildet wurden, kam es im Keller des Verbandsgebäudes zu einer düsteren Veranstaltung.

 

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Bei einer Delegiertenversammlung ging es um den Betrugsskandal, der den Verband zurzeit erschüttert. Ein ehemaliger WTB-Geschäftsführer soll über einen Zeitraum von fast 20 Jahren etwa 2,5 Millionen Euro an Bar- und Sachmitteln veruntreut haben, diese Summe wurde jetzt final ermittelt. Die Staatsanwalt Stuttgart befasst sich längst mit dem Fall, zur Anklage kam es noch nicht. Dafür werden auch die internen Ermittlungen des Verbandes benötigt, die am Samstag den 45 Delegierten aus sechs Bezirken von WTB-Präsident Stefan Hofherr und einem Vertreter der Rechtsanwaltschaftsgesellschaft Haver & Mailänder dargelegt wurden.

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Nicht ohne Folgen. Es sei transparent dargestellt worden, wie es dazu kam – und so seien auch Schockmomente und Entsetzen bei den Delegierten erkennbar gewesen, berichtet WTB-Chef Hofherr und verweist dabei auch auf die hohe Schadensumme. Die aufgebrachte Stimmung mündete darin, dass später über die Zukunft des Präsidiums diskutiert und abgestimmt wurde. Mit dem Ergebnis, dass drei Präsidiumsmitglieder nicht mehr im Amt sind. Rolf Schmid und Hartmut Seifert traten zurück, Gerd Hummel wurde abgewählt. Zwei andere ehemals hochrangige WTB-Funktionäre, auch dies wurde den Delegierten mitgeteilt, sind derweil im Hinblick auf ihre Rolle in den Fokus der Ermittlungen gerückt.

Nur noch zwei Präsidiumsmitglieder

Dem WTB stehen jetzt also nur noch Präsident Hofherr und sein Vize Stefan Böning vor. Beiden sprachen die Delegierten mit deutlichen Ergebnissen das Vertrauen aus. Im Betrugsskandal liegt noch keine Anklageschrift vor – doch schon löst das hochbrisante Thema im Verband ein Erdbeben aus. Hofherr selbst hat sich nach eigenen Angaben auch Gedanken darüber gemacht, ob es seinerseits gut ist weiterzumachen. Doch wegducken möchte er sich auf keinen Fall. „Ich bin 2019 nicht angetreten, um den Titel zu haben, ich wollte die Struktur verändern und die Professionalisierung vorantreiben. Dass diese Professionalisierung jetzt in diesem Sportskandal endete, ist bitter, zeigt aber auch die Notwendigkeit, jetzt nicht zu sagen: nach mir die Sintflut“, sagt Präsident Hofherr, der an der Aufklärung des Skandals mitarbeitet und dafür sorgen möchte, dass so etwas in Zukunft nicht mehr geschehen kann.

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Sind zwei Präsidiumsmitglieder überhaupt handlungsfähig? In der Satzung ist geregelt, dass der Präsident und sein Vizepräsident alleinvertretungsberechtigt sind. Dennoch sollen die Ämter so schnell wie möglich kommissarisch neu besetzt werden. „Das muss jetzt kompensiert werden, um das tägliche Geschäft, das jetzt auf Ehrenamtsbasis anfällt, sicherzustellen“, sagt Hofherr.

Der Betrug war „ganz einfach“

Wären gewisse Organisationsstrukturen im Verband vorhanden gewesen, wäre solch eine Veruntreuung wohl früher entdeckt worden – auch das haben die Ermittlungen ergeben. Für die Veruntreuung ist der ehemalige Geschäftsführer allein verantwortlich. Er habe es geschafft, sich über viele Jahre das Prädikat eines überkorrekten Buchhalters zu verleihen – habe damit aber sein Umfeld darüber getäuscht, dass er in erheblichem Maße bereit war, so strafrechtlich relevante Maßnahmen vorzunehmen, sagt der ermittelnde Anwalt. Dass der Beschuldigte sich das in diesem Umfang und mit dieser Chuzpe getraut habe, deute daraufhin, dass er sich in seiner Position sehr sicher gefühlt habe, auch weil er wohl wusste, dass ihm nicht viel passieren könne und andere im Ehrenamt arbeitende Personen schützend ihre Hand über ihn gehalten hätten.

Wie viele Mitarbeiter wussten etwas? Die Ermittler konnten nicht umfassend klären, wer alles Kenntnis von was gehabt hat. „Das Schlimme war“, sagte der Beschuldigte, „dass es so einfach war.“