Nach Sabine Lisicki erreicht auch Angelique Kerber (Foto) das Viertelfinale von Wimbledon. Foto: dpa

 Großes Tennis in Wimbledon: Angelique Kerber folgt Sabine Lisicki nach einem dramatischen Sieg gegen Maria Scharapowa ins Viertelfinale von Wimbledon.

Großes Tennis in WimbledonAngelique Kerber folgt Sabine Lisicki nach einem dramatischen Sieg gegen Maria Scharapowa ins Viertelfinale von Wimbledon.

London -  Angelique Kerber gelang die Wimbledon-Sensation gegen Maria Scharapowa, Sabine Lisicki fügte ihrer Geschichte auf dem „Heiligen Rasen“ ein dramatisches Erfolgskapitel hinzu: Zwei deutsche Tennis-Damen haben beim bedeutendsten Turnier der Welt das Viertelfinale erreicht. Mit unbändigem Willen rang Kerber am Dienstag in einer mitreißenden Partie die russische Topfavoritin 7:6 (7:4), 4:6, 6:4 nieder. Erst der siebte Matchball brachte der deutschen Nummer eins einen der größten Momente ihrer Karriere ein. „Es ist einfach unglaublich. Es war so ein enges Match auf so einem hohen Level. Ich bin so glücklich“, sagte Kerber direkt im Anschluss.

Die letztjährige Finalistin Lisicki überstand ihr Achtelfinale gegen die Kasachin Jaroslawa Schwedowa trotz 20 Doppelfehlern und Verletzungspause. Sie gewann schließlich 6:3, 3:6, 6:4. „Heute hatte ich auch Glück. Sie hat mir ein paar Geschenke gegeben bei meinen Aufschlägen. Ich habe mich durchgebissen.“
 
An diesem Mittwoch könnten die beiden ein deutsches Halbfinale perfekt machen. Beiden stehen allerdings vor großen Herausforderungen. Auf die 26-jährige Kerber wartet die French-Open-Halbfinalistin Eugenie Bouchard aus Kanada, Lisicki misst sich mit der Paris-Finalistin Simona Halep aus Rumänien.

Die 27-jährige Scharapowa galt nach dem überraschenden Aus von Serena Williams für viele als Topfavoritin auf den Wimbledon-Titel. Auf dem Centre Court rettete sich die Siegerin von 2004 in Satz eins nach 3:5 zwar noch in den Tiebreak, den sich aber Kerber holte.

Die Norddeutsche rackerte und ackerte, lief unermüdlich nach jedem Ball. Dennoch war sie machtlos, als ihre Rivalin im zweiten Satz das Break zum 4:3 schaffte und für die Vorentscheidung in dem Durchgang sorgte. Kerber zeigte sich aber unbeeindruckt, kämpfte mit allem, was in ihr steckt. Ihren Coach Benjamin Ebrahimzadeh und Bundestrainerin Barbara Rittner hielt zwischenzeitlich nichts mehr auf den Sitzen, als sich die Fed-Cup-Spielerin in Satz drei ein 5:2 erspielte - und einen Matchball ausließ. Fünf weitere Matchbälle vergab Kerber gegen Scharapowa beim Stand von 5:4 ab, ehe die Deutsche Kerber glücklich die Arme in die Höhe streckte.

Zuvor hatte Lisicki nach ihrem erfolgreichen Matchball glücklich auf den „heiligen Rasen“ niedergekniet. Sie hatte zerfahren gespielt, zeigte speziell bei ihrem sonst so starken Aufschlag Schwächen. Am Ende benötigte sie Glück, um bei ihrer sechsten Teilnahme an der Church Road zum fünften Mal in das Viertelfinale einzuziehen.

Im entscheidenen Durchgang musste Lisicki beim Stand 1:1 und Spielball gegen sich eine Verletzungspause nehmen und wurde im Nacken-und Schulterbereich behandelt. „Ich habe versucht, weiterzumachen, aber ich konnte meinen Arm nicht heben“, antwortete sie in der Pressekonferenz auf die unzähligen Fragen nach dem unglücklichen Zeitpunkt. „Ich hoffe und denke, dass es nur eine Blockade ist.“

Der Start gegen die kasachische Weltranglisten-65. Schwedowa war daneben gegangen. Zwei Doppelfehler, ein Return-Gewinnschlag ihrer Kontrahentin, ein Vorhandfehler - das erste Aufschlag-Spiel weg. Zwei Doppelfehler leistete Lisicki sich in jedem ihrer ersten drei Aufschlag-Spiele, acht insgesamt im ersten Durchgang. Sogar in der Pause imitierte sie ihren Ballwurf.
Als die Frohnatur bei 3:2 die zweite von drei Breakchancen fahrlässig vergab, rief ein Zuschauer: „I still love you“ - sinnbildlich für das herzliche Verhältnis der Fans im All England Lawn Club zur blonden Berlinerin. Mit einem unerreichbaren Vorhand-Return sicherte sie sich dann nach 24 Minuten das 4:2, Lisicki ballte die Faust und ließ sich zwei Spiele später bei eigenem Aufschlag den Satzgewinn nicht nehmen.

Im zweiten Durchgang lief zunächst nicht viel - und nach 58 Minuten leuchtete der Satzausgleich auf der Anzeigentafel auf. Im dritten Satz erkämpfte sie sich nach ihrer Behandlungspause das 2:1. Die Partie war anschließend weiter von Fehlern beider Spielerinnen geprägt. Nach 1:59 Stunden beklatschen die Zuschauer dann die deutsche Tennis-Lady - ebenso wie gut zwei Stunden später die zweite Deutsche .
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: